Karriere, aber cool: Mit dem Zwickauer E-Sport-Profi auf der Chemnitzer "Mach-was!"-Messe

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Mit 175 Ausstellern aus 20 Branchen zeigt die Chemnitzer Ausbildungsmesse "Mach was!" auch ungewöhnliche Berufswege auf. Zum Beispiel den Marcel Gramann, der für den FSV Zwickau virtuell Fußball spielt. Was in vieler Hinsicht dem Leistungssport durchaus ähnelt.

Chemnitz.

Der Begriff Karriere klingt nach vielem, cool oder sexy klingt er nicht. Mit Karriere verbindet man meist Businessanzug und Krawatte, lange Abende und Dienstreisen, Trolleykoffer und Führungskräfteseminar. Dabei kann Karriere auch anders sein. Die vom Chemnitzer Verlag und Druck organisierte Ausbildungs- und Studienmesse "Mach was!" am Samstag und Sonntag (jeweils 10 bis 16 Uhr) in der Messe Chemnitz zeigt nun klassische wie außergewöhnliche Karrierechancen auf. Gut 175 Aussteller aus über 20 Branchen eröffnen den Besuchern ein riesiges Spektrum an Berufs- und Lebenswegen.

Für eine ungewöhnliche Karriere steht dabei Marcel Gramann (25) aus Dresden, der im Rahmenprogramm der Messe aus dem Nähkästchen plaudert. Gramann ist einer der mittlerweile vier E-Sport-Profis beim FSV Zwickau. Er spielt beruflich Fußball - virtuell. Der Begriff E-Sport, also Wettkampf in Computerspielen, umfasst alle möglichen Spiele. Bei Marcel Gramann ist es das Spiel "Fifa". Schon als Kind versenkte er mithilfe der Gamepads unablässig virtuelle Bälle in virtuellen Toren.

Bei einem Turnier in Leipzig wurde der FSV Zwickau auf ihn aufmerksam. Nun spielt "Minusmacher 31", wie Gramann im Netz heißt, für die Westsachsen bei Turnieren mit, die etwa vom Deutschen Fußballbund oder der Deutschen Fußballliga veranstaltet werden. Er trägt dann Shirts des FSV, das FSV-Logo erscheint auf dem Bildschirm. Die kurzen Filme mit Tipps, die er mit großem Aufwand konzipiert und etwa bei Tiktok oder Instagram veröffentlicht, wurden mittlerweile rund 20 Millionen Mal abgerufen.

E-Sport gilt als absolute Wachstumsbranche. Sponsoren erhoffen sich Aufmerksamkeit jüngerer Zielgruppen. "Die Zuschauer im Stadion werden auch immer älter", sagt Gramann. Mit E-Sport wollen die Vereine bei jungen Menschen im Gespräch bleiben. Große Firmen versuchen, sich mit E-Sport als Arbeitgeber einen guten Namen zu machen. Laut Axel Dietze von der Hochschule Mittweida gibt es längst eigene Unternehmensligen. Also haben auch die Organisatoren der "Mach was"-Messe das Thema aufgegriffen. Neben Gramann und dessen Vereinskollegen vom FSV am Samstag wird am Sonntag dann Hochschul-Mitarbeiter Axel Dietze im Rahmenprogramm zu Gast sein (beide jeweils 12 Uhr).

Die Mittweidaer Hochschule war die erste staatliche Hochschule in Deutschland, die E-Sport - als Vertiefungsrichtung des Studiengangs Medienmanagement - in ein Studium integrierte. "Bei uns studiert man aber nicht E-Sport, sondern digitales und Event-Marketing anhand von E-Sport", stellt Dietze klar. Seit drei Jahren gibt es die Vertiefungsrichtung. Längst kommen junge Menschen extra deshalb zum Studium nach Mittweida. Die beruflichen Möglichkeiten sind breit. "Die Spieler sind nur ein Teil der ganzen Sache", sagt Dietze. Zu den Teams gehört das Management, es gibt Sportpsychologen, Coaches, Marketing-Mitarbeiter. Dazu kommen etwa Turnier-Veranstalter. Manche Unternehmen haben eine eigene E-Sport-Taskforce. Dietze: "Mitunter sind das ganze Abteilungen."

In seiner Gesamtheit gilt E-Sport in Deutschland zwar nicht als Sport. Gewinnorientierte Unternehmen entscheiden über Ausgestaltung und Regeln, begründet der Deutsche Olympische Sportbund das Urteil. Werde "analoger" Sport aber virtuell abgebildet, sieht der DOSB durchaus Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Gramann jedenfalls hat weit mehr mit einem Spitzensportler gemein als mit dem Klischee-Bild eines Computer-Nerds, der Kartoffelchips und Pizza in sich hineinstopft. Wer mit allen Fingern ständig konzentriert in Bewegung ist und sekündlich Dutzende Entscheidungen fällt, muss fit sein. Hinter den erfolgreichsten Profis, sagt Gramann, stehen Mentaltrainer und Ernährungsberater.

Auch taktisches Fußballverständnis ist essenziell. Ebenso aber Ausgleich. "Das ist wie beim Profi-Fußball", sagt Gramann. "Würde man bis zur Erschöpfung stundenlang trainieren, könnte man auch nicht seine beste Leistung abrufen." Gramann, der auch als Trainer aktiv ist, lässt sein Studium der Wirtschaftswissenschaften derzeit erst einmal ruhen. Die Möglichkeiten, die ihm der E-Sport bietet, sagt er, sind ihm das absolut wert.


Wo und wann? Die Ausbildungs- und Studienmesse "Mach was!" in der Messe Chemnitz öffnet am Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 16 Uhr ihre Tore. Der Eintritt ist frei.

Wer und was? Gut 175 Firmen und Ausbildungsstellen aus 20 Branchen zeigen eine Vielfalt an Berufswegen und Ausbildungsmöglichkeiten auf.

Was erleben? Zum Beispiel Vorträge zu Körpersprache und zu Wegen in den Journalismus. Stargäste im Rahmenprogramm sind Lukas Knopf und die E-Sportler des FSV Zwickau.

Wie hinkommen? Mittels Pkw über die A 72, Abfahrt Chemnitz-Süd, und die Zwickauer Straße sowie mit Bus (CVAG-Linie 23 und 43), Straßenbahn (Linie 1) und Zug (Bahnhof Chemnitz-Schönau, gut ein Kilometer Fußweg).

Wie informieren? Weitere Infos unter www.mach-was-sachsen.de

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