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Chefredakteur Torsten Kleditzsch Chefredakteur Torsten Kleditzsch

Foto: Ronny Rozum

Es geht um das beste Geschäft

Am Freitagabend tritt Donald Trump das Amt des US-Präsidenten an

Von Torsten Kleditzsch
erschienen am 19.01.2017

Nun also Trump. Der Präsident neuen Typs. Ab Freitagabend regiert er Amerika, wird damit zum mächtigsten Mann der Welt. Herr über Tausende Atomwaffen. Erster Mann eines Staates, der bislang als Sehnsuchtsort aller Freiheitsliebenden galt und sich als Schutzmacht der Demokratie und Menschenrechte schlechthin verstand, auch wenn es mitunter eher um Öl und strategische Vorteile ging. Eines Staates zugleich, dessen Gesellschaft tief gespalten, dessen Infrastruktur geschunden ist. Jetzt kommt Donald Trump, der Macher.

Die Vereinigten Staaten haben nie gezögert, ihre Interessen durchzusetzen. Mit Trump wird das aber eine neue Qualität erreichen, für jeden offenkundig werden. Wenn man so will: auch ein Stück ehrlicher. Trump redet nicht drumherum. Er will für sein Land stets einen "great deal", ein großartiges Geschäft - oder das, was er dafür hält. Dabei rechnet er nicht in historischen Dimensionen, auch das hat er klargestellt. Seine Rechnung bezieht sich auf das Hier und Heute und die nächsten Jahre. In dieser überschaubaren Zeit soll etwas herauskommen für Amerika und für ihn.

Trump wird man nicht damit überzeugen, was der Zweite Weltkrieg für Europa gebietet. Dass die Europäische Union ein Werk ist, das dem Kontinent Frieden und Ausgleich bescherte, ist ihm offenkundig wenig wert. In seinem Interview mit der "Bild"-Zeitung beschrieb er die EU einzig als Instrument, um Deutschlands Interessen durchzusetzen. Wenn das für ihn alles ist, darf man damit rechnen, dass ihm ein Ende der EU gelegen käme.

Dabei hat Trump in Deutschland durchaus seine Fans. Die einen feiern den Unangepassten, der die alten Eliten aufgemischt, ihre Regeln ignoriert hat. Die anderen sind erleichtert, weil die Demokraten um Barack Obama und Hillary Clinton mit den Russen nicht klarkamen und man eine weitere Eskalation fürchten musste.

Danach gefragt, wem er mehr traue, Angela Merkel oder Wladimir Putin, antwortete Trump: "Zunächst einmal vertraue ich beiden - doch schauen wir mal, wie lange das anhält. Vielleicht hält es überhaupt nicht lange an." Der letzte Satz klingt wie eine Prophezeiung. Kommt Trump mit Merkel - oder welchem Bundeskanzler auch immer - nicht klar, wird die Welt und werden auch die Deutschen damit leben können. Nicht auszudenken aber, wenn die beiden Alpha-Tiere Putin und Trump aneinandergeraten, weil sich kein großartiger Deal ergibt, der beiden genügt.

Für Deutschland und Europa heißt Trump: Für die eigenen Interessen wird man selbst einstehen müssen. Dass das den Kontinent zu einem Zeitpunkt trifft, zu dem er dabei ist, sich selbst zu verlieren, macht die Aufgabe nicht einfacher. Wenn Europa jedoch kneift, steht es schon heute als Verlierer fest in der neuen Welt der starken Männer.

Bei allen Ängsten, die Trump durch seine Äußerungen hervorruft, wirklich messen kann man ihn erst an seinen Taten. Ab Freitagabend hat er die Chance, seine Kritiker eines Besseren zu belehren. Die meisten würden sich wahrscheinlich freuen, sie hätten sich geirrt. Ich auch.

 
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