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Hausbesitzer Ronny Roch in seinem "Wohnzimmer". Die Decke hat er selbst abstützen müssen. Auf das im Bau befindliche Eigenheim war ein 72 Tonnen schweres Bohrgerät gestürzt.

Foto: Falk BernhardtBild 1 / 2

Umgekippter Bohrer: Viele Fragen offen

Vor zwei Wochen ist ein Bohrgerät auf ein fast fertiges Eigenheim in Hainichen gekippt. Der Eigentümer fühlt sich von Baufirmen und Ämtern im Stich gelassen. Finanzielle Hilfe gab es bislang nicht.

Von Falk Bernhardt
erschienen am 14.07.2017

Hainichen. Heute vor genau zwei Wochen hat ein Knall den Traum einer Hainichener Familie vom baldigen Einzug ins eigene Heim platzen lassen. Auf der Baustelle an der Berthelsdorfer Straße stürzte ein 72 Tonnen schweres Bohrgerät auf das fast fertige Eigenheim an der Einmündung zum Siedlungsweg. Der Fahrer wurde verletzt, der Materialschaden war enorm. Mittlerweile wird an der Stützmauer mit neuem Bohrgerät weitergearbeitet, auf der Hausbaustelle herrscht dagegen Ratlosigkeit.

Vor zwei Tagen gab es einen Vor-Ort-Termin mit Vertretern des Landratsamtes, das den Bau der Stützmauer in Auftrag gegeben hatte. "Aber es hat sich noch niemand meinen Schaden angeschaut", klagt Hausbesitzer Ronny Roch. "Kein Firmenvertreter ist bislang zu uns gekommen. Das Gespräch mit der Behörde fand auf der anderen Straßenseite statt." Roch fühlt sich im Stich gelassen. Auf Nachfragen der "Freien Presse" kündigte gestern eine Sprecherin der Kreisverwaltung für heute eine Stellungnahme an. Die Landesdirektion Sachsen ermittelt zu dem Fall, ließ aber bisher Anfragen dazu unbeantwortet.

Der Bohrer hatte eine Decke des Anbaus zerschlagen. Dort, wo ab August im Erdgeschoss unter der Terrasse das Wohnzimmer eingerichtet werden sollte, hängt heute Beton herunter. "Die Abstützung haben wir selbst gemacht, zum Glück habe ich viele Freunde", so der 38-Jährige.

Anfangs habe ein Gutachter von 40.000 Euro Schaden am Haus gesprochen, inzwischen habe sich die Summe verdoppelt. "Die Wände haben sich im Anbau um mindestens einen Zentimeter verschoben, die Bodenplatte wohl nicht", so der Hainichener, der das eingestürzte Dach mit drei Schichten Plane abgedeckt hat. Trotzdem regnet es dort rein, mit Kübeln wird das Wasser im "Wohnzimmer" aufgefangen. "Ich hoffe, das wenigstens das Haupthaus halbwegs unbeschadet geblieben ist", sagt der selbstständige Malermeister. "Aber auch dazu gibt es immer noch keine verbindliche Aussage." In finanzielle Vorleistung zur Beseitigung der Schäden könnten die Hausbesitzer nicht gehen - andere Kosten, auch für den Kredit, wachsen indes immer weiter.

"Die Küche sollte schon geliefert werden, die mussten wir nun einlagern lassen", sagt Rochs Lebenspartnerin Anna-Katrin Sacher. "Außerdem haben wir und meine Eltern, die mit in das Haus einziehen wollten, jetzt noch länger Mietkosten zu zahlen." Wann der Einzug ins neue Heim erfolgen kann, sei nicht abzusehen. "Uns wurde gesagt, dass die Klärung der Schuldfrage noch Monate dauern kann", sagt Roch. Um das Verfahren zu beschleunigen, habe er Anzeige wegen Sachbeschädigung bei der Polizei stellen wollen. "Dies war nicht möglich, weil der Schaden nicht mutwillig verursacht wurde. Deshalb gilt wohl das Zivilrecht." Nach seiner Ansicht, würden sich die Firmen nun gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben.

"Wir haben Kontakt mit dem Hausbesitzer und ihm verbal auch Hilfe zugesichert", teilte der Geschäftsführer des Hauptauftragsnehmers für die Baustelle des Landkreises auf Nachfrage mit. "Wir wollen ihn nicht im Stich lassen, da stehen wir zu unseren Wort. Aus heutiger Sicht sind wir nicht der Verursacher." Die Spezialfirma, die als Subunternehmen mit dem Bohrgerät gearbeitet hatte, sieht kein Fehlverhalten ihres Fahrers. "Auch das Bohrgerät war bei allen technischen Überprüfungen immer in Ordnung", sagte deren Geschäftsführer. "Den Schaden hatten wir noch am Unglückstag unserer Haftpflicht mitgeteilt, nun müssen wir abwarten, was die Untersuchung bringt."

Die Stadtverwaltung Hainichen hat sich um den Hauseigentümer bemüht. "Wir sind aber nicht Bauherr, sondern das Landratsamt. Und dort gibt es wohl keinen Nothilfefonds für solche Härtefälle. So weit uns bekannt ist, soll wohl die Herstellerfirma des Bohrgeräts in Haftung genommen werden", erklärte Hartmut Stenker vom Bauamt.

Er habe inzwischen den im Urlaub weilenden Bürgermeister informiert. Dieter Greysinger (SPD) wolle nach seiner Rückkehr am Montag mit dem Landratsamt Kontakt aufnehmen. Zudem habe Ronny Roch nun den Rat angenommen, einen Rechtsanwalt einzuschalten. Dieser Termin am Montag ist für die Hainichener Familie nun die Hoffnung, um zu ihrem Recht zu kommen.

 
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