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Vogtland-Urlaub boomt - Sorgen bleiben

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Seit zwei Monaten können Beherbergungsstätten im Landkreis wieder Besucher empfangen. Wie hoch ist der Zuspruch im Corona-Sommer 2021? Die "Freie Presse" hat nachgefragt.

Ifa-Hotel an der Hohen Reuth in Schöneck: Die Einrichtung wird besonders jetzt in den Sommerferien gut besucht. Laut Christian Huster, der für die Belange des Ferienparks zuständig ist, stehen auf Grund von Brandschutzarbeiten am Hauptgebäude derzeit 163 aktive Zimmer im Ferienkomplex zur Verfügung - sie sind zu 95 Prozent ausgebucht. Die Gäste kommen vorwiegend aus Sachsen, aber auch teilweise aus anderen Bundesländern. Auffällig sei, dass die Urlauber sehr kurzfristig ihre Zimmer gebucht hätten. Fast alles habe geöffnet, so Huster. "Wir haben Schwimmbad und die Freizeitlandschaft geöffnet, auch die Wellness-Angebote stehen zu Verfügung und die Bikewelt ist immer ein Anziehungspunkt." Mit Blick auf den Herbst und Winter sagt er: "Es weiß noch keiner, wie sich die Situation entwickelt. Anfragen und Buchen gibt es nur vereinzelt. Man merkt, dass die Leute da noch sehr verunsichert sind." Am 14. Juni hatte das Ifa-Hotel nach dem Lockdown wieder geöffnet. Die rund 100 Mitarbeiter wurden schon vorher aus der Kurzarbeit zurückgeholt. "Als klar wurde, dass wir wieder öffnen dürfen, musste vorher das Haus wieder hochgefahren werden."

Waldpark Grünheide: Der Waldpark erlebte seit Mitte Juni einen regelrechten Ansturm. Wie Geschäftsführer Joachim Otto sagt, ist die Freizeitanlage mit ihren fünf Unterkunftshäusern seit zwei Monaten so gut wie ausgebucht. Insbesondere Schulklassen aus Mitteldeutschland nutzten vor den Ferien das Kinder- und Jugenderholungszentrum für ihre Abschlussausfahrten. An den Wochenenden kommen meist Familien aus unterschiedlichen Regionen in den Waldpark. Auch eine Kirchgemeinde aus Hessen mit 250 Gästen, die ihre Kirchenrüstzeit im Vogtland verbrachte, konnte begrüßt werden. "Aktuell sind wir sehr zufrieden. Wir können auch froh sein, dass die Inzidenzzahlen im Vogtland niedrig sind, sodass vieles ohne größere Einschränkungen möglich ist. Zwar müssen weiterhin entsprechende Hygienemaßnahmen bei uns eingehalten werden, aber diese stellen für unsere Besucher keine großen Einschränkungen dar", erklärt Otto. Auch der Monat September sei schon gut nachgefragt. Darüber hinaus hält sich aber auch hier die Nachfrage noch in Grenzen. "Da ist die Verunsicherung noch zu groß, nicht nur bei den Gästen, sondern auch bei vielen anderen Branchen, die am Tourismus hängen", schätzt Joachim Otto die Lage ein.

Talsperre Pöhl: Schon im vergangenen Jahr hatte die Corona-Situation viele Gäste ans vogtländische Meer gezogen, die die Region sonst eher nicht im Blick haben. So habe es Gäste gegeben, die sich kurzfristig umorientieren mussten, da in anderen Regionen Deutschlands kein Camping möglich war. So ähnlich ist es auch dieses Jahr. "Einige haben dadurch das Vogtland für sich neu entdeckt und wollen künftig wiederkommen", sagt Martin Teyke, stellvertretender Geschäftsführer im Zweckverband Talsperre Pöhl und Bereichsleiter Naherholung/Tourismus. Nach seinen Worten liege das Buchungs-Niveau ähnlich hoch wie 2020. Mit Stand 17. August konnten rund 9000 Gäste empfangen werden, bei 25.800 Übernachtungen. Zum Vergleich: Ende August letzten Jahres verzeichnete man 10.300 Besucher bei 28.250 Übernachtungen auf dem Campingplatz Gunzenberg, der Stellplätze für Wohnmobile und Zelte gleichermaßen anbietet. "Es ist hierzulande ein richtiger Campingboom zu verzeichnen, den wir deutlich spüren. Die Urlauber sind immer häufiger mit ihren eigenen Fahrzeugen unterwegs. Aktuell kommt noch die Corona-Situation hinzu, in der verstärkt in Deutschland Urlaub gemacht wird. Deshalb sind wir diesen Sommer, insbesondere jetzt in den Ferien nahezu ausgebucht. Durchreisende für ein oder zwei Nächte bekommen wir gerade so noch mit unter", so Teyke.

Hotel "Goldenes Herz": Der Landgasthof im Lengenfelder Ortsteil Schönbrunn verzeichnet diesen Sommer eine sehr hohe Nachfrage an Gästen. Denn die Einrichtung liegt in der Nähe vom Freizeitpark Plohn. Laut Inhaber Steffen Manthey, der auch gleichzeitig den Bayrischen Hof in Grünbach betreibt, sei dieses Jahr die touristische Nachfrage höher als in den vergangenen Jahren. Das beschränke sich jedoch nur auf Kurzurlauber, die den Freizeitpark besuchen oder auf Durchreisende. Das erhöhte Interesse an seiner Unterkunft stellt aber auch ein Problem dar: Es fehlt ihm an Personal. "Wir haben nach dem zweiten Lockdown Mitarbeiter in allen Bereichen verloren. Sie haben gekündigt, weil sie nicht wussten, wie es beruflich in der Branche weitergehen soll. Jetzt haben wir so wenig Personal, dass wir unsere Gäste nicht entsprechend betreuen können", so Manthey. So müssen derzeit Anfragen für Übernachtungen abgelehnt werden, Zimmer bleiben entsprechend leer. "Uns fehlt es an Reinigungspersonal für die Räumlichkeiten, wir arbeiten mit eingeschränkten Öffnungszeiten, weil wir die Bereiche Küche und Service nicht vernünftig abdecken können", schildert Steffen Manthey die Situation. Demnach werden dringend Mitarbeiter gesucht. Seine Befürchtung: "Finanziell profitieren wir zwar sehr stark vom Freizeitpark Plohn, aber wenn wir unsere Gäste nicht mehr vernünftig betreuen können, befürchte ich, dass sie uns in Zukunft komplett wegfallen."