Leben im einstigen Kaiserlichen Postamt von Chemnitz

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Vor einem Jahr eröffnete auf dem Kaßberg der Pflegedienstanbieter Advita ein neues Haus. Die Bewohner und Patienten sind mittlerweile in ihrem neuen Zuhause angekommen. Steigende Kosten für Pflege und Energie bereiten aber auch Sorgen.

Sven Scholaut backt gerade Kuchen in der Tagespflege des Advita-Hauses "Am Kaßberg". Sie ist nur einer der fünf Bereiche des Hauses. Neben der zeitweisen Betreuung von Seniorinnen und Senioren in der unteren Etage sind in der ehemaligen Kaiserlichen Oberpostdirektion auch 44 Wohnungen in unterschiedlichen Größen für betreutes Wohnen, zwei Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz und ein Intensivpflegezentrum mit 24 Plätzen entstanden. Zudem startet vom Kaßberger Advita-Haus aus auch ein Teil des ambulanten Pflegedienstes.

Betreutes Wohnen bei Ehepaaren beliebt

Nach umfassender Sanierung des Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Baus wird er nun vorrangig von Senioren bewohnt und besucht. "Vor allem die großen Wohnungen für das betreute Wohnen waren schnell weg", erklärt Niederlassungsleiterin Kathleen Hartig. Damit hätten die Verantwortlichen vor der Eröffnung so nicht gerechnet. Vor allem Ehepaare hätten sich dafür entschieden, ergänzt Pflegedienstleiterin Susann Blumtritt. Vorteil: Auch wenn einer mehr Pflege benötigt, können die Paare zusammenbleiben. Und selbst wenn ein Umzug in die Demenz-Wohngruppe notwendig werde, leben beide immer noch unter einem Dach. Für viele Betroffene ein beruhigender Gedanke.

20 Wohnungen noch frei - Zurückhaltung bei Pflegebedürftigen

Komplett vermietet sind die44 vorhandenen Wohnungen aber nicht. Sechs Zweiraum- und 14 Einraum-Wohnungen seien aktuell noch frei. Aktuell sei eine gewisse Zurückhaltung bei den Pflegebedürftigen zu spüren, erzählen Susann Blumtritt und Kathleen Hartig. Über die Gründe können die beiden nur spekulieren. Aber die Energiepreise verunsichern offenbar, sodass ein Umzug ins betreute Wohnen herausgezögert wird. Der Beratungsbedarf wachse aber.

Scheu vor dem Weg zum Sozialamt

Erste Preisanpassungen seien erfolgt. Aber auch bei der Pflege steigen die Kosten. Wie sich das konkret auf die Kosten für jeden einzelnen auswirken wird, stehe noch nicht wirklich fest, so Kathleen Hartig. Erst in ein paar Wochen wisse man da mehr. Viele Senioren würden sich aber scheuen, beim Sozialamt Unterstützung zu beantragen. Steigende Kosten sind nur eine der Sorgen. Auch der Fachkräftemangel in der Branche beschäftigt das Führungsduo. Rund 110 Mitarbeitende sind bei Advita in Chemnitz - auch eine Außenstelle im Heckertgebiet gehört dazu - beschäftigt. "Manchmal ist die Bewerbungslage toll. Manchmal kommt keine einzige", so Blumtritt. Vor allem für das Intensivpflegezentrum sei es sehr aufwendig geworden, Personal zu finden. 24 Plätze gibt es in dem Haus auf dem Kaßberg. Hinzukommen 33 Tagespflegeplätze, von denen aktuell etwa 75 Prozent belegt sind. Und auch die zwei Wohngemeinschaften mit je zwölf Plätzen, die vorrangig für Demenzerkrankte vorgesehen sind, seien so gut wie voll. "Mittlerweile leben dort aber auch Menschen, die viel Pflege brauchen und daher nicht mehr in ihrer eigenen Wohnung bleiben konnten", sagt Blumtritt.

Einkaufsmobil sorgt wöchentlich für Freude

Die Wohngemeinschaft des Hauses werde gut gelebt, erzählt Kathleen Hartig. Im großen Innenhof kommen die Bewohner bei schönem Wetter zusammen. Jeden Freitag kommt ein Einkaufsmobil vorgefahren, was immer für viel Freude sorge. Selbstbestimmtheit auch im Alter ist ein wichtiges Thema. Darum seien die Phasen, in denen die Coronapandemie Einschränkungen notwendig machten, auch so schwer gewesen. Im vergangenen Sommer wurde einiges nachgeholt - gemeinsame Feste und auch eine Modenschau speziell für Seniorinnen standen auf dem Programm. Denn die Entscheidung, in ein betreutes Wohnen zu ziehen, hat nach der Erfahrung der beiden Frauen nicht nur etwas mit der Pflege zu tun. Es gehe auch immer darum, nicht zu vereinsamen.

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