Überschattet von Ausschreitungen steigt Dynamo Dresden in 2. Fußball-Bundesliga auf

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Der Traditionsverein aus Dresden steigt nach nur einem Jahr wieder in die 2. Fußball-Bundesliga auf. Wichtig für den Erfolg war der Zusammenhalt der Mannschaft samt Funktionsteam und ein Trainerwechsel zur rechten Zeit.

Dresden (dpa).

Dynamos Christoph Daferner stürmte nach seinem Tor zum 1:0 (15.) in die Arme eines Greenkeepers. Nach dem Schlusspfiff, als die Dresdner im Mittelkreis herumtanzten und sich gegenseitig Bierduschen verpassten, ließen sie den sichtlich gerührten japanischen Zeugwart der Mannschaft Kenta Kambara hochleben. Es waren diese scheinbar nebensächlichen Szenen, die gut veranschaulichten, weshalb Schwarz-Gelb in der kommenden Saison wieder in der 2. Bundesliga vertreten ist. Und weshalb neben dem FCE Aue eine zweite Mannschaft aus Sachsen gegen Schalke 04 oder den Hamburger SV antritt.

"Wir waren einfach eine Sportgemeinschaft auf dem Platz, haben Dynamo Dresden gelebt. Es war eine wahnsinnig gute Mischung", lobte Torhüter Kevin Broll nach dem Abpfiff der vorentscheidenden Partie gegen Türkgücü München den Zusammenhalt. Dabei schloss der Keeper, der in 18 Saisonspielen kein Gegentor kassiert hat, das gesamte Funktionsteam ausdrücklich mit ein. "Sie waren auch mit Herzblut dabei und haben sich den Arsch aufgerissen. Sie gehören dazu."

Also feierten am Sonntag alle in Schwarz-Gelb den sofortigen Wiederaufstieg, der nach einem souveränen 4:0 (2:0) gegen die Bayern am vorletzten Spieltag der 3. Fußball- Liga feststeht. Nach 2004, 2011 und 2016 steigt die SGD zum vierten Mal ins Bundesliga-Unterhaus auf. Wer ihr folgt, steht erst am kommenden Wochenende fest. Die Dynamos können sich das Ganze gelassen anschauen, mit dem Feiern begannen sie schon in der 89. Minute des Spiels. Da wurden auf der Bank die Aufsteiger-Shirts verteilt - und als der Schlusspfiff ertönte, stürmten alle Spieler, Trainer und Betreuer in den Mittelkreis, wo sie ausgelassen feierten. Coronabedingt passierte das vor leeren Rängen.

Trotz dieses Wermutstropfens genoss auch Dynamo-Trainer Alexander Schmidt den Glücksmoment. Er hatte nach dem 34. Spieltag Markus Kauczinski abgelöst, einen Vertrag bis zum Saisonende unterschrieben, und den leichten Negativtrend gestoppt. Ob der 52-Jährige in der 2. Bundesliga weitermachen darf, steht zwar noch nicht fest. Gute Karten dürfte der gebürtige Augsburger haben, auch bei den Profis. "Dass der Trainer bleibt, liegt nicht in meiner Macht, aber ich hätte nichts dagegen", meinte Mittelfeldspieler Yannik Stark. Schmidt, der vor seinem Engagement in Sachsen ausgerechnet Türkgücü München trainiert hatte, selbst wohl auch nicht: "Wir steuern einem guten Anfang entgegen. Wer hier nicht Trainer werden will, der hat sein Herz an der falschen Stelle", sagte der Aufstiegstrainer, dem Markus Kauczinski auch ein gut bestelltes Feld hinterlassen hatte. Allerdings fand er zum Ende seiner Amtszeit nicht mehr den richtigen Schlüssel, um seine Spieler zu motivieren. Alexander Schmidt, der eine nahezu tadellose Bilanz von fünf Siegen in sechs Spielen aufzuweisen hat, gelang das besser.

Die Aufgabe gegen die Münchner löste die Dresdner jedenfalls wie ein Meister. Clever und geduldig lauerten sie auf die Fehler der Gäste, bei denen die bekanntesten Gesichter wie Sercan Sararer oder Petar Sliskovic fehlten. Die mit "voller Kapelle" angetretenen Hausherren brauchten zwar ein paar Minuten, um die anfängliche Nervosität abzuschütteln. Nach einer Viertelstunde schlugen sie aber eiskalt zu. Der ehemalige Auer Christoph Daferner nutzte eine unfreiwillige Vorlage des Koreaners Park Yiyoung und lupfte den Ball gekonnt über Torwart Rene Vollath. Eine schöne Aktion, nach der ein volles Rudolf-Harbig-Stadion das erste Mal in seinen Grundfesten erzittert wäre.

Ablenken ließ sich Dresden von der längst nicht mehr neuen, aber immer noch gewöhnungsbedürftigen Atmosphäre nicht. Der 19-jährige Ransford-Yeboah Königsdörffer (27.), eine der Entdeckungen der Saison, Heinz Mörschel (62.) und Panagiotis Vlachodimos (90.) sorgten dafür, dass in Sachen Aufstieg nichts mehr anbrannte. Entsprechend heiß hatte Kevin Broll seine Teamkameraden vor Beginn der Partei ohnehin gemacht: "Ich habe gesagt, dass sie das Herz auf dem Platz lassen, sich zerreißen sollen und jeder für jeden da sein soll", verriet der Torhüter. Seine Teamkameraden hatten offenbar gut zugehört.

30 Tage für 22,49€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 22,49€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 22,49 €