Chemnitz
„Leser helfen“ in Chemnitz: Jakob und Emilia – fast wie Geschwister

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Der Neunjährige kam mit einem offenen Rücken zur Welt. Aber kein Grund, das Leben nicht zu genießen. Seine Familie spielt dabei eine besondere Rolle. Und manchmal sorgen die Verwandtschaftsgrade für ungläubige Blicke.

Chemnitz.

Jakob ist neun. Auf den Rädern seines Rollstuhls sind Elefanten abgebildet. Ein großes und kräftiges Tier – ein Mutmacher. Ohne den Rollstuhl wäre es für Jakob nicht möglich, von A nach B zu kommen. Seine Beine spürt er nicht. Nur mit speziellen Hilfsmitteln kann er aufrecht stehen. Aber das auch nur für eine kurze Zeit.

Jakob, der mit seiner Mutter und zwei Brüdern im Heckertgebiet lebt, kam mit einem offenen Rücken zur Welt. Spina bifida heißt das in der Medizinsprache. Seine Mutter Katja Langer erhielt schon zu Beginn der Schwangerschaft die Diagnose. Jakob nicht zu bekommen, kam für die heute 45-Jährige nicht infrage. Sie kämpfte für Jakob. Nur wenige Stunden nach der Geburt in der Universitätsklinik in Leipzig wurde er operiert. Weitere OPs, zum Beispiel wegen seines Wasserköpfchens, folgten. Der junge Chemnitzer ist im Alltag auf Hilfe angewiesen. Aber wenn er mit seinem Rollstuhl umher saust, ist davon nur wenig zu spüren. Immer wieder sagen Menschen aus seiner Umgebung, was für ein guter Rollifahrer er ist.

Alles wird mit Bus und Bahn erfahren

Der Neunjährige besucht seit etwa einem Jahr die Entdeckerschule am Terra Nova Campus auf dem Sonnenberg. Jeden Morgen machen er und seine Mutter sich vom Heckert aus mit dem Bus auf dem Weg in die Schule. Katja Langer arbeitet dort als Einzelfallhelferin für eine andere Schülerin. Das macht es zumindest einfach, Arbeits- und Schulweg miteinander zu verbinden. Ein Auto besitzt die Familie nicht. Doch das würde den Alltag deutlich vereinfachen. Aus diesem Grund sammelt die „Freie Presse“ mit Unterstützung der Leser und des Vereins Lukas Stern Spenden, um ein Fahrzeug zu ermöglichen.

Aber zurück zur Schule. Eingeschult wurde Jakob nicht an der Entdeckerschule, sondern an der Waldorfschule, die auch seine vier Geschwister besuchen oder besuchten. Und weil die Familie eine enge Verbindung zur Waldorfschule hat, war ein Besuch des traditionellen Adventsbasars, eine Art Weihnachtsmarkt auf dem Gelände der Einrichtung, selbstverständlich.

Jakob kam mit einem offenen Rücken auf die Welt. Das hält ihn aber nicht davon ab, all das zu tun, was andere Kinder auch tun.
Jakob kam mit einem offenen Rücken auf die Welt. Das hält ihn aber nicht davon ab, all das zu tun, was andere Kinder auch tun. Bild: Denise Märkisch

Mit dabei war auch Emilia. Sie ist sieben Jahre alt. Jakob und Emila verbringen viel Zeit zusammen. Wenn sie sich ein paar Tage nicht sehen, telefonieren sie miteinander. Jakob ist von seinen vier weiteren Geschwistern der Jüngste. Seine große Schwester Jessica (25) und der große Bruder Johannes (20) leben nicht mehr in der gemeinsamen Familienwohnung. Emilia hingegen ist oft als Übernachtungsgast bei Jakobs Mutter Katja Langer. Emilia ist die Tochter von Jessica, also Jakobs Nichte. Die beiden finden es immer wieder witzig, wenn sie anderen davon erzählen und dann erstaunte Blicke bekommen. Denn eigentlich wirken die beiden Kinder wie Bruder und Schwester und sind doch Onkel und Nichte.

Die Familie spielt im Alltag eine wichtige Rolle. Es gibt immer wieder Situationen, in denen Jakob auf Unterstützung angewiesen ist. Emilia sammelt beim Basteln die Utensilien für den Neunjährigen zusammen, schiebt Stühle zur Seite, damit Jakob mit dem Rollstuhl vorbeikommt. Und da sind auch noch die beiden Brüder Joshua (15) und Julius (12). Vor ein paar Wochen ist die Familie erneut gewachsen. Katja Langer ist zum zweiten Mal Oma geworden. Das neuste Familienmitglied heißt Miquella und ist der kleine Bruder von Emilia.

Träumen von der Zukunft

Bei all dem Trubel im Alltag, sucht Jakob aber auch immer wieder Rückzugspunkte. Er liest sehr gern, erzählt Mutter Katja Langer. Beim Toniebox-Hören kann er richtig abschalten. Ist um ihn herum viel los, wird Jakob ruhig. Er beobachtet seine Umgebung, nimmt sehr viel wahr, erzählt seine Mutter. Und Jakob träumt. Er träumt davon, später mal einen Beruf zu haben, bei dem er anderen Menschen helfen kann, so Katja Langer. Rettungsschwimmer, Polizist, Feuerwehrmann ... – seit Kurzem geht er im BFV Ascota Chemnitz schwimmen. Eine große Herausforderung für ihn, aber er traut sich. Er und die Schwimmnudel im metertiefen Becken. Mut gehört bei Jakob immer dazu. Stark sein wie die Elefanten auf seinem Rollstuhl. (aed)

Das Spendenformular finden sie online unter www.freiepresse.de/langer-helfen

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