Babyklappe: Neugierige Passanten sorgen oft für falschen Alarm

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Vor gut einem Jahr wurde die Babyklappe in Plauen zuletzt genutzt. Reagieren muss der Verein, der die Klappe betreibt, aber wesentlich häufiger.

Plauen.

Das kleine Bett ist Tag und Nacht auf 37 Grad vorgewärmt, Sommer wie Winter. Ein Plüschtier liegt darauf. Vor gut einem Jahr hat hier zuletzt ein Kind gelegen. Wie alle hier abgelegten Babys war es nur ein paar Stunden alt. Und es war das elfte Kind, das in die Babyklappe des Karo Vereins am Unteren Bahnhof in Plauen gegeben wurde.

Die Klappe - eine Einrichtung, in der Babys anonym abgeben werden können - existiert inzwischen seit mehr als zwölf Jahren. "Man kann also sagen, durchschnittlich hat ein Kind pro Jahr so seinen Weg zu uns gefunden", sagt Eileen Schönheit, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im Karo-Verein. "Gemessen an der Bevölkerungsdichte Plauens ist das schon sehr viel", fügt die 44-Jährige hinzu. Geöffnet wird das kleine Wärmebett aber wesentlich häufiger. "Ein- bis zweimal im Monat müssen wir reagieren, weil die Klappe geöffnet wird. Über eine Kamera, die ausschließlich das Bettchen zeigt, lässt sich dann sehen, ob wirklich ein Kind abgelegt wurde. In diesem Fall wäre der Rettungsdienst in zwei bis zehn Minuten vor Ort."

In den meisten Fällen öffnen aber neugierige Passanten die Klappe, die sich keine Gedanken machen und wissen wollen, was dahinter ist, sagt Cathrin Schauer-Kelpin, Vereinsgründerin und geschäftsführender Vorstand. Der falsche Alarm kostet nicht nur jedes Mal Zeit und Nerven, sondern verursacht auch Kosten. Pro Jahr zahlt der Verein zwischen 7000 bis 8000 Euro, um Müttern in Notlagen dieses Angebot vorhalten zu können. Den größten Teil der Kosten macht dabei das Sicherheitspersonal aus, das rund um die Uhr informiert werden kann. Inzwischen hat der Verein auch Klappen-Patenschaften mit Firmen und Stiftungen, die sich finanziell an dem Angebot beteiligen - auch, wenn es mal längere Zeit nicht genutzt wird. "Eine Babyklappe ist ja kein Erfolgskonzept, sondern eine präventive Maßnahme, die auch ungewollten Kindern das Recht auf Leben ermöglicht", so die Vereinschefin.

Neben der Babyklappe können werdende Mütter in Notsituationen seit Mai 2014 auch die "vertrauliche Geburt" in Anspruch nehmen, wie Martina Enderweit von der Schwangerenkonfliktberatung der Diakonie in Klingenthal erklärt. Sie gehörte zu den ersten Fachberatern, die sich bundesweit für die vertrauliche Geburt qualifizierten. Kern des Modells: Frauen bringen ihr Kind in einem Krankenhaus zur Welt und bleiben trotzdem anonym. Das Kind kommt nach der Geburt in die Obhut des zuständigen Jugendamtes. Die Personendaten der Mutter werden zwar gespeichert, bleiben aber mittels eines Pseudonyms unter Verschluss. Solange, bis das Kind seine Herkunft erfahren möchte. "Seit das Angebot besteht, haben in Deutschland rund 760 Frauen davon Gebrauch gemacht", erklärt Enderweit. Jedes Jahr seien es etwa 120 Frauen. "Hinter all diesen Frauen stehen schlimme Schicksale. Niemand trennt sich einfach so von einem Kind. Der Vorteil des Angebotes ist, dass wir den Frauen auch nach der Entbindung eine Beratung anbieten können."

Was aus den Kindern wird, die der Verein in dem kleinen Wärmebett vorfindet, wissen die Karo-Mitarbeiterinnen nicht. Sobald ein Kind dem Rettungsdienst übergeben wird, gilt das Jugendamt als rechtlicher Vormund. "Aus Datenschutzgründen erfahren wir dann gar nichts mehr", sagt Cathrin Schauer-Kelpin vom Karo Verein. "Dabei wäre es schön, wenigstens zu wissen, ob es den Kindern gut geht."

In der Regel werden die Kinder im Anschluss an den Aufenthalt im Helios Vogtland-Klinikum in Plauen in einer adoptionsbereiten Familie zu einer sogenannten Adoptionspflege aufgenommen, bestätigt der Sprecher des Landkreises, Uwe Heinl. Als Adoptionspflege wird die Zeit zwischen der Aufnahme des Kindes in der Familie und dem vollständigen Abschluss der Adoption bezeichnet. Diese dauert mindestens ein Jahr und ist gesetzlich vorgeschrieben.

Jährlich werden durch die Adoptionsvermittlungsstelle Westsachsen, die in einer gemeinsamen Kooperation der Landkreise Zwickau und Vogtlandkreis arbeitet, zwischen 30 und 40 Kinder in die Adoption begleitet.

Hilfe erhalten Schwangere in Not unter der Rufnummer 0800 4040020.

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