Werbung/Ads
Menü

Themen:

Auf dem Totenbett: Max Hoelz 1933 in Gorki, heute Nischni Nowgorod. Eine Repro davon befindet sich in Peter Giersischs Archiv.

Foto: Fotos (2): Archiv Bild 1 / 2

Expertenstreit um Max Hoelz" Tod: Wie belegt ist der Mord?

Der Name des Mörders sei bekannt, sagt der Auerbacher Hoelz-Kenner Peter Giersich und widerspricht damit dem Zwickauer Horst Groschopp, der in einem neuen Aufsatz von ungeklärter Todesursache spricht.

Von Susanne Kiwitter
erschienen am 23.09.2017

Auerbach/Zwickau. Ob es ein Unfalltod, ein Suizid oder ein Mord des Geheimdienstes war, werde wohl nie endgültig geklärt werden können, schreibt Horst Groschopp im Vorwort der kürzlich erschienenen Neuauflage von Max Hoelz" Autobiografie. Das stimme so nicht, hat sich daraufhin jetzt Peter Giersich aus Auerbach zu Wort gemeldet, womit genau 84 Jahre nach dem Tod des deutschen Revolutionärs, der vor knapp hundert Jahren das Vogtland und insbesondere die Textilindustriestadt Falkenstein in Atem hielt, erneut eine Debatte um dessen Todesumstände aufflammt.

Max Hoelz war am 15. September 1933 in der Oka nahe Gorki in der damaligen Sowjetunion zu Tode gekommen, nachdem er sich mit dem stalin"schen Machtapparat überworfen und deshalb selbst isoliert hatte. Kinder hatten ihn einen Tag später im Fluss gefunden. Zunächst sei die Rede von Suizid gewesen, schreibt der Zwickauer Kulturwissenschaftler Groschopp. Dann habe die offizielle Version der Partei Badeunfall gelautet, obwohl bekannt war, dass Hoelz ein ausgezeichneter Schwimmer war. Der Wissenschaftler weiter: "Später, im Kreis der deutschen Emigranten und Bekannten von Hoelz, verfestigte sich die Version von der Ermordung im Auftrag der Führung der Kommintern (Kommunistische Internationale, A.d.R.)."

Es sei nachgewiesen, dass ein damaliger Offizier der sowjetischen Geheimpolizei namens Matwej Pogrebinski Hoelz erschlagen habe, kontert Peter Giersich, der sich Jahrzehnte mit dem legendären Arbeiterführer beschäftigt und als Co-Autor im Jahr 2000 eine Publikation mit Hoelz" Namen als Titel veröffentlicht hat. Der Auerbacher beruft sich dabei auf den Dokumentarfilmer Günter Jordan und einen Nachtrag zu dessen 1989 uraufgeführter DEFA-Produktion "Max Hoelz".

Jordan, der heute in Brandenburg lebt, hatte sich während der Recherche für seinen Film und auch danach noch mit Hoelz" letzter Ehefrau (Mädchenname: Ariadna Sergejewna) getroffen. Erst nachdem die Mauer gefallen und sein Werk fertig war, habe sie ihm gebeichtet, was sie schon Jahrzehnte mit sich herumgetragen hatte: nämlich, dass Hoelz von besagtem Pogrebinski erschlagen worden sei. Schriftliche beziehungsweise wissenschaftlich verwertbare Belege gebe es dafür nicht, räumt Jordan auf Anfrage ein. Und gibt zu bedenken, dass das für ihn als Künstler auch nicht der Anspruch war. Ada Gelz-Tur, wie die Witwe inzwischen hieß, habe diese Information, die offiziell in der ehemaligen SU nicht ausgesprochen werden durfte, über Umwege erfahren. Jordan spricht von "Lebensbelegen", die nachvollziehbar seien. Im Epilog zu seinem Film schreibt er: "Was in der Nacht vom 15. zum 16. September 1933 geschah, ist keine geheime Verschlusssache, sondern wird für immer ein Geheimnis bleiben." Es zu entziffern sei eine Sache des politischen und historischen Einmaleins.

Horst Groschopp stuft das etwas ironisch als "tolles kriminalistisches Ergebnis" ein. Seine Quellen, "die anerkannten Exilforscher, die in Archiven waren", würden dem Befund, der auf die Aussagen der Witwe nach 1989 zurückgehen, misstrauen. Giersich hält er fehlende Distanz vor. Auch deshalb, weil in dessen Publikation von "unserem Max" die Rede ist.

 
Seite 1 von 2
Expertenstreit um Max Hoelz" Tod: Wie belegt ist der Mord?
Max Hoelz - der Polarisierende
 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
0

Lesen Sie auch

Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
Bildergalerien
  • 17.10.2017
Bernd März
Laster kracht in Auerbach/E. in Vorgarten

Im erzgebirgischen Auerbach ist am Dienstag ein Lkw in einen Vorgarten gekracht. ? ? ... Galerie anschauen

 
  • 12.10.2017
Ralph Köhler
Pechstein-Enkel übergeben Teil des Nachlasses

Das Pechstein-Museum in Zwickau ist um drei Exponate reicher: Die Enkel von Max Pechstein, Julia und Alexander Pechstein, haben am Donnerstag drei originale Druckstöcke übergeben. ... Galerie anschauen

 
  • 12.10.2017
Khalil Hamra
Bilder des Tages (12.10.2017)

Zu Berge, Versöhnung, Zum Knutschen, Mit Maske, Nationalfeiertag, Luft raus, Nase an Nase ... ... Galerie anschauen

 
  • 07.10.2017
Ralph Köhler
Zwickau: XXL-Graffito von Tasso eingeweiht

Fünf Wochen hat der Meeraner Graffiti-Künstler Jens "Tasso" Müller? benötigt, um 130 Quadratmeter Wandfläche an der Peter-Breuer-Straße in Zwickau in ein Kunstwerk und einen Blickfang zu verwandeln. Im Rahmen einer Vernissage wurde am Samstagvormittag seine Version von Michelangelos "Die Erschaffung Adams", zu der rund 80 Gäste gekommen waren, vor ... Galerie anschauen


 
 
 
 
 
 
Wetteraussichten für Auerbach
Sa

14 °C
So

11 °C
Mo

9 °C
Di

9 °C
Mi

12 °C
 
Unsere Youtube-Videos

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Freie Presse Immobilien
Immobilienangebote für Auerbach und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Auerbach

Immobilienportal

Mietangebote

Kaufangebote

 

 
 
 
 
Online Beilagen

Große Herbst-Hausmesse im MediMax Auerbach!

Unsere aktuellen Angebote - auf einen Klick...

 
 
 
 
Ärztliche Notdienste
Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiterlesen
 
 
 
 
Freie Presse vor Ort

08209 Auerbach
Nicolaistraße 3
Telefon: 03744 8276-0
Öffnungszeiten:
Mo., Di., Do. 9.00 - 13.00 Uhr, 14.00 - 17.00 Uhr
Mi., Fr. 9.00 - 13.00 Uhr

weiterlesen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm