Chemnitz
Die fünf Aha-Momente bei der Makers United in Chemnitz

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Beim Mitmach-Festival können sich Teilnehmende am Wochenende ausprobieren: Zahnbürstenroboter bauen, eine Geldbörse aus Musikkassetten basteln und hängende Gärten aus alten Plastikflaschen zaubern.

Chemnitz.

85 Ausstellende, TV-Prominenz und ein Robotman: Gäste der siebten Auflage des Mitmach-Festivals Makers United haben am Wochenende die Qual der Wahl im und rund um die Stadthalle. Welche Experimentier- und Mitmach-Angebote sind besonders attraktiv und wo erfährt man Neues? „Freie Presse“ hat fünf Aha-Effekte erlebt.

Recycling-Garn: Wer hätte das gedacht? Ein ausgedienter Strick-Pullover wird nicht einfach weggeschmissen, sondern die Wolle wird recycelt und als neuer Knäuel wiederverwendet. Wie das geht, erklärt Babette Sperling von den Stadtfabrikanten. Der Verein hat seinen Sitz in der Stadtwirtschaft an der Schüffnerstraße. „Wir haben in unserer Textil-Abteilung die Idee dazu entwickelt“, sagt die 33-jährige Ehrenamtlerin, die in einem Textilverband arbeitet. Textile Handarbeiten macht sie schon immer gern. Und so zeigt sie an einem Stand, wie sie einen alten rosafarbenen Pullover auftrennt und dann die Wolle auf ein Knäuel wickelt. Weitere Zwischen-Schritte wären das sogenannte Haspeln. Damit bleiben die Fasern elastisch. Dann wird das Garn gewaschen, getrocknet und geglättet. Anschließend wird die Wolle zu einem Knäuel gewickelt, damit der Faden beim Stricken nicht durcheinander kommt. Dann wird noch ein Etikett draufgeklebt und fertig ist das neue Wollknäuel.

Zahnbürstenroboter: „Cool, so ein Roboter“, sagt Jim. Der Elfjährige ist mit seinem Freund Kenny und Mutter Maria Schössow aus Krumhermersdorf gekommen. Er bastele und experimentiere gern. Am Stand von Erkin Bayrli aus Wien/Österreich findet er das Richtige. Die Firma Wunderwuzzi bietet Kurse zum Selbstbauen an, wie einen Zahnbürstenroboter. Dafür braucht man einen Zahnbürstenkopf, ein 3D-Druck-Stecksystem mit verschraubter Knopfbatterie, Vibrationsmotor sowie Wackelaugen und Pfeifenputzer. Am Nachmittag wollen die Jungs daheim aus Legosteinen eine Rennstrecke bauen. Der Wiener gibt einen Tipp: „Wenn der Roboter eher im Kreis fährt als gerade aus, dann drücke die Borsten nach hinten“, fügt er hinzu.

Einen Zahnbürstenroboter basteln Jim (links) mit seinem Freund Kenny aus Krumhermersdorf. Mutter Maria Schössow hilft dabei. Zuhause wollen die Jungs dann eine Rennstrecke aus Lego-Steinen basteln.
Einen Zahnbürstenroboter basteln Jim (links) mit seinem Freund Kenny aus Krumhermersdorf. Mutter Maria Schössow hilft dabei. Zuhause wollen die Jungs dann eine Rennstrecke aus Lego-Steinen basteln. Bild: Andreas Seidel

Geldbörse aus Musikkassetten: Mit der digitalen Technik wird Musik von Audiokassetten nur noch selten gehört. Meist landen Musikkassetten im Restmüll. František Hanf und seine Firma „Já na tom dělám“ („Ich arbeite dran“) aus Prag/Tschechien hat sich darauf spezialisiert, alte Kassetten wiederzuverwerten. „Das geht ganz einfach“, erklärt er. An seinem Stand stehen dafür Reißverschlüsse, Vlies, Garn, Klebepistole und anderes Werkzeug parat. So wird geschnitten, geklebt und verziert - fertig ist die Geldbörse, wo man Geld, aber auch Kreditkarten verstauen kann.

Hängender Garten: Was tun mit kaputten Plasteflaschen? Getränkehersteller Lichtenauer hat sich Hilfe bei der Chemnitzer Künstlerin Denise Quarch geholt, die unter dem Label „Donna Quijote“ Upcycling-Gegenstände herstellt. Das heißt: Die alte Plasteflasche aufgeschnitten, mit Erde befüllt und darin kleine Kakteen ohne Stacheln, also Sukkulenten, gesetzt. Nadine Knorrn mit ihrem Sohn Emil (13) aus Burgstädt haben beim Dekorieren viel Spaß. Und Romy Bürger aus Thüringen, die als Managerin in Chemnitz arbeitet, bastelt mit ihren Jungs ein Gesteck. „Mein Großer war schon mit seiner Regenbogenschule hier“, sagt die 42-Jährige. Jetzt wolle er alles zeigen und neue Stände erkunden. Das Nachhaltigkeitskonzept des Getränkeherstellers gefalle ihr.

František Hanf mit seiner Firma „Já na tom dělám“ („Ich arbeite dran“) aus Prag baut aus alten Musikkassetten Geld- und Ausweisbörsen. Für 15 Euro konnten sich Teilnehmende selbst so ein Teil basteln.
František Hanf mit seiner Firma „Já na tom dělám“ („Ich arbeite dran“) aus Prag baut aus alten Musikkassetten Geld- und Ausweisbörsen. Für 15 Euro konnten sich Teilnehmende selbst so ein Teil basteln. Bild: Andreas Seidel

Schmuck-Anhänger: Wohl die meisten Stände hat am Samstag Diana Reichel mit ihren Kindern Lilly (7) und Nico (8) aus Chemnitz besucht. Zuerst prägt das Trio kleine Messing-Anhänger bei Designerin Isabella Anne Kelley aus England. Bei freiem Eintritt absolviert die Familie fast alle Stände. Zum Mittagessen fahren sie erstmal nach Hause, um zwei Schmuck-Anhänger, Tonfiguren und einen hängenden Garten abzuliefern. Am Nachmittag werkeln sie an weiteren Ständen. „Für eine kleine Spende haben wir einen kleinen Karl-Marx-Kopf in 3-D-Druck erhalten“, sagt die 38-Jährige. Anschließen basteln die Kinder aus geschredderten Plastikteilen Bausteine, Knöpfe und Lineale. (bj)

Das Mitmach-Festival in der Chemnitzer Stadthalle, Theaterstraße 3, hat samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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