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Vereins-Pressechef Olaf Schwulst hatte 45 Minuten Filmmaterial zusammengestellt.

Foto: Christof HeydenBild 1 / 4

Bahnfreunde werkeln nicht nur am Modell

Vor 50 Jahren wurde die Schmalspurbahn über Eppendorf stillgelegt. Die Mitglieder des Vereins "Altes Bahnhofsviertel" halten die Erinnerung daran mit ihrer Modellbahnanlage und Filmen wach. Aber sie wollen auch, dass es mit den echten Bahn-anlagen aufwärtsgeht.

Von Christof Heyden (Text und Fotos)
erschienen am 17.11.2017

Eppendorf. Eisenbahnromantik lebt auch in Eppendorf weiter: Mit einem Aktionstag haben die Mitglieder des Vereins "Altes Bahnhofsviertel" an die Streckenstilllegung der Schmalspurbahn vor 50 Jahren erinnert. Das einst zwischen Hetzdorf und Großwaltersdorf verkehrende Bähnle haben die Bastler und Chronisten um Bernd Rüger auf ihrem detailgetreuen riesengroßen Modellbahnbrett genauso in den Blickpunkt gerückt, wie sie beim Aktionstag mit einzigartigen Filmaufnahmen an das längst verschrottete Original erinnerten.

"Am 6. November 1967 ist letztmals ein Personenzug auf dem Streckenabschnitt zwischen Hetzdorf und Eppendorf, dem Betriebszentrum, verkehrt. Zum 1. Januar 1968 war dann mit der letzten Güterzugfahrt ganz Schluss", erzählt Dieter Rehwagen. Der gehört zu den immer weniger werdenden Einheimischen, die das schnaufende Bähnle noch aus eigenem Erleben kennen. "Der wirtschaftliche Aufschwung unserer Orte war mit diesem Verkehrsmittel verbunden, die Holz- und Spielzeugindustrie profitierten", so der Eppendorfer. "Lange war darum gerungen worden, eine solche Nebenbahn zu errichten, mit dem königlichen Dekret Nr. 20 wurde der Plan ab 1890 umgesetzt. Zum 1. Dezember 1893 schnauften die Loks vom legendären Typ IV K."

Per 1. November 1916 sei dann auch das Teilstück bis Großwaltersdorf in Betrieb gegangen, für welches bereits im August 1951 aus wirtschaftlichen Gründen alle Signale auf Rot standen. Im reizvollen Lößnitztal wurden entlang der von Eppendorf 9,6 Kilometer langen Strecke Gersberg/Merzdorf, Hammerleubsdorf, Lößnitztal, Hohenfichte und Hetzdorf bedient. In Hetzdorf wurde auf die 750-Millimeter-Schienenbreite umgespurt. 36 Minuten habe die reine Fahrzeit betragen, mit den Aus- und Einstiegspausen habe die Tour 51 Minuten gedauert. Dabei sei vom Ausgangspunkt an der Flöha ein Höhenunterschied von 136 Metern bis auf 428 Meter über Normalnull in Eppendorf überwunden worden. "1925 bekam die Strecke Konkurrenz: vom Kraftomnibus, der schneller fuhr", so Rehwagen.

Drei Jahre lang brachte die schnaufende Schmalspurbahn auch Jürgen Fischer mit Umstieg bis nach Karl-Marx-Stadt. "Da habe ich die Berufsschule besucht, ein Moped oder Motorrad, geschweige denn Auto hatten wir nicht", sagt der Dachdeckermeister. "Einmal hat mich ein vorzeitiger Absprung von der rollenden Bahn 5 Mark gekostet, und dies bei 60 Mark Lehrlingsgeld."

Auch Fischer engagiert sich seit langem für den Erhalt der verbliebenen Bahnanlagen, allen voran das Bahnhofsgebäude. In ungezählten Stunden hat der Handwerker mit Vereinsfreunden Hand angelegt, das betagte Haus vor dem Verfall zu retten. Nicht nur er wünscht sich, dass die Gemeinde mehr Dampf macht, um den Um- und Ausbau weiter voranzutreiben. "Wir haben schon als Bürgerinitiative vor geraumer Zeit Vorschläge unterbreitet, hatten gehofft, in eigener Regie die Sanierung mit staatlicher Unterstützung und Fördermitteln voranzubringen. Durch die neuen Ideen, die alte Schule zum Wohnstandort auszubauen, hat jetzt die Kommune das Sagen, sind unsere Überlegungen vom Tisch", bedauert Fischer.

"Wir hoffen, dass das kommunale Feuer nicht erkaltet", sagt Olaf Schwulst, auch wenn er wisse, dass sie sich zwischen zwei Auffassungen bewegen. Einerseits die, die nicht alles abgerissen und ein Stück Ortsgeschichte erhalten sehen wollen. Anderseits jene, die sich nicht für altes Eisen erwärmen können. Der Mann für die Öffentlichkeitsarbeit im Verein freute sich mit seinen Organisatoren, dass ein generationenübergreifendes Publikum den Aktionstag nutzte, sich via Video den Fahrtwind um die Nase wehen zu lassen.

Unter den Enthusiasten besteht Einigkeit, dass der Traum vom Vereinszentrum mit gelebter Eisenbahngeschichte weiter besteht, er aber auch Wunschdenken verkörpert, was etwa Technik betrifft. Zwei Waggons werden noch entlang der früheren Trasse als Schuppen genutzt. Die seien aber so marode, dass sie wohl jede Bewegung zerbrechen lassen würde. Für das ehrgeizigste aller Projekte fehlt das Geld: Dass Verkehrsmuseum Dresden will eine auf der Strecke einst eingesetzte Lok mit Nummer 99535 ausrangieren.

 
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