Firma Komsa testet Hubert - ein fahrerloses Transportsystem

Forscher der TU Chemnitz haben mit anderen Firmen einen Roboter entwickelt. Durch ihn sollen Prozesse schneller und sicherer laufen - aber der Mensch nicht ersetzt werden.

Chemnitz/Hartmannsdorf.

Wer ein neues Handy kaufen will, kann nach dem Besuch bei einem Fachhändler am nächsten Tag das Gerät zu Hause angeliefert bekommen. "Selbst wenn der Händler bei uns bis 19.30 Uhr den Auftrag erteilt, ist das noch möglich", sagt Andrea Fiedler, Sprecherin des Telekommunikationsdienstleisters Komsa in Hartmannsdorf, der sich als Großhändler von Informations- und Kommunikationstechnik versteht. Damit die Prozesse noch schneller und sicherer verlaufen, hat die TU Chemnitz während eines dreijährigen Forschungsprojektes gemeinsam mit drei deutschen Unternehmen ein fahrerloses Transportsystem entwickelt.

Entstanden ist ein kleines, vierrädriges Gefährt, das wie ein Wagen aussieht und dafür konzipiert ist, Mitarbeiter in einer Logistikhalle vor allem körperlich zu entlasten und ihnen unnötige Wege abzunehmen. "Hubert", so der Name der Neuentwicklung, ist ein 3-D-Sensor, der Menschen erkennt und so eine Zusammenarbeit über den üblichen autonomen Fahrmodus hinaus ermöglicht. Die Testläufe fanden in dieser Woche im neuen Logistikzentrum statt. Bei einem abschließenden Testlauf am Freitagvormittag wurden in der Logistikhalle, in der 211 Mitarbeiter in zwei Schichten arbeiten, verschiedene Szenarien geprobt. "Ziel des Praxistests ist es, die Einsatzfähigkeit im industriellen Umfeld zu prüfen", sagte Christoph Allmacher von der Professur Werkzeugmaschinenkonstruktion und Umformtechnik der TU, welcher das Forschungsprojekt in der Schlussphase hauptverantwortlich betreut.


Gezeigt wurde, wie der Wagen, der Waren bis zu einem Gewicht von 100 Kilogramm aufnehmen kann, selbstständig Regale ansteuert. "Der Mitarbeiter soll entlastet und nicht ersetzt, körperliche Arbeit verringert werden", so Allmacher. Hubert ist mit zwei Sensoren ausgerüstet. Das gelbe Teil verfolge die Beinbewegung eines Mitarbeiters. Der blaue Sensor mit Kamera erkenne den Menschen, erklärt Allmacher. Herzstück sei ein Computer mit einer Steuersoftware, der die Wege programmieren könne. Zwei Akkus ermöglichten einen Einsatz in einer Schicht, also für acht Stunden. Für den Test lege der Roboter 0,6 Meter pro Sekunde zurück. Ausgelegt sei das Gerät für 10 Kilometer pro Stunde. Die Entwicklung befinde sich am Anfang, sagt Allmacher. "Die Wagen sind bewusst für die Zusammenarbeit mit Menschen konzipiert", fügt der 27-Jährige hinzu. Auf der Grundlage der Testergebnisse könnte ein Hersteller für Logistiksysteme dann nach Abschluss des Forschungsprojektes eine Serienproduktion starten und Hubert weltweit zum Einsatz bringen, um Logistikabläufe zu optimieren.

Bei der Komsa gibt es zurzeit etwa 70 sogenannte Kommissionierwagen, die Mitarbeiter mit Kartons bestücken, in denen technische Geräte vom Lager zum Versand transportiert werden. Etwa fünf Roboter würden gebraucht, um die Arbeit zu erleichtern. Die Komsa als Praxispartner im Forschungsprojekt prüfe je nach Wirtschaftlichkeit den Einsatz, so die Komsa-Sprecherin. Nach ihren Angaben wurden im vergangenen Geschäftsjahr, das am 31. März 2019 endete, 2,3 Millionen Pakete versandt. Pro Tag müssen zwischen 5000 und 15.000 Pakete transportiert werden. Hersteller von Handys, Tablets, Navigationsgeräten und anderer Technik liefern ihre Waren nach Hartmannsdorf. Dort werden sie an drei Standorten gelagert. Händler bestellen ja nach Kundenwunsch die Geräte. "Mit Hubert könnten wir die Prozesse besser koordinieren", erklärt Logistikchef Gernot Graebner. Etwa 30.000 Produkte seien im Lager.

Eines der drei beteiligten Unternehmen am Forschungsobjekt ist die Firma IFD aus Chemnitz. Sie plant, entwickelt und realisiert weltweit Softwaresysteme für automatisierte und manuelle Bereiche der Logistik. "Wir können uns vorstellen, Hubert in anderen Bereichen einzusetzen", sagt Projektkoordinator Michael Kämpf. Am 30. Juni endet das Projekt. Es wurde mit rund 1,5 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert. (bj)

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