Chemnitz
Die verzweifelte Suche nach einem Zwölfjährigen

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Der vermisste Junge aus Chemnitz, der am Freitag nicht von der Schule heimgekehrt war, ist wohlbehalten gefunden worden. Polizisten konnten den Zwölfjährigen am Montagmorgen vor seiner Schule aufgreifen. Die Beamten fahndeten nicht nur in Chemnitz nach dem Jungen.

Chemnitz.

Vor der Schule auf dem Sonnenberg herrscht sonntags normalerweise Ruhe. Nur einige Autos parken davor. Mehr nicht. Am Sonntag zeigt sich ein anderes Bild. Passanten bleiben stehen, weil Polizei vorfährt. Mit den Beamten verlässt ein Hund den Dienstwagen, der direkt vor der Georg-Weerth-Schule gehalten hat. Das Tier, kein typischer Polizeihund, wird an die Bushaltestelle geführt, die wenige Schritte von der Oberschule an der Uhlandstraße entfernt liegt. Auf den Hund wird alle Hoffnung gesetzt. Der sogenannte Mantrailer soll die Spur eines Jungen aufnehmen. Er soll den Zwölfjährigen finden.

Am Freitag ist der Zwölfjährige nach der Schule nicht nach Hause gekommen. Einen Tag später, am Samstagmittag, haben ihn die Eltern laut Polizei als vermisst gemeldet. Normalerweise fährt er nach der Schule mit dem Bus zur elterlichen Wohnung an der Frankenberger Straße in Hilbersdorf, sagt Polizeisprecher Andrzej Rydzik. Deshalb schnüffelt der Hund an der Haltestelle. Im frischen Schnee sucht er nach Hinweisen, in welche Richtung der Junge gefahren oder doch gelaufen sein könnte. Nach kurzer Zeit ist der Einsatz von Hund und Ermittlern beendet. Mit welchem Ergebnis? Darauf hat es am Sonntag noch keine Antwort gegeben.

Im Laufe des Sonntags werden wie schon einen Tag vorher Verwandte und Bekannte der Familie befragt. Die Ermittler sprechen auch mit Klassenkameraden. Womöglich können sie einen Hinweis auf den Verbleib ihres Mitschülers geben, der das letzte Mal am Freitag, 14.30 Uhr, gesehen worden ist. Alle Polizisten, die auf Streife unterwegs sind, haben ein Bild von dem Jungen dabei. Auch der Verkehrsbetrieb CVAG ist benachrichtigt. Das Video aus der Kamera des Busses, mit dem er am Freitag mitgefahren sein könnte, wertet die Polizei aus, so Rydzik. Insgesamt aber gebe es nur wenige konkrete Spuren, denen die Polizei nachgehen könne. Sie habe aber auch keine Hinweise darauf, dass das Kind Opfer einer Straftat geworden sein könnte, sagt der Sprecher.

Die Polizei suchte auch in Nähe der Oberschule auf dem Sonnenberg, wo der Junge am Freitagnachmittag nach dem Unterricht zum letzten Mal gesehen wurde, nach Hinweisen.
Die Polizei suchte auch in Nähe der Oberschule auf dem Sonnenberg, wo der Junge am Freitagnachmittag nach dem Unterricht zum letzten Mal gesehen wurde, nach Hinweisen. Bild: Harry Härtel

Seitdem die Ermittler öffentlich die Fahndung nach dem Jungen herausgegeben haben, wird in sozialen Netzwerken diskutiert, häufig spekuliert - unter anderem darüber, weshalb die Eltern erst einen Tag nach Verschwinden des Jungen die Polizei verständigt haben. Zu diesen näheren Umständen äußert sich der Sprecher nicht, sagt aber, dass es für die Suche immer besser ist, wenn die Beamten so schnell wie möglich informiert werden. Auch die in Netzwerken aufgeworfene Frage, ob es sich bei dem Fahndungsfoto um ein aktuelles Bild des Jungen handelt, weil er darauf jünger als zwölf aussehe, kann die Polizei nicht mit Sicherheit beantworten. Es sei das Foto, das den Ermittlern vorliegt und mit dem sie jetzt zunächst arbeiten.

Deutlicher wird Rydzik, als er mit dem Vorwurf von Facebook-Nutzern konfrontiert wird, die Polizei ermittle grundsätzlich erst 24 Stunden nach dem Verschwinden von Personen. Rydzik weist das zurück, spricht von "gefährlichem Halbwissen". Die Fahndung nach dem Jungen sei sofort eingeleitet worden, nachdem die Eltern sich bei der Polizei gemeldet hatten. Zunächst seien mögliche Anlaufstellen des Jungen aufgesucht worden. Dazu gehörten Orte im Chemnitzer Stadtgebiet, aber auch in Flöha. Dorthin gebe es Verbindungen, sagt der Sprecher, ohne im Detail darauf einzugehen.

Der Spürhund ist am Sonntag an der Haltestelle in Nähe der Georg-Weerth-Schule zum Einsatz gekommen, an der der Junge normalerweise in den Bus einsteigt.
Der Spürhund ist am Sonntag an der Haltestelle in Nähe der Georg-Weerth-Schule zum Einsatz gekommen, an der der Junge normalerweise in den Bus einsteigt. Bild: Harry Haertel

Abgesucht worden seien auch Abbruchhäuser, in denen sich der Junge aufhalten könnte. Dringlichkeit sei nicht zuletzt wegen der niedrigen Temperaturen geboten, heißt es am Abend aus dem Lagezentrum. Der MDR nahm den Fall noch aktuell in seine Sonntag-Sendung auf. Auf den Einsatz von Hubschraubern, wie das häufig bei der Suche von Vermissten der Fall ist, wird zunächst verzichtet. "Dafür haben wir zu wenige Anhaltspunkte. Aber wir haben alle Schritte eingeleitet, die möglich waren", versichert Rydzik.

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