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Lange Bewährung statt schnellem Geld

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Wegen schweren Raubes mussten sich fünf sehr junge Männer vorm Landgericht Zwickau verantworten. Ihre Beute: acht Euro und ein paar Klamotten.

Zwickau.

Drei gegen zwölf, die Beute kaum der Rede wert: "Blöder kann man eigentlich nicht sein." So formulierte es der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Noch schmerzhafter als diese Worte war für die Angeklagten das Urteil, das der Richter nach zwei Verhandlungstagen am Mittwoch gesprochen hat. Vier der fünf Jugendlichen erhielten Haftstrafen, einer kam mit einer Verwarnung davon.

Vor dem Landgericht in Zwickau wurde ein Überfall auf eine Party im Stadtteil Marienthal verhandelt - angeklagt als schwerer Raub. Den haben drei junge Männer verübt, die zur Tatzeit vor ziemlich genau einem Jahr zwischen 15 und 18 Jahre alt waren. Sie hatten die Party gestürmt, bewaffnet mit einem Baseballschläger und einem Schraubenschlüssel. Sie waren der Meinung, bei den Kindern reicher Eltern an schnelles Geld zu kommen. Einer der Jugendlichen drohte mit dem Baseballschläger, forderte Wertsachen. Es kamen acht Euro zusammen, ein paar höherwertige Klamotten wie Jacken und ein bisschen Marihuana. Dafür hat der Jugendliche nun eine Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten bekommen, ausgesetzt zu zwei Jahren auf Bewährung. Zwei Jahre, ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt, erhielt der zweite Jugendliche, der zwar keine Waffe trug, aber einen Partygast, der an zwei Krücken stand, in den Schwitzkasten nahm und dann - wenn auch nicht schwer - mit einer Krücke zuschlug. Er war der einzige der Angeklagten, der erst ganz zum Schluss alle Taten einräumte. Die anderen hatten von Anfang an die Vorwürfe eingeräumt.

Der dritte an der Tat Beteiligte trug zwar den Schraubenschlüssel, stand allerdings überwiegend am Eingang. Dennoch trägt er nun die größte Last, denn nachdem der damals 18-Jährige gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hatte, musste er seine zweijährige Haft antreten. Er sitzt nun schon seit gut einem Jahr ein und hat nun ein weiteres Jahr obendrauf bekommen.

Die Idee zum Überfall stammt allerdings von einem vierten Beteiligten. Der damals 16-jährige hatte seinen Kumpels von der Party erzählt und ihnen auch gesagt, dass da schnelles Geld zu holen sei. Er selbst allerdings nahm an dem Raubzug nicht teil. Er hatte Angst, erkannt zu werden - versicherte sich dennoch eines möglichen Anteils. Genau das entlaste ihn nicht, sagte der Richter. Er verurteilte ihn ebenfalls zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung, und er muss wie die anderen beiden mit Bewährung 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Lediglich der Fünfte im Bunde kam mit einem blauen Auge davon. Der 21-Jährige wartete als Fahrer im Auto, wo die Jugendlichen auch den Baseballschläger gefunden hatten. Auch er wurde verurteilt, kam aber mit einer Verwarnung und 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit davon. Er hat als einziger das Urteil sofort angenommen.

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