Die Innenstadt als Techno-Club

Bei der East-Parade zogen bunte Wagen mit lauter Musik durch die Straßen. Dabei ging es um mehr als nur Feiern.

"Seid frech und wild und wunderbar und tanzt, lacht und seid laut" - mit diesen Worten hat Hauptveranstalter Jens Fischer vom Verein N'Dorphin Chemnitz am Samstag die East-Parade eröffnet und die Menschen eingeladen, zu allen Formen von Techno-Musik durch die Straßen zu ziehen. Von der Brückenstraße zum Brühl, über den Stadtring und wieder zurück zum Marx-Kopf bewegte sich die Kolonne sieben Stunden lang mit zehn geschmückten Wagen und laut Veranstalter insgesamt rund 2500 feierlustigen Menschen durch Chemnitz.

Während im ersten Wagen die "Dudes on Decks" eine nachfolgende Menschentraube zum Tanzen brachten, gab es im vorletzten und größten Wagen Frauen-Power am Mischpult: Die "Women of Techno" sind sieben Frauen, die neben ihren Hauptberufen die Liebe zur elektronischen Musik leben: "Die Clubkultur in Chemnitz wird endlich wieder aufregender. Und dank dieser Veranstaltung lernt man auch mal die Gesichter hinter den Namen kennen", erzählte die studierte Textildesignerin Christin Busch, welche unter dem Namen "CathBoo" auflegt.

Die Techno-Szene erlebt ein Hoch, was sowohl Besucher bestätigten als auch Sebastian Preuß vom "Reset": "Es ist immer ein Auf und Ab, wenn es um Techno geht. Aber in den letzten drei Jahren wurde es wieder mehr", so der Leiter der privaten Location, in der Partys meist nur mit Gästeliste stattfinden: "Die Techno-Szene war früher sehr präsent in Chemnitz, ich will das Erbe weiterführen". Wie beim Wagen von "Reset" lassen sich nicht alle einem öffentlichen Club zuordnen. So auch der vom "Adrenalin". Auch dieser Ort ist privat, wo er sich befindet, wissen nur Eingeweihte.

Zum zweiten Mal fand die für Toleranz stehende Parade statt, um die Kulturszene zu repräsentieren und das Clubsterben aufzuhalten. Projektleiter Holger Raddatz nennt mögliche Gründe für eine ruhiger werdende Clubkultur: "Es gibt einen Generationswechsel und die Jugendlichen verbringen mehr Zeit vor den Rechnern oder auf Instagram". Um das zu vermeiden und den Jugendlichen einen Raum zu geben, um die eigenen Grenzen auszutesten, unterstützt das Deutsche Kinderhilfswerk zum ersten Mal solch eine Veranstaltung. Während sonst eher theaterbasierte Projekte vom Verein gefördert werden, unterstützte er diesmal die East-Parade mit einem Scheck im Wert von 5000 Euro. "Es muss Räume geben, wo sich Jugendliche egal welcher Herkunft oder sexueller Orientierung ausprobieren können. Wir wollen verhindern, dass die Clubs aus den Zentren der Städte verdrängt werden", so Michael Kruse, Regionaler Koordinator beim Deutschen Kinderhilfswerk.

Aber nicht nur Jugendliche tanzten durch die Straßen von Chemnitz, sondern Menschen jeden Alters. "Wir sind hier um Spaß zu haben und die Szene zu unterstützen", erzählen der 31-jährige Thomas Krasselt und sein 16-jähriger Kumpel Tim Bretschneider. Die beiden Chemnitzer sind zum zweiten Mal dabei und mögen besonders Hard- Tech sowie Drum and Bass Beschallung aus den Boxen. Die Veranstalter wollen die East-Parade auch im nächsten Jahr fortführen: "Es war super, es hat sich gar nicht wie Chemnitz angefühlt", so Holger Raddatz.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 3 Bewertungen
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    0
    d0m1ng023
    19.08.2019

    Der legendäre und über die Grenzen hinaus bekannte Club Achtermai hat nach seiner Schließung auf der Lasallestr. natürlich eine riesen Lücke hinterlassen, die nie geschlossen werden konnte. Deshalb ist es gut, dass es mittlerweile wieder bergauf geht, mit der Chemnitzer Technoszene.

    In jede Großstadt gehört ein Technoclub, wo jeder Zugang hat, also ohne Gästeliste. Damit die jungen Leute mal ihren Frust wegfeiern können.



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