Chorfest in Chemnitz eröffnet: So lief der Auftakt

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26 Chöre aus mehreren Bundesländern musizieren in den kommenden Tagen in Chemnitz. Zum Start gab es ein Konzert in der Kreuzkirche.

Chemnitz.

Drei Chöre aus den drei größten Städten Sachsens haben am Freitagabend in der Kreuzkirche das Chemnitzer Chorfest eröffnet. Unter dem Motto "Singen baut Brücken" präsentieren sich bis Sonntag bei neun Konzerten und zahlreichen Begleitveranstaltungen 26 Chöre aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen.

Eröffnet wurde das Fest in der Kreuzkirche vom Kammerchor Chemnitz mit dem fünfstimmigen Renaissance-Stück "Nunc Dimitris" von Thomas Tallis. Zwölf Sängerinnen und sieben Sänger machten danach sofort einen Sprung vom 16. ins 19. Jahrhundert zu Carl Loewe. Später sprach dann Schirmherr und Oberbürgermeister Sven Schulze, der die Besonderheit des Singens als Teil der Rückkehr zur Normalität hervorhob.

Ein Nachtkonzert im Tietz beschloss ab 22 Uhr den Auftakttag. Neben Konzerten unter anderem im Schlossbergmuseum, der Jakobikirche, der Stadtkirche Oederan, der Rabensteiner Georgskirche und einem großen Chorsinfonischen Konzert am Samstagabend in der Markuskirche auf dem Sonnenberg sind auch ungewöhnliche Formate am Start - darunter am Samstag, 11, 12, 15 und 16 Uhr Singen auf der Rolltreppe im Einkaufszentrum Sachsen-Allee und ab 20.30 Uhr eine jedem sangesfreudigen Menschen offen stehende "Singende Kette" auf der Brückenstraße. Mit einem Open Air auf der Schlossteichinsel endet am Sonntagnachmittag das Chorfest. (tk)

So lief der Eröffnungsabend

19.30 Uhr: Die Kreuzkirche füllt sich langsam. In zehn Minuten soll's losgehen. Den Altarraum, in dem in voller Breite ein zweistufiges Alupodest aufgebaut ist, schmücken zwei Arrangements blühender Kräuter, rechts ist ein E-Piano für die Begleitung.

19.30 Uhr: Dann eröffnet der Kammerchor Chemnitz mit dem fünfstimmigen Renaissance-Stück "Nunc Dimitris" von Thomas Tallis den Abend. Zwölf Sängerinnen und sieben Sänger machten danach sofort einen Sprung vom 16. ins 19. Jahrhundert zu Carl Loewe.

19.40 Uhr: Kommt noch so etwas wie ein Grußwort? Sieht nicht danach aus. Wer eins will, findet es auf Seite 7 des Programmhefts, von Oberbürgermeister Sven Schulze. So schön die Musik ist, feierlich fühlt sich anders an.

19.50 Uhr: "Lauf, Jäger, Lauf" habe ich zuletzt in der Grundschule gehört. Auch dieses witzige Lied ist hier kunstvoll arrangiert, scheut harmonische Reibungen nicht.

20.00 Uhr: Jetzt spricht Schirmherr Sven Schulze, der auf die Besonderheit des Singens als Teil der Rückkehr zur Normalität hervorhebt. Und er gibt Tipps für die kommenden Tage. Und blickt voraus auf 2025.

20.09 Uhr: Auftritt Singakademie Dresden. Er macht den chronischen Männermangel in der Chorszene deutlich: 24 Damen stehen 15 Herren der Schöpfung gegenüber. Das Programm besteht aus Werken der Dresdner Komponisten Edmund Kretschmer und Felix Draeseke.

20.23 Uhr: Der Chorleiter des Max-Klinger-Chors verspätet sich. Er hat noch im Tietz für heute Nacht geprobt. Chemnitz überbrückt das ganze mit am Brunnen vor dem Tore.

20.32 Uhr: Jetzt läuft der Leipziger Max-Klinger-Chor ein. Der Dirigent ist wieder da.

20.42 Uhr: "In einem kühlen Grunde", ein Chorklassiker in frischem, luftigen, fast tänzerischen Gewand. Die Todessehnsucht dieses Lieds ist auf einmal ganz frisch und heiter. Mit "Kein schöner Land" geht es in ähnlichem Duktus weiter.

20.45 Uhr: Die Herren treten ab. Es geht ohne sie weiter.

21.00 Uhr: Punktlandung 21 Uhr. Begeisterung in Form von Applaus.

21.04 Uhr: Zwischenzeitlich hatte die Besetzung mehrfach gewechselt. Dacapo des letzten Gospel-Arrangements.

22 Uhr: Wer hört sich eigentlich abends um 10 Uhr Chorkonzerte an? Einige offenbar: Die fürsorglich bereitgestellten Stuhlreihen mit ungefähr 140 Plätzen sind bereits rund eine viertel Stunde vor Beginn des Konzerts voll besetzt. Weiter hinten behindert der steinerne Welt etwas die Sicht, hören wird man aber sich vortrefflich in diesem hohen Saal.

22.08 Uhr: Das Nachtkonzert im Tietz beginnt mit dem Philharmonischen Chor Weimar unter Ralf Jorik Schöne. Ein Programm rund um die Rose. Von Sah ein Knab ein Röslein stehn bis Wer die Rose ehrt. Andächtige Stille. Selbst in der letzten Reihe hört man vortrefflich.

22.35 Uhr: Der Dresdner Chor Singasylum betritt die Bühne.

23.05 Uhr: Mit einem bunten Strauß an Weltmusik hat Singasylum das Publikum in seinen Bann gezogen. Trotz vorgerückter Stunde sind die Reihen noch gut gefüllt, als Voice Dance Freiberg den Abend beschließen.

23.20 Uhr: Das Geheimnis von Konzerten wie diesen ist, dass immer wieder frische Ensembles mit anderen künstlerischen Ansätzen einander folgen. So entsteht nicht so schnell Langeweile - zumal die Chormusik bei diesem Fest aus so unterschiedlichen Quellen und Genres schöpft - von Operette bis jiddische Folklore, von geistlichen Stücken bis zum Volkslied, vom Madrigal bis zum zeitgenössischen Werk. Das Chorfest verspricht, ein Fest der Vielfalt zu werden. Ob das Wochenende hält, was der Auftakttag versprochen hat, wird sich zeigen. Aber es hört sich ganz so an. Eins ist sicher: Wer neugierig ist, ist an diesem Wochenende in Chemnitz richtig.

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