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Das Herzstück der Aufbereitung: die Flotation. Dabei wird das unterschiedliche Benetzungsverhalten der Mineralienoberfläche mit der Luft ausgenutzt.

Foto: Antje FlathBild 1 / 3

Geologe: Rückstände sind kein Giftmüll

Gefährliche Substanzen, Staub, Lärm, verdrecktes Oberflächenwasser: Viele Hammerunterwiesenthaler haben Bedenken wegen der geplanten Haldenerweiterung der Erzgebirgischen Fluss- und Schwerspatwerke. Doch was steckt wirklich in den Ablagerungen?

Von Antje Flath
erschienen am 15.06.2018

Hammerunterwiesenthal. Die Erzgebirgischen Fluss- und Schwerspatwerke wollen die Schachthalde 281 in der Nähe ihrer Grube in Niederschlag erweitern. Der Platz wird dringend benötigt, um die bei der Roherzaufbereitung in Aue entstehenden Rückstände ablagern zu können, denn die derzeitigen Lagerkapazitäten sind so gut wie erschöpft. Doch in Hammerunterwiesenthal gibt es dazu heftige Diskussionen - wie jüngst im Ortschaftsrat. Heute steht das Thema erneut auf der Tagesordnung. Die Stellungnahme des Stadtrates zu dem Vorhaben soll noch einmal besprochen werden. "Freie Presse" hat eine Fahrt nach Aue mitgemacht und sich die Aufbereitungsanlage angeschaut.

Der Transport: Dirk Trommler aus Langenberg fährt einen der Lkw, der regelmäßig zwischen der Grube Niederschlag und der Aufbereitung pendelt. Im Jahr 2000 hat er den Familienbetrieb von seinem Vater übernommen. Für EFS fährt er, seit in Niederschlag die bergbaulichen Aktivitäten begonnen haben. Die Verladestelle befindet sich untertage. Geladen werden etwa 25 Tonnen - alles computergesteuert. Bevor es auf die Straße geht, wird die Plane über den Hänger gezogen, obwohl von der feuchten Masse auf der Ladefläche keine Staubentwicklung ausgeht. Über Neudorf, Crottendorf und Scheibenberg rollt der Sattelzug zur B 101, von dort aus weiter nach Aue. Insgesamt gehen vier Fahrer viermal am Tag auf diese Tour. An diesen 16 Fahrten wird sich auch durch die Haldenerweiterung nichts ändern, sagt Grubenleiter Martin Zimmermann. Einziger Unterschied: Die Lkw würden nicht leer wieder zurück kommen wie bisher. Um beim Aufbau der Halde mögliche Staubemissionen durch die Fahrzeuge zu vermeiden, hat das Sächsische Oberbergamt in Freiberg bereits Vorsorgemaßnahmen festgelegt, erläutert dessen Leiter Oberberghauptmann Bernhard Cramer. Demnach wird die Abwurfhöhe für das Material beschränkt, wird bei Windgeschwindigkeiten oder lang anhaltender Trockenheit auf staubentwickelnde Tätigkeiten verzichtet, dürfen innerbetrieblich nur zehn Kilometer pro Stunde gefahren werden, werden die Reifen der Lkw nach dem Verlassen der Kippstelle gereinigt und innerbetriebliche Transportwege als Abrollstrecke genutzt, erfolgt die regelmäßige Säuberung der Fahrwege. Das Oberbergamt zeichnet für die Genehmigung der Halde verantwortlich.

Die Aufbereitung: Das Roherz wird in einer eigens dafür entwickelten Anlage in Aue in mehreren nassmechanischen Prozessen vom Nebengestein getrennt. "Wir machen uns dabei die unterschiedlichen physikalischen Stoffeigenschaften wie zum Beispiel die Dichte zunutze. Die chemischen Eigenschaften bleiben unverändert", erläutert Aufbereitungsleiter Matthias Friedrich. Der studierte Metallurge hat maßgeblich an der Entwicklung der Anlage mitgewirkt. In der wird das Roherz zunächst fein gemahlen. Im sogenannten Wendelscheider erfolgt eine grobe Vorsortierung der Wertstoffe Flussspat (Fluorit) und Schwerspat (Baryt) sowie die Abscheidung der Schwerminerale, zu denen Blei- und Arsenverbindungen gehören. Infolge der Fliehkräfte werden die unterschiedlich schweren Minerale separiert. Anschließend geht es in das Herzstück der Aufbereitung: die Flotation. Der Name ist vom englischen "to float" abgeleitet und bedeutet schwimmen. Dabei wird das unterschiedliche Oberflächenverhalten der Mineralien ausgenutzt. Die Wertstoffe schwimmen nach Zugabe geringer Mengen an Hilfsstoffen auf und können als Schaum abgeschöpft werden. Das im Roherz noch enthaltene Nebengestein und der Quarz verbleiben in der Flüssigkeit, der sogenannten Trübe, und werden entwässert. Sie bilden schließlich die Flotationsrückstände. Der gesamte Aufbereitungsprozess erfolgt im pH-neutralen Bereich. Wenig verdünnte Schwefelsäure - tröpfchenweise zugeführt - wird lediglich zur Feinjustierung verwendet, erläutert Matthias Friedrich. Das von den Rückständen keine Gefahr ausgehe, belege das von der Oberen Wasserbehörde überwachte Monitoring an der bisherigen Einlagerungsstätte in Neukirchen. Die Obere Wasserbehörde ist bei der Landesdirektion Sachsen angesiedelt.

Die Rückstände: Bei den Rückständen handelt es sich um aufgemahlenes Gesteinsmehl, das überwiegend aus den Mineralen Gneis, Quarz, Feldspat und Glimmer besteht. Daneben enthalten sind nach wie vor Reste von Fluorit und Baryt, erläutert Geologe Henrik Ehle. Das in Niederschlag gewonnene Roherz enthalte aber auch - wie an allen erzgebirgischen Lagerstätten - schwere Minerale wie Bleiglanz, Zinkblende, Kupfer- und Schwefelkies. Der überwiegende Teil davon werde zwar im Aufbereitungsprozess abgetrennt und entsorgt. Ein Teil davon gelange aber auch in die Flotationsrückstände. Laboruntersuchungen belegten aber eine sehr geringe Löslichkeit der Schwermetalle und somit eine geringe Umweltverfügbarkeit, "sodass keine Gefährdung der Umwelt oder menschlichen Gesundheit gegeben ist", sagt Henrik Ehle. Die Flotationsrückstände seien demnach kein gefährlicher Abfall und auch kein Giftmüll. Die Definition des Abfallbegriffs werde undifferenziert vom Gesetzgeber vorgegeben und bezeichne im Allgemeinen Stoffe, die nicht mehr benötigt werden. Dass die geplante Halde entgegen der Vergangenheit mittlerweile als Abfallentsorgungseinrichtung deklariert werde, sei auf eine Harmonisierung europäischen Rechts zurückzuführen. Regelmäßige Kontrollen sind auch dabei an der Tagesordnung: Laut Matthias Friedrich wird aller 2500 Tonnen eine Probe genommen, erfolgt aller 5000 Tonnen eine unabhängige Laboranalyse. "Bisher gab es keine Auffälligkeiten." Jeder beladene Lkw durchfahre zudem eine radiologische Messung. "Wenn es dabei nur eine Auffälligkeit gibt, verlieren wir alle unsere Kunden", sagt der Ingenieur.

Die Halde: Durch die geplante Erweiterung wird nach Angaben des Oberbergamtes ein bisher unsanierter Haldenstandort, der noch aus Wismut-Zeiten stammt, überbaut und abgedeckt. Dabei handelt es sich um einen Teil der Schachthalde 281, die sich oberhalb der Ortsbebauung befindet. Sie besteht aus einer Hochhalde im westlichen Teil, die seit den 1990er-Jahren zur Wiedernutzbarmachung durch eine Baufirma saniert wird. Die Erweiterung soll in Anlehnung an die Kontur der bereits bestehenden Halde in Richtung Osten erfolgen. Eigentümer dieser Fläche ist der Sachsenforst. Mit ihm findet derzeit ein Flächentausch statt. Beim Aufbau der neuen Halde sollen die Flotationsrückstände so gestapelt werden, dass ein in sich geschlossener Körper entsteht, erläutert Bernhard Cramer. An der Außengrenze werde ein Damm aus Nebengestein errichtet, der später Bestandteil der Endabdeckung wird. Dabei wirke die bestehende Plateauhalde als Drainage- beziehungsweise Versickerungsschicht. Dennoch soll zusätzlich mit baulichen Abgrenzungen eine vorsorgliche Sicherung vor möglichen Abschwemmungen von Feststoffen in das Umfeld verhindert werden.

Der Ortschaftsrat Hammerunterwiesenthal trifft sich heute, 17 Uhr im Gemeindeamt zu seiner öffentlichen Beratung.

 
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