Eigengründung statt Betriebsübernahme

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Andreas Gerner erinnert sich an Zeiten, als es Ofenkacheln als Kontingent von der Genossenschaft gab. Jetzt hat der Ofenbauermeister seinen Goldenen Meisterbrief erhalten.

Rödlitz.

1972 hat Andreas Gerner seinen Meisterbrief als Ofenbauer in den Händen gehalten. Nun wurde er von der Handwerkskammer Chemnitz mit dem Goldenen Meisterbrief geehrt. Gezielt ausgesucht hat er sich seinen Beruf nicht.

"Eine Bekannte hatte Verbindung zu einem entsprechenden Betrieb. Die meinte: Du könntest doch Ofensetzer werden." Die Zahl der beruflichen Möglichkeiten war Ende der 1950er-Jahre noch nicht unüberschaubar. Also hat Andreas Gerner eine Lehre zum Ofenbauer in einem kleinen Lugauer Handwerksbetrieb begonnen. "Ich hatte einen ruhigen, sachlichen und guten Meister. Na ja, ein bisschen geizig war er auch", erinnert er sich. Doch die Lehrzeit hatte es auch in sich: "Da wurde noch 48 Stunden pro Woche gearbeitet." Doch Hinschmeißen - keine Option. Und dass man nicht bei den ersten Schwierigkeiten aufgeben sollte, das ist eine Lektion, die er jungen Leuten von heute gern mitgeben möchte: "Man muss sich auch mal durchbeißen."

Andreas Gerner hat sich durchgebissen. Zehn Jahre hat er bei seinem Meister gearbeitet. Im Betrieb schien es für ihn eine Perspektive zu geben, denn der Meister hatte angekündigt: "Andreas, du übernimmst mal meinen Betrieb." Doch so richtig loslassen konnte der alte Lehrmeister dann doch nicht. Gerner wollte nicht länger warten, also hat er sich 1974 selbstständig gemacht. "Mit einfachsten Mitteln", wie er betont. Bereits drei Jahre vorher war er nach Rödlitz gezogen, wohnte dort im Haus eines Onkels und konnte sich auf dem Grundstück einen kleinen Schuppen als Lager bauen. Für den Transport der schweren Materialien musste zunächst ein Trabant mit Anhänger ausreichen. Später wurde ein Framo angeschafft und ein Telefon organisiert. "Ein Telefon war damals nicht selbstverständlich. Das war ein Fünfer im Lotto." Als Einzugsgebiet war auf der Gewerbegenehmigung der Kreis Hohenstein-Ernstthal festgelegt, was dazu führte, dass Gerner in seinen unmittelbaren Nachbarorten Hohndorf und Oelsnitz nicht arbeiten durfte. Arbeit hatte er dennoch genug. So sagt Gerner: "In der DDR hatten wir immer reichlich Aufträge. Da gab es keine Konkurrenz."

Neben dem Bau von Kachelöfen und Kachelofen-Luftheizungen gehörte das Fliesenlegen zu den genehmigten Tätigkeiten. Das allerdings hatte einen Haken: "Bei Fliesen gab es eine Wartezeit von sechs bis acht Jahren." Die Materialien für den Ofenbau, also Einsätze für die Luftheizung und Ofenkacheln, bekam Gerner dagegen als Kontingent über die Genossenschaft. "Die Auswahl war nicht wie jetzt. Es gab drei oder vier 08-15-Farben, zwischen denen der Kunde wählen konnte."

Von den frühen Arbeiten Gerners ist inzwischen nicht mehr viel übrig. "Nach der Wende haben viele ihre Kachelöfen weggerissen. Ich habe vor 30 Jahren schon gesagt: Wer schlau ist, der behält seinen Kachelofen." Aus heutiger Sicht kann man Gerner damit enorme Weitsicht bescheinigen. Doch die wenigsten haben ihre alten Kachelöfen behalten. Inzwischen geht der Trend dahin, noch stehende Öfen zu modernisieren. "Im Moment sind Öfen bei uns sehr gefragt."

Wie viele andere Ofenbauer auch, hat Gerner nach der Wende noch den Meisterbrief als Fliesenleger erworben. Doch sein Herz hängt am Ofenbau: "Ofensetzer hat mir mehr Freude gemacht. Von 1959 bis 1990 habe ich durchgehend Öfen gebaut. Durch die lange Zeit war ich dabei einfach geschickter." Das zweite Standbein als Fliesenleger allerdings hat dabei geholfen, die Firma bis heute zu erhalten.

Bis 2008 hat Andreas Gerner gearbeitet. Danach hat sein Sohn Mirko das Geschäft übernommen. Inzwischen arbeitet auch Enkel Lukas mit im Familienbetrieb.

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