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Foto: Arne Dedert/dpa

Sachsen ist Schlusslicht beim Ausbau der Windkraft

In der Koalition herrscht Uneinigkeit über die Dringlichkeit. Planer im Raum Chemnitz wollen bauliche Hürden lockern.

Von Oliver Hach
erschienen am 23.04.2018

Chemnitz. Windenergie wird für die Stromversorgung in Deutschland immer bedeutsamer. Im vergangenen Jahr stellte sie hinter der Braunkohle erstmals den zweitgrößten Anteil am deutschen Strommix. Die erzeugte Strommenge wuchs nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie gegenüber 2016 um rund 30 Prozent. In Sachsen indes stockte der Ausbau. Hier gab es 2017 nur knapp vier Prozent Zuwachs. Lediglich 16 Windkraftanlagen wurden neu errichtet oder durch neue, leistungsfähigere Anlagen ersetzt. "Das ist weniger als ein Prozent der knapp 1800 Neuanlagen in der Bundesrepublik", sagte der energiepolitische Sprecher der Grünen im Sächsischen Landtag, Gerd Lippold.

Der Grünen-Politiker besuchte Anfang April alle 2017 in Sachsen neu errichteten Windräder. Die Bilanz falle verheerend aus: "Dass selbst der Stadtstaat Hamburg (20 Anlagen) und das kleine Saarland (36) an Sachsen vorbeigezogen sind, macht die Misere überdeutlich." Zugleich beklagte Lippold einen veralteten Anlagenbestand und einen hohen Anteil kleiner Anlagen im Freistaat. Besserung sei nicht in Sicht: "Es gibt kaum ausgewiesene Flächen für Windkraft, teils unsinnige Höhenbeschränkungen und keine Rückendeckung durch politisch Verantwortliche."

Die Landesregierung von CDU und SPD war 2014 angetreten, die Blockade bei der Windkraft unter der schwarz-gelben Vorgängerregierung zu beenden. Der Klimaschutz-Experte Hans-Jürgen Schlegel stellt nun fest: "Der ursprünglich aus dem Koalitionsvertrag abgeleitete Aufbruch für die erneuerbaren Energien in Sachsen hat sich nicht bewahrheitet." Schlegel, der lange für das Landesamt für Umwelt und Geologie arbeitete, spricht von Verhinderungspolitik in den Landkreisen, aber auch in Planungsverbänden.

Bei der sächsischen CDU sieht man hier aktuell keinen Handlungsbedarf. Der energiepolitische Sprecher der Fraktion, Lars Rohwer, sagt: "Der Ausbau ist für uns nicht das alleinige Kriterium, sondern auch der aktuelle Bestand." So sei in Sachsen pro 1000 Einwohner mehr als doppelt so viel Windstrom-Leistung installiert worden wie im grünregierten Baden-Württemberg. "Bis Baden-Württemberg unser Niveau erreicht hat, kümmern wir uns um die rechtlich verbindlichen Rahmendaten", erklärt Rohwer. Für Windenergie brauche man nicht nur Standorte, sondern auch Stromnetze.

Für die SPD nennt Experte Jörg Vieweg indes neue Ansätze für den Ausbau der Windkraft: Flächen könnten auch in Wirtschaftswäldern freigegeben werden. "Der Erholungswald würde davon unberührt bleiben." Die Landesregierung, so der SPD-Abgeordnete weiter, habe den regionalen Planungsverbänden viel Eigenverantwortung übertragen. "Wir würden uns wünschen, dass die Landräte diesen Spielraum öfter nutzen, um den Bau neuer Windkraftanlagen zu ermöglichen, anstatt ihn zu verbieten." Und schließlich sollten auch alte Anlagen verstärkt modernisiert werden.

In Südwestsachsen will der Regionale Planungsverband Chemnitz die Hürden im Entwurf des neuen Regionalplans lockern, um das Privileg der Windkraft nach dem Bundesbaugesetzbuch zu gewährleisten. Anlagen mit einem Abstand bis 750 Meter zu Wohnsiedlungen sollen nun 200 Meter statt 100 Meter hoch sein dürfen; bei größeren Siedlungsabständen soll es gar keine Höhenbeschränkung mehr geben. Begründung: Anlagen unter 200 Meter seien heute nicht mehr Stand der Technik. Der zuständige Experte der Verbandsgeschäftsstelle, Jens Uhlig, schränkte allerdings ein: "Ob und wie das politisch umsetzbar ist, wissen wir heute noch nicht."

 
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Kommentare
6
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 24.04.2018
    11:16 Uhr

    Tauchsieder: Na woher wohl "mathausmike", vom Planeten Melmak!

    0 3
     
  • 24.04.2018
    11:13 Uhr

    Tauchsieder: So und nun noch mal den vollständigen Text, vielleicht wird er ja diesmal komplett eingestellt.
    Zitat:>Sachsen ist Schlusslicht beim Ausbau der Windkraft

    3 2
     
  • 24.04.2018
    10:52 Uhr

    mathausmike: OT:Woher kommt der Nickname "Tauchsieder"?

    3 1
     
  • 24.04.2018
    10:40 Uhr

    Tauchsieder: >Sachsen ist Schlusslicht beim Ausbau der Windkraft

    2 2
     
  • 24.04.2018
    07:10 Uhr

    1092060: Hallo zusammen.
    was ist das denn wieder für eine zusammenhanglose Abfolge von Informationen.
    Windkraft kann eine der saubersten Energiequellen sein, die es gibt. Leider wird hier der ?Umweltschutz? oft missachtet. Mit ?Umweltschutz? meine ich die Umwelt um die Einwohner, Ortschaften, Erholungsgebiete usw.
    Sachsen ist ein dicht besiedeltes Bundesland. Kein Vergleich zu Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem sind die Windverhältnisse hier durch die geographischen Gegebenheiten deutlich schlechter nutzbar, wie in flachen Regionen.

    Warum werden solche Aspekte nicht hinterfragt? Im Grunde muss das doch auch mit in die Recherche einfließen. Interessensgruppen werden solche Aspekte natürlich nicht darlegen - das muss ein Journalist erkennen und hinterfragen.

    Genauso könnte man fragen - Warum gibt es in Mecklenburg-Vorpommern so wenige Talsperren?

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