Welt
Merz: Deutschland bewirbt sich 2035/36 für UN-Sicherheitsrat

Freie Presse auf Google News folgen

Deutschland ist am Mittwoch mit seiner Kandidatur für den mächtigen Sicherheitsrat der Vereinten Nationen krachend gescheitert. Nach kurzer Bedenkzeit kündigt der Kanzler an, wie es weitergehen soll.

Tivat.

Nach der gescheiterten Kandidatur für den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wird sich Deutschland für die Perioden 2035/36 und 2043/44 erneut um einen Sitz im mächtigsten UN-Gremium bewerben. Kanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte die neue Bewerbung der Bundesrepublik am Rande eines EU-Westbalkan-Gipfels in Montenegro an.

Deutschland war am Mittwoch in der UN-Generalversammlung in New York mit seiner Kandidatur für einen Sitz im Rat in den nächsten beiden Jahren bereits im ersten Wahlgang unerwartet deutlich Österreich und Portugal unterlegen.

Deutschland kam nur auf 104 Stimmen. Für die nötige Zweidrittelmehrheit wären 127 Stimmen nötig gewesen. Für Portugal stimmten 134 Länder, Österreich kam auf 131 Stimmen. Insgesamt hat die Weltorganisation 193 Mitgliedsstaaten. 

Deutschland bisher sechsmal im Sicherheitsrat

Die Bundesrepublik war bereits sechsmal im Sicherheitsrat vertreten, zuletzt 2019 und 2020. Durchgefallen war Deutschland laut Diplomaten bisher noch nie. 

Deutschland bewirbt sich in der Regel alle acht Jahre für den Sicherheitsrat. Für die kommenden Jahre stehen bereits ausreichend Kandidaten aus jener UN-Regionalgruppe in den Startlöchern, in der auch Deutschland antritt. Für 2029/30 kandidieren für die beiden betreffenden Sitze Australien und Finnland. Auch für alle möglichen weiteren Kandidaturen bis Mitte der 2030er Jahre haben bereits jeweils zwei Staaten ihre Kandidaturen erklärt. Für den Wahlzeitraum 2035/36 hat bislang nur Schweden erklärt, zu kandidieren.

Merz stellt sich klar hinter Wadephul

"Wir werden das diesmal längerfristig von Anfang an gut vorbereiten", kündigte Merz die neuerliche Bewerbung an. Vor dem Hintergrund der Kandidatur Schwedens ergänzte er, er werde in der Europäischen Union dafür werben, "dass es bei diesen beiden Ländern bleibt. Dass es also nicht wieder konkurrierende Bewerbungen aus Europa, insbesondere konkurrierende Bewerbungen aus der Europäischen Union gibt." 

Der Kanzler stellte sich klar hinter Außenminister Johann Wadephul (CDU) und dankte diesem ausdrücklich "für sein großes Engagement über ein Jahr". Die aktuelle Bewerbung sei von Deutschland vor vielen Jahren, aber auch sehr spät erklärt worden. Seine schwarz-rote Regierung habe die Kandidatur sozusagen übernommen und sich im Koalitionsvertrag entschieden, an ihr festzuhalten. "Wie wir im Ergebnis gesehen haben, hat das nicht ausgereicht. Wir wollen es beim nächsten Mal besser machen", versprach Merz. 

Wadephul war von New York aus nach Mexiko weitergereist, um politische Gespräche zu führen.
Wadephul war von New York aus nach Mexiko weitergereist, um politische Gespräche zu führen. Bild: Michael Kappeler/dpa

Merz: Lassen Gründe für Scheitern analysieren 

Die Gründe für das Scheitern lasse man jetzt im Auswärtigen Amt ausführlich analysieren, sagte Merz. Wadephul und er persönlich hätten "alles getan, um diese Bewerbung erfolgreich werden zu lassen". Der Außenminister habe kaum eine Kabinettssitzung ausgelassen, um alle Mitglieder zu bitten, die Bewerbung zu unterstützen. Man habe nur ein Jahr Zeit gehabt, "in einem schwierigen Umfeld unsere Bewerbung noch einmal mehrheitsfähig zu machen. Das ist uns in der Kürze der Zeit leider nicht gelungen." 

Wadephul: Österreich und Portugal hatten zuviel Vorsprung

Wadephul war von New York aus nach Mexiko weitergereist, um politische Gespräche zu führen. Am Rande des Besuches räumte er erneut ein, man habe am Mittwoch kein befriedigendes Ergebnis erhalten. "Doch nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Das nächste Spiel wird es wieder geben und jetzt fängt gerade die Qualifikationsphase an." Während man die Ursachen und geopolitischen Gründe analysiere, sei man zu dem Schluss gekommen, dass ein Faktor die späte Erklärung der Kandidatur gewesen sei. "Österreich und Portugal hatten einfach von Anfang an viel zu viel Vorsprung." 

Daraus habe man die erste Konsequenz gezogen und am Donnerstag die Absicht zur erneuten Kandidatur 2035/2036 sowie für 2043/44 erklärt, sagte Wadephul. "Denn Deutschland bleibt mit all seinem Gewicht weltweit weiter aktiv für Frieden und Sicherheit und ganz besonders in Europa." 

Die Bundesregierung werde nun vor allem bei europäischen Partnern und Wertepartnern darüber hinaus um Unterstützung werben. Auch mit den Staaten in Afrika werde man das intensive Gespräch suchen. Er werde dazu noch vor der Sommerpause nach Afrika reisen, kündigte Wadephul an. "Es ist eben in der Tat eine lange Kampagne erforderlich und die beginnen wir jetzt." (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
05.06.2026
3 min.
Klingenthaler Almterrorist verkauft seine Baumaschinen im Internet
Klingenthaler Almterrorist verkauft seine Baumaschinen im Internet - Anzeige für eine Laderaupe bei Kleinanzeigen.de.
Baumaschinen im Wert von 21.800 Euro, abzuholen in Klingenthal, werden aktuell auf dem Portal Kleinanzeigen.de angeboten. Weshalb das besonders bei den Bewohnern der Alm auf Interesse stößt.
Daniela Hommel-Kreißl
01.06.2026
5 min.
Deutschland will in den UN-Sicherheitsrat - wie und warum?
Deutschland will in den UN-Sicherheitsrat - wie und warum? - Deutschland will sich einen der zehn nicht ständigen Sitzen im mächtigsten UN-Gremium sichern. (Symbolbild)
Angesichts zahlreicher Kriege und Krisen strebt Deutschland mehr Einfluss im mächtigsten UN-Gremium an. Doch die Wahl ist alles andere als ein Selbstläufer. Sogar für einen der UN-Hauptgeldgeber.
Anne Pollmann und Jörg Blank, dpa
03.06.2026
5 min.
Deutschland scheitert krachend bei Wahl zu UN-Sicherheitsrat
Deutschland scheitert krachend bei Wahl zu UN-Sicherheitsrat - Außenminister Johann Wadephul (CDU) auf dem Weg zur Wahl für den UN-Sicherheitsrat in der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York.
Am Ende war die Wahl in den Sicherheitsrat nicht einmal eine Zitterpartie: Österreich und Portugal haben mit weitem Vorsprung gewonnen. Die Opposition sieht eine Schlappe für "Außenkanzler" Merz.
Anne Pollmann und Jörg Blank, dpa
21:09 Uhr
2 min.
Verpasste Dopingtests: Fußballerin Freigang droht Sperre
Verpasste Dopingtests: Fußballerin Freigang droht Sperre - Warum war Laura Freigang dreimal für die Dopingkontrolleure nicht anzutreffen? (Archivbild)
Nationalspielerin Laura Freigang steht vor einer empfindlichen Sperre. Welche Rolle der DFB jetzt spielt und ob Freigang die Vorwürfe noch entkräften kann.
20:54 Uhr
2 min.
Nach Attacke auf Frau: Hamburger Wolf wahrscheinlich tot
Nach Attacke auf Frau: Hamburger Wolf wahrscheinlich tot - Bisher konnten weder der Wolf noch das Halsband mit seinem Sender gefunden werden. (Archivbild)
Die Sendesignale des freigelassenen Wolfes reißen plötzlich ab. Das junge Tier ist wie vom Erdboden verschluckt. Die Umweltbehörde geht nicht von einem Defekt des Senders aus.
04.06.2026
3 min.
Verschwundenes Dorf im böhmischen Erzgebirge: Gericht urteilt zu Wiederaufbau
Verschwundenes Dorf im böhmischen Erzgebirge: Gericht urteilt zu Wiederaufbau - Seifen vor 100 Jahren und heute: Von dem böhmischen Erzgebirgsdorf blieben nur einige wenige Häuser stehen, darunter das einstige Schulgebäude, jetzt eine Brauereigaststätte.
In Seifen lebten einst 500 Menschen, die Gemeinde Boží Dar hatte Pläne zum Wiederaufbau. Jetzt hat das Verfassungsgericht Tschechiens entschieden.
Oliver Hach
Mehr Artikel