Werbung/Ads
Menü


Foto: Ronny Rozum

Trittbrettfahrer des Terrors

Zum mutmaßlichen Attentäter auf den BVB-Bus

Von Stephan Lorenz
erschienen am 21.04.2017

Ein Drehbuchschreiber hätte sich mit dieser Story wohl eine Reihe von Absagen eingehandelt - zu unrealistisch, zu konstruiert, zu widerwärtig. Doch die Realität ist manchmal verrückter als die Fiktion. "Der Irrsinn ist bei Einzelnen etwas Seltenes, aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel", wusste schon der Philosoph Friedrich Wilhelm Nietzsche.

Und in was für Zeiten wir leben: Ein Mann kommt auf die gruselige Idee, mit dem Tod von berühmten Fußballspielern Geld zu verdienen. Borussia Dortmund, der einzige börsennotierte Fußballclub in Deutschland, ist ein perfektes Ziel für seine Geldgier. Mit dem Anschlag auf den BVB-Mannschafsbus schießt die Aktie in den Keller, er verdient daran - so sein teuflisches Kalkül. Welche kranken Ideen bringt die Gier nach Geld und Reichtum in unserer Gesellschaft noch hervor?

Der Fall ist in der deutschen Kriminalgeschichte bislang einmalig: Der mutmaßliche Täter ist ein Trittbrettfahrer des Terrors. Er versuchte falsche Spuren in die islamistische Szene zu legen, um von sich und seiner Gier abzulenken. Schlimm, wie er dabei die Terrorangst in unserer Gesellschaft ausnutzte.

Das tat er gottseidank so dilettantisch, dass die Ermittler sehr schnell skeptisch wurden. Es war richtig, in alle Richtungen zu ermitteln und nicht zu früh Schlussfolgerungen zu ziehen. Ein Erfolg des Bundeskriminalamtes - auch das sollte mal erwähnt werden.

Kurz nach dem Anschlag auf den BVB-Bus wurde natürlich viel von Terror gesprochen, die ersten Hinweise führten ja vermeintlich auch in die islamistische Szene. Heute wissen wir es alle besser. Die Spekulationen von damals aber sind verständlich, wenn man sich einfach nur mal zurückerinnert, was in den vergangenen Wochen und Monaten in Europa passiert ist. Erst Donnerstagabend wurde in Paris auf dem berühmten Prachtboulevard Champs Élysées ein Polizist getötet und weitere Menschen verletzt. Wie die Öffentlichkeit kurz nach dem Anschlag in Dortmund fälschlicherweise von Terror sprach, ist ein alarmierendes Zeichen. Terrorismus, gleich welchen ideologischen Hintergrund er hat, hat immer etwas mit der Motivation der Täter zu tun, mit dem Willen, Angst zu verbreiten. Terroristen wollen das Denken der Menschen besetzen und die Gesellschaft verunsichern. Diesem Ziel sind sie in Deutschland und in anderen Ländern schon sehr nahe gekommen. Die freien Gesellschaften müssen dem mit Mut und Entschlossenheit entgegentreten. Leichter gesagt als getan.

Die Dortmunder Spieler, trotz Millionengehälter auch nur junge Menschen, dürften seit gestern zumindest von einer Last befreit sein: der Ungewissheit, warum sie Anschlagsopfer geworden sind. Das erleichtert und kann zur besseren psychologischen Verarbeitung des Ganzen beitragen. Eines aber wird bleiben: die Angst. Daher werden sich nicht nur der BVB, sondern auch alle anderen Vereine Gedanken über zusätzliche Sicherheit machen. Die Spieler werden sich noch mehr abschotten - zum Leidwesen der Fans.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
0
Lesen Sie auch:
 
Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Blaue Börse jetzt neu!

Schalten Sie Ihre Anzeige noch auffälliger - mit Farbfoto oder mit größerer Überschrift! Ihre Anzeige erscheint mittwochs in der Freien Presse und gratis dazu 7 Tage im Internet.

► Zeitungsanzeige inserieren
► Online Only Anzeige inserieren

 
 
 
 
 
|||||
mmmmm