Obdachlosen-Unterkunft in Werdau voll belegt

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In der Diakonie-Einrichtung nahe der Innenstadt sind keine Plätze mehr frei. Die Sozialarbeiterinnen erwarten auch mehr Menschen, die in Beratungen Hilfe suchen.

Werdau.

Die zwölf Plätze für wohnungslose Menschen im Hilfezentrum der Diakonie in der Freiherr-vom-Stein-Straße 26 in Werdau sind derzeit ausgebucht. "Wir haben nur noch zwei Notfallschlafplätze für den Ernstfall", sagt Jana Nickolai, die Leiterin des Hilfezentrums und Sozialarbeiterin.

Seit 2013 kümmert sich die 51-Jährige gemeinsam mit Janine Hilbenz-Schmidt mit viel Engagement um die Frauen und Männer in der Region, die ein Obdach suchen. "Dabei sind es aber in den allermeisten Fällen Männer, die oftmals über Mundpropaganda zu uns finden. Derzeit sind die Bewohner zwischen 21 und 74 Jahre alt." Sie wohnen in Dreier-WGs mit eigenem Bad und Küche. "Manche bleiben nur zwei Monate, andere ein Jahr und länger", sagt Jana Nickolai. "Und die Männer sind nicht die typischen Trinker." Dieses Klischee aus den 1990er-Jahren über Obdachlose bedienen die derzeitigen Bewohner ebenfalls nicht. "Zwei arbeiten auch. Um die Wäsche und die Pflege des Wohnraumes müssen sich alle kümmern", sagt die Sozialarbeiterin. Oftmals sind es persönliche Schicksalsschläge, wie eine Trennung, eine Krankheit oder der Verlust der Arbeit, die in die Obdachlosigkeit führen.

In den jetzigen Räumlichkeiten ist die Diakonie seit gut einem Jahr. Vermieter ist die kommunale Gebäude- und Grundstücksverwaltung, die das Haus gut saniert hat. Die WG-Zimmer sind hell, haben W-Lan-Anschluss und sind mit den Bedingungen in der einstigen Unterkunft an der Ottostraße nicht zu vergleichen.

Darüber hinaus betreuen die Sozialarbeiterinnen noch 15 Leute in Werdau und Crimmitschau, die wieder eine eigene Wohnung gefunden haben, aber weiterhin Hilfe bei der Bewältigung ihres Alltags brauchen.

Aktuell habe man eine große Lücke im Sortiment von haltbaren Lebensmitteln. Diese Lebensmittel werden an Bewohner in der Freiherr-vom-Stein-Straße ausgegeben, um die Zeit zu überbrücken, bevor diese Leistungen vom Staat beziehen. "Wir wollen verhindern, dass sie Schulden machen oder stehlen", sagt Nickolai. In diesem Zusammenhang würde sich das Diakonie-Team über Spenden wie Dosensuppen, Ketchup, Nudeln, Kaffee, Tee oder Kakao freuen. "Vor Weihnachten wird viel gespendet. Aber dieser Vorrat ist jetzt ziemlich aufgebraucht."

Das Hilfezentrum rechnet in den kommenden Monaten außerdem mit mehr Beratungsbedarf. "Wenn die ersten Betriebskostenabrechnungen vorliegen, wird sich der Zulauf verstärken", ist sich Constance Heft sicher, die die Kirchenbezirkssozialarbeit leitet.

Die allgemeine Sozialberatung findet immer dienstagvormittags statt. Dabei gibt es unter anderem Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen. Mittwochs bietet die Caritas im Haus eine Schuldnerberatung an, und einmal die Woche kümmern sich Mitarbeiter der sozialpädagogischen Familienhilfe um Sorgen und Nöte der Betroffenen.

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