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"Schock": Dramatisches Sinner-Aus macht Zverev zum Gejagten

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Jannik Sinner ist kurz davor, im Eiltempo in die dritte Runde einzuziehen. Doch dann kommt die drastische Wende. Der Italiener kämpft, leidet - und verliert. Das hat Folgen für Alexander Zverev.

Paris.

Der noch immer erschöpfte Jannik Sinner schleppte sich eine Stunde nach seinem dramatischen körperlichen Einbruch zur Pressekonferenz. Dort zeigte er sich zumindest mental etwas erholt vom sensationellen Zweitrunden-Aus bei den French Open. "Ich hatte keine Energie. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich das letzte Mal so schwach gefühlt habe. Aber es ist, was es ist", sagte Italiens Tennisstar: "Das ist der Sport."

Der Topfavorit und Weltranglistenerste hatte sich von Krämpfen und Schwindelgefühlen geplagt dem Argentinier Juan Manuel Cerundolo mit 6:3, 6:2, 5:7, 1:6, 1:6 geschlagen geben müssen. Damit erhöhten sich die Chancen von Alexander Zverev auf dessen ersten Grand-Slam-Turniersieg drastisch. 

"Für jeden ein Schock"

Sinner, der Zverev neunmal in Serie in direkten Duellen geschlagen hat, galt als größter Titel-Konkurrent des Hamburgers. Zverev war am Mittwochabend mit einem souveränen Dreisatzsieg gegen den Tschechen Tomas Machac in die dritte Runde eingezogen.

"Erstmal ist es für jeden ein Schock", sagte Ex-Bundestrainerin Barbara Rittner bei Eurosport: "Natürlich ist Sascha Zverev, der an Nummer zwei gesetzt ist, jetzt der absolute Topfavorit." Ex-Profi Philipp Kohlschreiber warnte jedoch: "Es gibt noch genug Stolpersteine."

Zverev jetzt der Gejagte

Als nächster Gegner wartet am Freitagabend (20.15 Uhr/Eurosport) der Franzose Quentin Halys. Ein auf dem Papier absolut machbares Duell, bei dem Zverev sein leicht umgestelltes Spiel weiter verfeinern kann. Ihm sei bewusst geworden, dass er etwas an seinem Spiel ändern müsse. Mutiger und variantenreicher will der Olympiasieger von 2021 agieren - und das zeigte er auch bei seinen zwei noch satzverlustfreien Auftritten in Paris in diesem Jahr. 

"Bis jetzt funktioniert es", sagte Zverev: "Wir werden sehen, wie die nächsten zehn Tage werden." Dass sein größter Titelkonkurrent jetzt nicht mehr im Wettbewerb ist, dürfte an seiner Taktik nichts ändern. Boris Becker ist ein großer Fan von "Zverev 2.0". "Die Kreativität, der Stopp, die Art und Weise - das gefällt mir unglaublich gut", schwärmte das Tennis-Idol: "Es ist für mich aktuell der beste Sascha Zverev." Und für alle ist Zverev plötzlich der Gejagte. 

Sinner fühlte sich "sehr schwindelig"

Für Sinner war es die erste Niederlage nach zuvor 30 Siegen in Serie. Als er auf dem Court Philippe Chatrier mit 5:1 im dritten Satz führte und alles schon nach einem Zweitrundensieg im Eiltempo aussah, kam es zu einer drastischen Wendung: Die Mittagshitze mit 30 Grad und viel Sonne bereiteten Sinner nun doch Probleme. Er humpelte, dehnte sich und massierte sein linkes Bein bei einer Pause auf der Bank selbst. Nach einem Ballwechsel lehnte er sich völlig erschöpft an eine Bande.

"Es muss wirklich extrem schlimm sein, er bewegt sich ja keinen Millimeter mehr", sagte Kohlschreiber. Beim Stand von 5:4 und 0:40, nachdem Sinner 15 Punkte in Serie verloren hatte, beantragte er eine medizinische Auszeit. Ihm sei auch "sehr schwindelig", sagte der Südtiroler zu einem Physiotherapeuten. Und der Schiedsrichterin sagte er, dass er sich dehydriert fühle und sich übergeben müsse. "Viele Dinge haben diese Sache herbeigeführt", sagte Sinner mit etwas Abstand, ohne konkrete Gründe zu nennen. 

Sinner kämpft und keucht

Auch nach der Pause litt Sinner, und so verlor er fast ohne Widerstand den dritten Satz. Danach verließ er wieder den Platz für eine Kabinenpause. Nach der Rückkehr bewegte sich der Italiener etwas besser, gut fühlte er sich aber nicht. Teilweise kauerte er im Schatten und musste sich fast übergeben. Immer wieder beugte er sich auf seinen Schläger und atmete schwer. 

Sinner mit der Schiedsrichterin.
Sinner mit der Schiedsrichterin. Bild: Thibault Camus/AP/dpa

"Wie er sich jetzt da seit eineinhalb Stunden rumschleppt und quält, das ist schon richtig, richtig bitter", sagte Kohlschreiber. Der angeschlagene Favorit versuchte, die Ballwechsel so kurz wie möglich zu halten. Er spielte phasenweise nur noch aus dem Stand. Cerundolo spielte clever, er streute zahlreiche Stopps ein und spielte mit viel Spin. Nach 3:36 Stunden stand die größte Überraschung des bisherigen Turniers fest.

Becker: Wetter ist Sinners "größter Gegner"

Bei ähnlichen Bedingungen hatte Sinner zuletzt einige Male körperliche Probleme gehabt. "Wir Rothaarigen tun uns bei großer Hitze schwer", hatte Becker schon vor dem Zweitrundenmatch gesagt: "Das Wetter ist sein größter Gegner." Becker behielt recht.

"Ich habe jetzt viel Zeit zum Erholen", sagte Sinner, der in den Wochen zuvor ein brutales Wettkampf-Programm absolviert hatte. "Ich brauche jetzt wirklich ein bisschen Auszeit, um mich auch mental komplett zu erholen." (dpa)

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