Talent beim Haareschneiden entdeckt

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Unter dem Titel "Farbige Abstraktionen" sind im Auerbacher Amtsgericht farbintensive PouringGemälde zu sehen. Für Silke Günther ist es die erste Ausstellung.

Auerbach.

Was hat Kunst mit Justiz zu tun? Eine ganze Menge, finden Inge Bahlmann und Ursula Meyer vom Auerbacher Amtsgericht. Es gehe darum, Justiz der Öffentlichkeit ein Stück weit zu öffnen, so Bahlmann. Dabei bekommt die Direktorin Unterstützung von Familienrichterin Meyer. Ziel der etwa zweimal jährlich stattfindenden Ausstellungen sei es, regionalen und frischgebackenen Künstlern ein Podium zu bieten. "Kunst & Justiz" heißt das 1992 vom Sächsischen Justizministerium ins Leben gerufene landesweite Projekt. Aktuell zeigt Silke Günther aus dem erzgebirgischen Oelsnitz über 20 Werke im Gericht. Ihr Ausstellungsdebüt heißt "Farbige Abstraktionen".

In Rodewisch geboren und aufgewachsen, hat sich Silke Günther in jungen Jahren vornehmlich für Handarbeit interessiert. Vor vier Jahren entdeckte sie ein ganz anderes Talent - beim Haareschneiden. Die dreifache Mutter fährt beruflich zweigleisig, ist Friseurin und arbeitet in einem Betrieb für Mikroelektronik. Auf die Sprünge half ihr Ursula Meyer, eine ihrer Kundinnen. Oft kreisen die Gespräche um Gemälde, denn Meyer ist selbst Hobby-Künstlerin, organisiert die Ausstellungen im Amtsgericht und riet ihrer Friseurin zum Selbstversuch. So kam der Stein ins Rollen: Silke Günther nahm den Rat an, durchforstete das Internet und fühlte sich auf Seiten angesprochen, die sich der Pouring-Maltechnik widmen.

Dabei werden Acrylfarben aus einem Becher auf die Leinwand gegossen. Fließen sie ineinander, entstehen unterschiedliche MarmorEffekte. Und reliefartige Strukturen, wenn noch Spezialpaste, Pinsel, Spachtel oder andere Utensilien zum Einsatz kommen, die in jedem Haushalt vorhanden sind. Silke Günther mag die farbintensiven abstrakten Ergebnisse. Manche der ausgestellten Werke sind miteinander "verwandt", also farblich identisch und zu Serien arrangiert. "Die Bilder lassen sich relativ schnell malen", erläutert Günther einen Vorteil. Und Ergebnisse sind nicht nur per Werkzeug zu beeinflussen: "Man kann auch Bereiche mit Malerkrepp abkleben." Bei einem der ausgestellten Bilder kam Magnetfarbe zum Einsatz. "Das lässt sich tatsächlich als Pinnwand verwenden", sagt die 54-Jährige. "Zettel bleiben auf jeden Fall dran hängen."

Aufgrund der Corona-Schutzregelungen hat das Gericht zwei von drei Fluren für Ausstellungen eingebüßt. Zugänglich sind ausschließlich noch der Eingangsbereich und benachbarte Gang. "Dort sollen bürgernahe Belange geklärt werden", erklärt Inge Bahlmann. Die Büro-Flure darüber sind jetzt für Besucher tabu. Dafür dienen jetzt Wartebereiche vor Sitzungssälen als Ausstellungsflächen. "So steht auch mal Platz für ein größeres Bild zur Verfügung."

Die Ausstellung "Farbige Abstraktionen" von Silke Günther im Auerbacher Amtsgericht kann bis November während der regulären Öffnungszeiten besichtigt werden.

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.