Der Zündelmax und die Vogtländer

Der legendäre Arbeiterführer Max Hoelz polarisiert auch 84 Jahre nach seinem Tod noch. In der brandneuen Auflage seiner Autobiografie kommt ein Kulturwissenschaftler zu Wort. Und der hat einen Rat für die Vogtländer.

Falkenstein/Mailand.

Mag der militante Arbeiterführer Max Hoelz 1920 Falkenstein und das Vogtland in Atem gehalten haben - offensichtlich gab es damals aber pfiffige Geschäftsfleute, die Kapital aus Hoelz' Aktionen zu schlagen wussten. Die abgebildete Postkarte ist ein Beleg dafür, dass abgebrannte Fabrikantenvillen durchaus als Grußgrundlage taugten. Laut Günter Pfau, ehemals Museumsleiter in Falkenstein, waren und sind davon zahlreiche Exemplare in Umlauf. Auch Karten mit einzelnen Villenruinen seien gedruckt worden.

Im Frühjahr 1920 war es, als der aus Ostsachsen Hoelz im Vogtland begann, einen bewaffneten Kampf zu führen - eine Reaktion auf den Kapp-Putsch, der ersten Kampfansage von Rechtsradikalen an die junge Weimaer Republik, der Akteure alle straffrei ausgingen. Die "Enteignungs- und Umverteilungsaktionen" von Hoelz, wie es sie auch in Klingenthal gab, waren legendär. Und das - so scheint es - nehmen ihm viele Falkensteiner noch heute übel. Der Verein Falkart zum Beispiel, der es sich auf die Fahne geschrieben hat, das Andenken an berühmte Falkensteiner hochzuhalten, hat nichts mit Hoelz am Hut. Dazu habe er zuviel Unheil angerichtet, sagt Vertreter Rainer Döhling. Umgekehrt hält eine linke Initiative um den Auerbacher Peter Giersich die Erinnerung wach.

Dass man sich Hoelz in Falkenstein "widersprüchlich erinnert" - das hat auch Horst Groschopp in seinem Vorwort zur jüngst erschienenen Neuauflage der Hoelz-Biografie "Vom ,weissen Kreuz' zur roten Fahne" festgestellt. Auf 35 Seiten ordnet dort der Zwickauer Kulturwissenschaftler das Hoelz'sche Wirken in den Kontext seiner und den darauffolgenden Epochen ein.

Für seine Verehrer war Max Hoelz der "deutsche Robin Hood", die mildeste Bezeichnung seiner Gegner lautet "Zündelmax". Geboren wurde er 1889 in ärmlichste, streng religiöse Tagelöhnerverhältnisse. 1915 heiratete er die Tochter eines Falkensteiner Unternehmers. Während des Krieges verlor er seinen Glauben, fortan war er ein glühender Revolutionär. Wohl auch wegen seiner Tätigkeit als Filmvorführer wurde Hoelz zu einem "begnadeten Rhetoriker, der seine Zuhörerschaft in Bann zog", so Groschopp.

Hoelz wurde steckbrieflich gesucht, lebte im Untergrund, war federführend im Mitteldeutschen Aufstand, wurde verhaftet und 1921 unschuldig zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach acht Jahren Zuchthaus ließ man ihn dank einer groß angelegten Kampagne und dem Aufruf führender Intellektueller - darunter Brecht, Einstein, Thomas Mann und Otto Dix - frei. Bevor er am 15. September 1933 in der damaligen Sowjetunion unter ungeklärten Umständen starb, hatte ihn der Journalist Egon Erwin Kisch ermutigt, seine Erlebnisse niederzuschreiben. Das Ergebnis: 1929 erschien "Vom ,weissen Kreuz' zur roten Fahne" erstmals, im Malik-Verlag.

Dass nun der deutsche Ableger eines Mailänder Verlages damit debütiert, begründet Liza Candidi von Mimesis so: "Hoelz' Autobiografie beschreibt auf eine fesselnde Art die Atmosphäre jener brennenden Jahre." Horst Groschopp legt noch drauf: "Dem Autor - als ginge es nicht stets ums Leben der Beteiligten - geht mitunter die Erzähllust durch." Das mache die "Autobiografie zu einem Abenteuerbuch". Die Hoelz'schen Aktionen in Bezug zur Gegenwart gesetzt, sagt der Zwickauer, dass man diese heute nur schwerlich als berechtigte revolutionäre Gewalt beurteilen könne, sondern darin eher Terrorismus sehe. Groschopp rät allerdings zu einem weniger emotionalen Umgang: "Hoelz ist eine historische Person, deren Verdienst darin besteht, in Form seiner Autobiografie Zeit- geschichte geschrieben zu haben", sagt er. (mit tm)


Buchtipp

Max Hoelz "Vom ,weissen Kreuz' zur roten Fahne" mit "Anklagerede gegen die bürgerliche Gesellschaft", erschienen 2017 im Mimesis Verlag, ist in den "Freie Presse"-Shops erhältlich. Preis: 24 Euro.

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