Plauens Stadtoberhaupt über die Bewerbung mit Leipzig um das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit: "Wir brauchen das jetzt"

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Steffen Zenner (53), Plauens Oberbürgermeister, sprach mit Nicole Jähn über das Zukunftszentrum, späte Chancen und die neuen Demos in der Stadt.

Freie Presse: Herr Zenner, der Zukunftszug von Leipzig nach Plauen, mit dem beide Städte auf ihre Bewerbung um das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit aufmerksam machen wollen, fuhr mit Verspätung ein. Ist das sinnbildlich für Plauen?

Steffen Zenner: Es stimmt, was wir jetzt anschieben, ist ein verspätetes Aufarbeiten der Friedlichen Revolution. Da hätten wir schon weiter sein können. Mich hat die große Ernsthaftigkeit beeindruckt, mit der die jungen Leute im Zug diskutierten und auch einfordern, dass wir mit ihnen die Zukunft verhandeln.

Freie Presse: Es soll eine Bewerbung von Leipzig und Plauen auf Augenhöhe sein. Wie können die Plauener sicher sein, dass das nicht nur ein Lippenbekenntnis der Metropole ist?

Steffen Zenner: Es ist kein Lippenbekenntnis, wir brauchen einander. Beide Städte hätten allein keine Chance das Zukunftszentrum zu gewinnen. Deshalb haben wir vereinbart, dass alle Säulen in beiden Städten vertreten sein werden und Plauen bei einem Zuschlag auch mindestens die Hälfte des Baubudgets erhält.

Freie Presse: Vor dem anstehenden Krisenwinter betrachten nicht wenige das Projekt als Wolkenkuckucksheim. Wie wollen sie die Plauener erreichen?

Steffen Zenner: Ich kann angesichts der Krisen, die viele an den Rand der Existenz bringen, die Frage gut verstehen, ob wir jetzt nicht Wichtigeres zu tun hätten und anderes bräuchten. Aber gerade jetzt brauchen wir ein solches Projekt! Denn dort können und sollten wir aushandeln, wie wir trotz Krisen und Meinungsverschiedenheiten unsere Gesellschaft beisammen halten. Klarstellen, dass wir die Öffnung Europas für unsere Zukunft brauchen.

Freie Presse: Was sagen Sie Demonstranten, die sich jetzt in Plauen in die Tradition der Bewegung von 1989 stellen?

Steffen Zenner: Ich habe volles Verständnis für diejenigen, die aus Angst und Sorge ihren Unmut auf die Straße bringen wollen. Was aber nicht funktioniert, ist ein Vergleich mit 1989. Denn die Menschen damals wussten nicht, ob sie abends nach Hause gehen können, ob ihnen Berufsverbot oder eine Verhaftung droht. Die Redefreiheit, der sich die Leute heute auf den Veranstaltungen bedienen, ist ein Verdienst der Menschen von 1989. (nij)

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