Expertenstreit um Max Hoelz" Tod: Wie belegt ist der Mord?

Der Name des Mörders sei bekannt, sagt der Auerbacher Hoelz-Kenner Peter Giersich und widerspricht damit dem Zwickauer Horst Groschopp, der in einem neuen Aufsatz von ungeklärter Todesursache spricht.

Auerbach/Zwickau.

Ob es ein Unfalltod, ein Suizid oder ein Mord des Geheimdienstes war, werde wohl nie endgültig geklärt werden können, schreibt Horst Groschopp im Vorwort der kürzlich erschienenen Neuauflage von Max Hoelz" Autobiografie. Das stimme so nicht, hat sich daraufhin jetzt Peter Giersich aus Auerbach zu Wort gemeldet, womit genau 84 Jahre nach dem Tod des deutschen Revolutionärs, der vor knapp hundert Jahren das Vogtland und insbesondere die Textilindustriestadt Falkenstein in Atem hielt, erneut eine Debatte um dessen Todesumstände aufflammt.

Max Hoelz war am 15. September 1933 in der Oka nahe Gorki in der damaligen Sowjetunion zu Tode gekommen, nachdem er sich mit dem stalin"schen Machtapparat überworfen und deshalb selbst isoliert hatte. Kinder hatten ihn einen Tag später im Fluss gefunden. Zunächst sei die Rede von Suizid gewesen, schreibt der Zwickauer Kulturwissenschaftler Groschopp. Dann habe die offizielle Version der Partei Badeunfall gelautet, obwohl bekannt war, dass Hoelz ein ausgezeichneter Schwimmer war. Der Wissenschaftler weiter: "Später, im Kreis der deutschen Emigranten und Bekannten von Hoelz, verfestigte sich die Version von der Ermordung im Auftrag der Führung der Kommintern (Kommunistische Internationale, A.d.R.)."

Es sei nachgewiesen, dass ein damaliger Offizier der sowjetischen Geheimpolizei namens Matwej Pogrebinski Hoelz erschlagen habe, kontert Peter Giersich, der sich Jahrzehnte mit dem legendären Arbeiterführer beschäftigt und als Co-Autor im Jahr 2000 eine Publikation mit Hoelz" Namen als Titel veröffentlicht hat. Der Auerbacher beruft sich dabei auf den Dokumentarfilmer Günter Jordan und einen Nachtrag zu dessen 1989 uraufgeführter DEFA-Produktion "Max Hoelz".

Jordan, der heute in Brandenburg lebt, hatte sich während der Recherche für seinen Film und auch danach noch mit Hoelz" letzter Ehefrau (Mädchenname: Ariadna Sergejewna) getroffen. Erst nachdem die Mauer gefallen und sein Werk fertig war, habe sie ihm gebeichtet, was sie schon Jahrzehnte mit sich herumgetragen hatte: nämlich, dass Hoelz von besagtem Pogrebinski erschlagen worden sei. Schriftliche beziehungsweise wissenschaftlich verwertbare Belege gebe es dafür nicht, räumt Jordan auf Anfrage ein. Und gibt zu bedenken, dass das für ihn als Künstler auch nicht der Anspruch war. Ada Gelz-Tur, wie die Witwe inzwischen hieß, habe diese Information, die offiziell in der ehemaligen SU nicht ausgesprochen werden durfte, über Umwege erfahren. Jordan spricht von "Lebensbelegen", die nachvollziehbar seien. Im Epilog zu seinem Film schreibt er: "Was in der Nacht vom 15. zum 16. September 1933 geschah, ist keine geheime Verschlusssache, sondern wird für immer ein Geheimnis bleiben." Es zu entziffern sei eine Sache des politischen und historischen Einmaleins.

Horst Groschopp stuft das etwas ironisch als "tolles kriminalistisches Ergebnis" ein. Seine Quellen, "die anerkannten Exilforscher, die in Archiven waren", würden dem Befund, der auf die Aussagen der Witwe nach 1989 zurückgehen, misstrauen. Giersich hält er fehlende Distanz vor. Auch deshalb, weil in dessen Publikation von "unserem Max" die Rede ist.


Max Hoelz - der Polarisierende

Max Hoelz (1889-1933) war Protagonist der Arbeiterräte und Agitator in den Aufständen um 1920 als Reaktion auf den rechtsnationalen Kapp-Putsch. Letzterer richtete sich gegen die nach der Novemberrevolution geschaffene Weimarer Republik.

Hoelz" bewaffnete politische Aktivitäten begannen im Vogtland, im Zentrum stand Falkenstein. Seine Enteignungsaktionen mit der Roten Garde waren legendär, ebenso sein Mitwirken am Mitteldeutschen Aufstand. Er wurde steckbrieflich gesucht und 1921 schließlich für einen Mord, den er nicht begangen hatte, ins Zuchthaus gebracht. Mit Unterstützung zahlreicher führender Intellektueller kam er nach acht Jahren frei.

Seine Autobiografie "Vom ,weissen Kreuz" zur roten Fahne", erschien 1929. Der Mailänder Verlag Mimesis hat Hoelz" Erinnerungen neu aufgelegt. Und der Zwickauer Kulturwissenschaftler Horst Groschopp dazu ein 35-seitiges Vorwort geschrieben.

Groschopp geht darin unter anderem auf das zwiespältige Verhältnis der heutigen Falkensteiner zum historischen Hoelz ein. Losgelöst von den damaligen gesellschaftlichen Verhältnissen sehen viele in ihm nur den Brandstifter. Auch Filmemacher Günter Jordan sagt, das sei zu kurz gefasst. (suki)

Max Hoelz "Vom ,weissen Kreuz" zur roten Fahne" ist in allen "Freie Presse"-Shops für 24 Euro erhältlich.

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