Stadtgeflüster : Motorsport-Mann gibt in Chemnitz Gas

Mit welchem Schlitten Norbert Haug kam, warum Musiker mit Jens Weißflog posieren und was Kerstin Wolf für Kinder tut.

Norbert Haug, Journalist und langjähriger Motorsport-Chef von Mercedes-Benz, weilte auf Einladung der Deutschen Bank in Chemnitz. Michael Erfurt, Chef des Firmengeschäftes im Marktgebiet Chemnitz-Leipzig des Kreditinstitutes, empfing den Wirtschaftsexperten aber nicht in der Filiale am Falkeplatz, sondern im Autohaus seines Geschäftspartners Andreas Wöllenstein. "Aufgrund seiner Motorsportkarriere war es ja passend, ihn ins Mercedes-Autohaus zu bitten", sagte Erfurt kurz vor der Veranstaltung. Da wartete schon Autohauschef Wöllenstein und empfing die kleine Delegation locker in seinem Büro. Norbert Haug plauderte in der privaten Runde gleich los, schüttelte den Kopf über die derzeitige Diesel-Diskussion, forderte, mehr Wert auf Bildung des Fachkräfte-Nachwuchses in Deutschland zu legen, und kam über Umwege dann auf sein eigenes Auto zu sprechen. Aus Stuttgart war er mit einem ziemlich heißen Sportwagen nach Chemnitz gesaust. Bisschen was über drei Stunden hatte er für die Strecke (430 Kilometer) gebraucht. Während er das erzählte, hob er den Zeigefinger: "Ich habe nur knapp über zehn Liter verbraucht." Seinem Vortrag im Atrium des Autohauses lauschten später etwa 130 Wirtschaftslenker aus der Region.

Inge Oehme (Foto), Vorstandsvorsitzende des Elternvereins krebskranker Kinder, ist grad nicht ganz so gut zu Fuß. Ihre Achillessehne zwickt. Trotzdem lief sie beim Benefizlauf zugunsten des Vereins in Oberwiesenthal eine 1,3 Kilometer lange Runde mit. So wie mehr als 1000 andere Läufer auch. Die sportliche Veranstaltung ist zwar schon drei Wochen her, jetzt sah Inge Oehme aber die ersten Ergebnisse auf dem Konto. "Mehr als 30.000 Euro haben wir dadurch eingenommen", meldete Kathleen Theiling, die kommissarische Geschäftsstellenleiterin des Vereins. "Und bis zum Jahresende kommen da immer noch Nachzügler, die aufgrund des Laufes Spenden überweisen, hinzu." Zum siebenten Mal hatten die Chemnitzer in Oberwiesenthal den Startschuss gegeben. Warum gerade dort? "Weil es in Chemnitz schon eine Menge solcher Benefizläufe gibt und wir uns nicht gegenseitig die Spender abluchsen wollen", so Kathleen Theiling weiter. Und weil der Elternverein mit seiner Veranstaltung gefühlt ganz Oberwiesenthal auf die Beine brachte, war es für die Mitstreiter ein Leichtes, den bekanntesten Einwohner der Stadt als Schirmherrn zu gewinnen: Skisprung-Legende Jens Weißflog. Der erfüllte den Chemnitzer Musikern Michael Sambale und Bodo Martin noch einen Wunsch: ein gemeinsames Foto. Bodo Martin: "Wir sind zwar nicht mitgerannt, haben aber von der Bühne aus eine Menge Pfeffer gegeben und alle fleißig angefeuert."

Ingolf Zahel (Foto), Niederlassungsleiter des Unternehmens Profi Point Chemnitz, steuerte für den Elternverein gleich auch noch was bei. Insgesamt 2500 Euro übergab er jetzt an die Helfer. Das Handelsunternehmen mit Hauptsitz im baden-württembergischen Künzelsau, in dem Handwerkerprofis so ziemlich alles finden, was sie brauchen können, führt seine Chemnitzer Niederlassung seit genau einem Vierteljahrhundert. Das feierten die Mitarbeiter in der vergangenen Woche ausgiebig, nämlich ganze drei Tage lang - mit Grillparty, Tombola und der Versteigerung eines einzigartigen Airbrush-Gemäldes auf einer originalen, alten Trabant-Motorhaube.

Kerstin Wolf, Mitarbeiterin im soziokulturellen Verein Kraftwerk, war am Donnerstagabend von Kindern umringt. Sie stand im Mittelpunkt einer besonderen Dankeschön-Party. Seit 22 Jahren organisiert sie für den Verein das Kinderfest auf der Küchwaldwiese. "Das macht sie mit einer solchen Hingabe, dass mir und den Besuchern jedes Mal aufs Neue das Herz aufgeht", lobte ihre Chefin Ute Kiehn-Dziuballa. Trotz aller Routine: Die Aufregung legt sich bei Kerstin Wolf aber nie. Und so zitterten ihr auch am Donnerstag wieder sympathisch die Hände, als sie die Namen der Kinder vorlas, die vor dem diesjährigen Kinderfest an einem Kreativwettbewerb teilnahmen. "Wir hatten dazu aufgerufen, dass Mädchen und Jungen aus Kitas, Schulen der Stadt oder ganz privat ihren Lieblingsort zeichnen und basteln sollten", erklärte Kerstin Wolf vor der Vernissage im Kraftwerk, wo jetzt die besten Beiträge ausgestellt wurden. "Es sind allerliebste Beiträge dabei", freute sie sich. Die Kinder hatten unter anderem Schwimmbäder und das CFC-Stadion aus Pappe gebaut, ihre besten Freunde und ihre Kinderzimmer gezeichnet.

Frank Müller-Rosentritt (Foto), Bundestagsabgeordneter, hat eine aufregende Reise hinter sich. In der Nacht zum Mittwoch startete er vier Uhr morgens zu einem Trip nach Moskau. Mit dabei: sein Bundestagskollege Alexander Graf Lambsdorff und weitere Politiker. Die Fußball-Weltmeisterschaft stand aber nicht auf dem Programm, sondern Gespräche mit Wirtschaftsvertretern und Politikern aus Russland. "Es war mir wichtig, die Beziehungen zu dem Land auch aus regionaler Wirtschaftssicht zu verdichten", so Müller-Rosentritt. Für Spielbesuche blieb keine Zeit, "aber natürlich haben wir die Fußballstimmung in Moskau hautnah miterlebt." Ebenfalls zu Polit-Gesprächen, allerdings auf andere Einladungen hin, weilten die Chemnitzer Politiker Peter Patt und Jörg Vieweg diese Woche in Moskau.

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