Dutt zieht es nicht auf die Bank

Foto: DENNIS GROMBOWSKI (AFP)

Robin Dutt: "Ich werde nicht auf der Bank sitzen"

Der neue DFB-Sportdirektor Robin Dutt wird bei Fußball-Länderspielen wie sein Vorgänger Matthias Sammer nicht neben Bundestrainer Joachim Löw auf der Bank der deutschen Nationalmannschaft Platz nehmen. "Ich werde definitiv nicht auf der Bank sitzen", sagte der 47-Jährige, der am vergangenen Mittwoch vom Deutschen Fußball-Bund als neuer Sportdirektor vorgestellt wurde, im Interview mit der Bild am Sonntag.

Auf die Frage, wie viel Sammer denn in ihm stecke, sagte der ehemalige Bundesliga-Coach des SC Freiburg und von Bayer Leverkusen: "Ich weiß nicht, wie viel Sammer in mir steckt. Aber ich weiß, wie viel Sammer im DFB steckt. Und ich bin sehr beeindruckt, was er beim Verband bewegt hat." Sammer, Europameister von 1996, hatte am 2. Juli seinen Abschied vom DFB bekannt gegeben und war als Sportvorstand zum deutschen Rekordmeister Bayern München gewechselt.

Dutt sieht seine Aufgabe darin, "in den kommenden vier Jahren" Sammers Arbeit "fortzusetzen und weiterzuentwickeln". Der gebürtige Kölner glaubt, in vielen Bereichen ähnliche Auffassungen zu haben wie Löw, schließt aber Konfliktpotenzial nicht aus: "Wir haben inhaltlich eine Wellenlänge, werden bestimmte Dinge intern aber sicher auch mal kontrovers diskutieren. Eine gewisse Streitkultur ist grundsätzlich wichtig, wenn man erfolgreich sein will. Aber nicht in der Öffentlichkeit, sondern im Vier-Augen-Gespräch." Es habe sich auch in der Bundesliga "immer als Erfolgsmodell erwiesen, wenn der Sportdirektor und der Cheftrainer an einem Strang ziehen", so Dutt in der BamS.

Der in Leverkusen gescheiterte Fußballlehrer wurde auch nach einer Regelung gefragt, sollte Löw nach der WM 2014 seinen Vertrag als verantwortlichen Cheftrainer beim DFB nicht verlängern. Dutt: "Es gibt keine Bundestrainer-Klausel in meinem Vertrag, ich bin Sportdirektor und freue mich auf die spannende Aufgabe. Sie erwarten doch nicht ernsthaft, dass ich ohne jeglichen Anlass und Grund über einen Nachfolger von Jogi Löw spekuliere." Er wünsche sich vielmehr, dass "Jogi noch sehr lange unser Bundestrainer bleibt".

Derzeit sei er beauftragt, einen Nachfolger von Steffen Freund für die U17-Nationalmannschaft zu suchen. Der DFB-Trainer hatte um Auflösung seines Arbeitsverhältnisses beim Verband gebeten und war als Assistent von Teammanager André Villas-Boas zum englischen Erstligisten Tottenham Hotspur gewechselt.

Das Thema Hymne liegt dem neuen Sportdirektor indes sehr am Herzen. Er will bereits aktiv werden, wenn Kinder mit Migrationshintergrund zum ersten Mal zur U15 eingeladen werden. "Ich will die Eltern ganz offen fragen, ob sie ein Problem damit haben, wenn ihr Sohn trotz türkischer Abstammung die deutsche Hymne singt. Auch unsere Trainer müssen diese Gespräche führen. Und wenn dann schon die jungen Spieler singen, wäre das der Idealzustand", sagte Löw.

 
erschienen am 29.07.2012
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