Wie Werdauer Bahnhofsschätze den Weg nach Gunzen fanden

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Historisches Interieur aus Werdau wird in diesen Tagen ins obere Vogtland transportiert, um einen Haltepunkt aufzuwerten. Warum gerade dort?

Gunzen/Werdau.

Christoph Kopp ist Banker und arbeitet in Frankfurt am Main. Den Weg zwischen seinem Wohnort Bad Nauheim und seinem Arbeitsplatz legt er täglich mit der Bahn zurück. Für den Hessen ist die Bahn nicht nur das ideale Transportmittel, um von A nach B zu gelangen, sondern zugleich Hobby und Ausgleich zum Beruf.

Vor zehn Jahren kaufte der Bahnfan das Stationsgebäude des Haltepunktes in Gunzen, nachdem er es im Internet entdeckt hatte. Kopps damaliger Plan: Er wollte das Häuschen, das von Größe und Baustil an das am Haltepunkt in Werdau West erinnert, in ein kleines Ferienhaus umbauen. Von seinen Plänen hat er sich inzwischen verabschiedet, jedoch nicht aus der Region. Ein Jahr nach dem Erwerb der Immobilie wurde der reguläre Bahnverkehr auf der Linie Zwotental-Adorf, an dem der Haltepunkt Gunzen liegt, eingestellt. Als im Sommer 2017 in Schöneck der Förderverein Obervogtländische Eisenbahn (OVEB) gegründet wurde, übernahm Christoph Kopp den Vorsitz. Seit 2018 veranstaltet der Verein wieder touristische Touren zwischen Adorf und Zwotental.

Bei seinen Fahrten mit der Bahn von Frankfurt am Main über Leipzig zu seinem kleinen Domizil im oberen Vogtland muss Christoph Kopp auf dem Bahnhof in Werdau umsteigen. Jedes Mal, wenn er auf dem Bahnsteig auf seinen Anschlusszug in Richtung Reichenbach wartete, fiel sein Blick auf das Stationsgebäude. Als er durch Zufall erfuhr, dass die Tage der Immobilie gezählt sind, begann der Hesse zu recherchieren und nahm dabei auch Kontakt zur Stadtverwaltung auf.

Das Gebäude hatte die Stadt vor einigen Jahren gekauft. Ihr Vorhaben: Das alte Gebäude soll abgerissen und durch einen zeitgemäßen Neubau ersetzt werden. Kopp wurde hellhörig und nahm das Objekt genauer in Augenschein. Er war von dem Gebäude und seiner Geschichte begeistert. Der Hesse erkundigte sich im Rathaus, ob er auch die für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglichen Räumlichkeiten im Bahnhofsgebäude, wie die ehemalige Mitropa oder den Königsgang, in Augenschein nehmen dürfte.

Beim Rundgang durch die Räume kam Kopp aus dem Staunen nicht mehr heraus. "Hier befinden sich noch so viele Relikte aus der sächsischen Eisenbahngeschichte, die es für die Nachwelt zu erhalten gilt. Es wäre schade, wenn die Zeitzeugen durch die Abrissbirne vernichtet werden würden", sagt der Hobby- eisenbahner.

Mit Zustimmung der Stadt und der Unterstützung durch die Mitglieder vom Verein "Wir in Werdau Süd" begann der Banker ein Teil des historischen Interieurs auszubauen. Dazu gehören neben einem alten Kachelofen unter anderem eine alte Wanduhr, Deckenleuchten und Wandvertäfelungen aus der ehe- maligen Mitropa-Gaststätte.

Die Dinge, für die die Stadt Werdau keine Verwendung mehr hat, sind für Kopp wahre Schätze und sollen in Gunzen ihren neuen Platz erhalten. Das Stationsgebäude besteht aus zwei Räumen und ist insgesamt 36 Quadratmeter groß. Der ideale Platz, um dort die Gegenstände würdig zu platzieren und in einer Art Museum zu präsentieren. Kopps Anliegen: Liebevolles der Vergangenheit nicht sang- und klanglos untergehen lassen, sondern als Wert für die Nachwelt erhalten.

Inzwischen ist das Material aus Werdau im Vogtland angekommen und in verschiedenen Räumlichkeiten deponiert. Was Christoph Kopp noch fehlt, sind zwei oder drei historische Wagenkästen, wie sie früher fast an jeder Bahnstation als Lagerräume zu finden waren. Die würde er auf dem Areal des Haltepunktes aufstellen. "Wir sind dankbar für jede Information, wo solche Wagenkästen noch stehen und nicht mehr benötigt werden", sagte er.

Am Haltepunkt Gunzen wird in den nächsten Tagen wieder Leben einziehen. Am 11. Juli nimmt OVEB wieder die Sonderfahrten mit dem Musikwinkel-Express zwischen Adorf und Zwotental auf. Für die erste Fahrt des Tages hat sich bereits eine Reisegruppe angekündigt.

Am 17. Juli verkehren aus Anlass des 170-jährigen Bestehens der Göltzschtalbrücke zwei Sonderzüge zwischen Reichenbach, Falkenstein und Adorf. Dabei wird es zwei längere Stopps am Haltepunkt Gunzen geben. Dort findet dazu kleines Fest statt, bei dem am Nachmittag auch Swinging Accordions aus Klingenthal auftreten werden.

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.