Grünen-Kandidat Olaf Horlbeck: Der Veränderungsbereite

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Am 26. September ist Bundestagswahl. "Freie Presse" stellt die vogtländischen Direktkandidaten vor. Heute: Olaf Horlbeck (Grüne).

Wildenau/Plauen.

Das Malzhaus in Plauen hat Olaf Horlbeck als Treffpunkt für das Gespräch vorgeschlagen. "Hier habe ich tolle Konzerte erlebt. Mit Musikern, die mich begeisterten", sagt der 55-Jährige, der bei der Bundestagswahl im Vogtlandkreis als Direktkandidat für Bündnis 90/Die Grünen antritt. "Künstler haben in der Coronazeit besonders gelitten", begründet der Tischlermeister aus Wildenau, dass er mit dem Malzhaus als Kulisse auf diesen Umstand aufmerksam machen wolle. Und als Jazzfan freue er sich darauf, gute Musik auch live erleben zu können.

Kein Solarpark, keine E-Auto-Ladesäule, kein Windrad als Kulisse - dabei wären das durchaus passende Motive fürs Foto gewesen. Schließlich nehmen Themen wie Klimaschutz, erneuerbare Energien und klimaneutrale Wirtschaft viel Raum ein im Wahlprogramm der Grünen. Doch bei allem Engagement für diese Ziele - am Wichtigsten ist Olaf Horlbeck, den Wählerinnen und Wählern im Vogtland zu vermitteln, "dass Veränderung nicht Verschlechterung bedeutet". Wenn andere Parteien regelrecht Angst vor Veränderungen schüren, findet er das verwerflich: "Wir könnten im Vogtland, in Deutschland bei drängenden Problemen wie dem Klimaschutz schon viel weiter sein, wenn den Leuten nicht jahrelang eingeredet worden wäre, das lasse sich ohne Veränderungen lösen", beklagt er "Jahre des Stillstands".

Mit dem selbstständigen Tischlermeister haben die Bündnisgrünen im Vogtland einen für ihre Partei eher untypischen Kandidaten nominiert. "Täuschen sie sich da mal nicht", kontert Olaf Horlbeck. Viele Wähler seien inzwischen offen für grüne Ideen. Daran änderten auch Negativkampagnen nichts. "Selbst große Teile der Industrie und auch viele Handwerker sind da längst weiter, weil sie die Chancen erkennen, die ein Umbau der Wirtschaft mit sich bringt", sagt Horlbeck. Deshalb nehme das Handwerk in seinem Wahlprogramm viel Raum ein - mit Forderungen nach kostenloser Meisterausbildung, Qualifizierungsoffensiven für die Beschäftigten und zwölf Euro Mindestlohn. Zusammen mit einer Wende hin zu nachhaltiger Landwirtschaft werde dies den ländlichen Raum stärken, ist Olaf Horlbeck überzeugt.

Und auch viele ältere Wähler seinen durch Diskussionen mit ihren Kindern und Enkeln heute aufgeschlossener als noch vor Jahren. "Ich habe das selbst durch", bekennt der Wildenauer: Eine seiner Töchter habe die Familie beim Essen mit Themen wie Massentierhaltung und Tierschutz konfrontiert. Offenbar überzeugend, denn inzwischen ist auch Olaf Horlbeck Veganer und engagiert sich für den Tierschutz.

Raushängen lässt er das nicht. Auch sonst geriert er sich nicht als grüner Apostel, sondern entspricht viel mehr dem Bild des bodenständigen Handwerksmeisters, der in seinem Dorf verankert ist. Als aktiver Feuerwehrmann zu Beispiel. "Da gibt es schon die eine oder andere Diskussion mit Kameraden", bekennt Horlbeck, als Grüner auf dem Land keinen leichten Stand zu haben. Aber diese Diskussionen bereiteten ihm auch Freude. Denn die Grünen müssten ihre Fixierung auf ihr eigenes Milieu überwinden.

"Hier in Sachsen ist es besonders schwer, einen Zugang zu den Menschen zu bekommen. Aber wenn wir es nicht schaffen, dass man uns zuhören will, werden wir es nicht schaffen, Zustimmung für unsere Politik zu bekommen", beschreibt Olaf Horlbeck seinen Ansatz, für grüne Ideen zu interessieren und damit die Bereitschaft für Veränderungen zu wecken. Dazu gehöre für ihn, den Menschen Wertschätzung zu zeigen für ihren Beitrag zum Wohlstand der Gesellschaft und auch dann offen und tolerant zu bleiben, "wenn wir nicht gleich mit offenen Armen empfangen werden", sagt Horlbeck mit einer gewissen Demut.

Die zeigt sich auch in der Einschätzung seiner Chancen, in den Bundestag gewählt zu werden. "Wenn ich mit meinem Ergebnis dazu beitragen kann, dass die Grünen im Vogtland, in Sachsen und bundesweit zulegen und so Veränderungen anschieben können, dann ist das ein Erfolg", so der Kandidat. Die Chancen dafür stünden gut, glaubt Olaf Horlbeck: "Die Veränderungsbereitschaft der Menschen hat in den letzten Jahren eher zu- als abgenommen", ist er überzeugt.

www.freiepresse.de/btwvogtland


Persönliches

Geburtsdatum: 31. Oktober 1965 in Rodewisch.

Familienstand: verheiratet; zwei Kinder, drei Enkel.

Werdegang: lebt in Wildenau, Ortsteil der Gemeinde Steinberg. Auf die Ausbildung zum Tischler folgte 1988 der Abschluss als Tischlermeister, 2014 der Abschluss als Gestalter im Handwerk. Olaf Horlbeck führte den 1950 gegründeten Familienbetrieb von 1990 bis 1998 zunächst als Betriebsleiter, inzwischen ist er Inhaber der Tischlerei mit fünf Mitarbeitenden, davon eine Auszubildende.

Parteizugehörigkeit: seit 2011 Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen, seit 2020 Mitglied im Landesparteirat; von 1992 bis 1994 sowie 2009 bis 2014 Gemeinderat in Wildenau bzw. Steinberg; seit 2019 Kreisrat.

Ehrenämter: aktives Mitglied der Feuerwehr Wildenau sowie Mitglied im Kinderhilfswerk Unicef, in den Tierschutzorganisationen Albert-Schweitzer-Stiftung und animalEquality sowie im Förderverein Pestalozzi-Gymnasium Rodewisch. (how)


 

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