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24 Jahre lang mussten die Fans der Türkei auf eine WM-Teilnahme warten. Gegen Australien ist das Team um Güler und Calhanoglu überlegen - am Ende aber feiern die Socceroos. Und das ganz besonders.
Australien ist mit seinem legendären Eckfahnen-Box-Jubel und einem echten Coup auf der WM-Bühne zurück. Die Socceroos verpatzten der Türkei ihr Turnier-Comeback nach 24 Jahren - und einer der beiden Torschützen beim 2:0 (1:0) in Vancouver jubelte auf eine ganz besondere Weise. Der ehemals beim FC Bayern München unter Vertrag stehende Nestory Irankunda (27. Minute) traf für den Außenseiter zur Führung, rannte danach zur Eckfahne und zeigte eine Boxeinlage.
"Timmy Cahill war meine größte Inspiration. Wenn es um Fußball geht, sind das er und Lionel Messi. Tim Cahill ist meiner Meinung nach Australiens Größter, und ich dachte mir einfach: Wenn ich ein Tor schieße, mache ich es genauso wie er", sagte Irankunda nach dem Abpfiff.
Australiens Rekordtorschütze Cahill, inzwischen 46, feierte bei der WM 2014 sein spektakuläres Volley-Tor gegen die Niederlande (2:3) mit seinem ikonischen Jubel. Dabei schlug er in einer Art Schattenboxkampf auf die Eckfahne ein.
St. Paulis Metcalfe trifft ebenfalls
Der 20 Jahre alte Irankunda spielte 2024/2025 für die zweite Mannschaft des FC Bayern und steht inzwischen beim FC Watford unter Vertrag. Für das 2:0 gegen die Türkei sorgte St.-Pauli-Profi Connor Metcalfe (75.).
Ins Duell mit Co-Gastgeber USA in Seattle können die Socceroos am Freitag in Gruppe D mit Selbstvertrauen und einer echten Chance auf die K.o.-Runde gehen. "Episch. Unglaublich. Ein Traum wird wahr", sagte Irankunda nach dem Auftakterfolg.
Australien verteidigt großartig
2002 waren die Türken zuletzt für eine WM qualifiziert, für die Generation um Real Madrids Star Arda Güler und Kapitän Hakan Calhanoglu ist das XXL-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko die erste WM-Teilnahme. Trotz der mühsamen Qualifikation über die Playoffs ging die Türkei als Favorit ins Duell mit Australien, hatte am Ende 72 Prozent Ballbesitz und 30 Torschüsse - konnte damit aber viel zu wenig anfangen. Mit teilweise neun Mann im eigenen Strafraum verteidigte Australien die Führung, für die Türkei gab es kein Durchkommen.
Ex-Bayern-Profi trifft zum 1:0
"Wir sind extrem traurig. Die Australier waren sehr gut mit ihrer Spielweise. Wir waren sehr nah dran, ein Tor zu machen", klagte der türkische Nationaltrainer Vincenzo Montella. Er ahnte schon, was auf ihn einprasseln wird: "Wenn man verliert, muss man alle Kritik ertragen - auch wenn die nicht fair ist."
Das Tor durch Irankunda fiel durch einen Konter, unmittelbar nachdem Güler die erste echte Chance für die Türkei hatte. Auch beim zweiten Treffer nutzten die Australier eine Unachtsamkeit der drückenden Türken eiskalt aus: Metcalfe traf von außerhalb des Strafraums mit einem starken Schuss ins kurze Eck - und das nach einer Saison ohne einen Treffer für St. Pauli.
Großen Anteil am Erfolg der Australier hatte Torwart Patrick Beach, der überraschend für Kapitän Matthew Ryan spielte und zu seinem dritten Länderspiel kam. In der 57. Minute parierte er etwa einen gefährlichen Freistoß von Güler, in der 86. dann den von Calhanoglu. Kurz zuvor war St.-Pauli-Kapitän Jackson Irvine noch ins Spiel gekommen und half, den Vorsprung zu verteidigen.
Coup nach Vertragsverlängerung
Australiens Chefcoach Tony Popovic hatte seinen Vertrag erst kurz vor dem WM-Auftakt um ein Jahr verlängert. Das Ergebnis kommentierte der 52-Jährige in ruhigen Worten: "Das ist vielleicht ein Schock für viele Menschen, aber kein Schock für uns. Diese Nacht ist eine spezielle Nacht für alle Socceroos-Fans. Wir sind sehr glücklich." (dpa)





