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Foto: Jens Büttner/dpa

Nach Wegfall des Iran-Embargos hofft Sachsen auf gute Geschäfte

Die Wirtschaft im Freistaat erwartet ein dickes Ausfuhrplus nach dem Ende der Sanktionen gegen das Land im mittleren Osten. Die Euphorie ist groß. Experten dämpfen aber die Erwartungen.

Von Jürgen Becker
erschienen am 19.01.2016

Chemnitz. Die Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS) sieht im Iran einen hohen Investitions- und Konsumgüterbedarf. Nach Jahren der Isolation ist die Wirtschaft dort veraltet. Vor allem in der Fahrzeug-, Energie- und Umwelttechnik, aber auch im Chemieanlagen- und Maschinenbau, im Gesundheitswesen, in der Agrarwirtschaft und bei innovativen Baustoffen bieten sich Chancen. Im Iran leben rund 80 Millionen Menschen. Der Bundesverband Groß- und Außenhandel prognostiziert einen Anstieg der deutschen Ausfuhren in den Iran von 2,4 Milliarden Euro im Jahr 2014 auf bis zu 10 Milliarden Euro bis 2020. "Die Aufbruchstimmung in der sächsischen Wirtschaft ist deshalb groß", sagt WFS-Geschäftsführer Peter Nothnagel. "Erfolge werden sich aber nicht kurzfristig, sondern erst mittelfristig einstellen."

Wichtig sei, dass jetzt schnell Rechts- und Planungssicherheit geschaffen werde, sagt Barbara Hofmann, Außenwirtschaftsexpertin bei der IHK Chemnitz. Vor allem müsse der Iran wieder an das internationale Bankensystem angebunden werden, "Wir rechnen schon mit einem dicken Plus bei den Ausfuhren." Deutsche Produkte genössen einen guten Ruf im Iran. Auch seien die alten Kontakte südwestsächsischer Firmen hilfreich. Es werde aber wohl eine Weile dauern, bis sich die Handelsbeziehungen wieder normalisiert haben.

"Deshalb sollten die Erwartungen auch nicht überzogen werden", sagt Sandra Lange, Sprecherin der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW). Reinhard Pätz, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau Ost (VDMA), erwartet jetzt von der Politik, dass sie Exporte nach dem Iran wieder durch Hermes-Bürgschaften absichert. Von den deutschen Banken erhofft er sich, dass sie ihre Zurückhaltung bei der Finanzierung aufgeben. "Wir können uns nicht erlauben, lange zu warten. Die Chinesen, die während des Embargos ins Iran-Geschäft eingestiegen sind, werden uns diesen Markt ohnehin nicht kampflos überlassen."

Firmen wie der Chemieanlagenbau Chemnitz (CAC), der Sächsisch-Bayerische Starkstrom-Gerätebau im vogtländischen Neumark oder die Sigma Medizintechnik in Gelenau haben ihre Fühler längst nach Teheran ausgestreckt. "Man muss aber wieder ganz von vorn anfangen", sagt CAC-Seniorchef Joachim Engelmann. "Ich denke schon, dass wir dort wieder zum Zuge kommen werden. Das wird aber wohl zwei Jahre dauern."

Exportquote bislang gering

Der Handel mit dem Iran hat an den sächsischen Gesamtexporten mit 0,15 Prozent einen geringen Anteil. Im ersten Halbjahr 2015 wurden laut Statistischem Landesamt aus Sachsen Waren im Wert von 27 Millionen Euro in dieses Land ausgeführt. Ein Jahr zuvor betrug das Jahresvolumen 114 Millionen Euro. Vor allem Pumpen und Kompressoren, Textilmaschinen und andere Maschinen lieferten sächsische Firmen. "Der Iran wird den Einbruch im Russland-Geschäft nicht kompensieren", sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau Ost. "Ich bin aber überzeugt, dass ostdeutsche Firmen schon allein deshalb im Iran sehr gute Chancen haben, weil dort sehr viele alte deutsche Maschinen gewartet und repariert werden müssen."

 
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