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Eine Art, miteinander zu kommunizieren, ist für Marlon und seine Mutter Tina Ruckriegel das sogenannte „iTalk2“.
Eine Art, miteinander zu kommunizieren, ist für Marlon und seine Mutter Tina Ruckriegel das sogenannte „iTalk2“. Bild: Ralf Jerke
Chemnitz Umland
„Leser helfen“ in Limbach-Oberfrohna: Marlons dramatischer Start ins Leben und die Folgen

Marlon wird bald acht Jahre alt. 2017 kam er einige Wochen zu früh auf die Welt. Unter der Geburt erlitt er aufgrund einer Infektion eine Blutvergiftung. Er bekam eine Hirnhautentzündung, Hirnblutungen und mehr. Das ist Marlons Geschichte.

Limbach-Oberfrohna.

Bald ist es soweit. Marlon hat Geburtstag. Er wird acht Jahre alt, am Sonntag, am ersten Advent ist es soweit. Er wird feiern, Geschenke bekommen, sich freuen. Dass er da ist, ist für seine Mutter Tina Ruckriegel ein großes Glück. Die 34-Jährige ist alleinerziehend. Marlon war ein Wunschkind. Doch sein Start ins Leben und auch die Schwangerschaft seiner Mutter war mit vielen Komplikationen verbunden.

Schon der 23. Schwangerschaftswoche musste Tina Ruckriegel ins Krankenhaus. Sie durfte sich kaum bewegen. Sie hatte Infektionen und auch Wehen, erzählt die Limbach-Oberfrohnauerin.

Es war nicht das erste Mal, dass sie schwanger war und dass es währenddessen Schwierigkeiten gab. „Marlon ist mein zweites Kind“, erzählt Tina Ruckriegel. Die erste Schwangerschaft endete in der 22. Woche aufgrund einer Infektion.

Unter der Geburt mit Kolibakterien infiziert

Ein halbes Jahr später kündigte sich Marlon aus. Und wieder eine Infektion. Sieben Wochen war sie damals am Stück im Krankenhaus und bekam Antibiotika. Dann durfte sie nach Hause. Zwei Wochen später platzte die Fruchtblase. In der 32. Woche wurde ihr Sohn geboren. Viel zu zeitig, aber dennoch ein Glück, dass es dann doch so lange gedauert hat.

Nach der Geburt stellte sich heraus, dass er eine Kolibakterien-Infektion hat. Er bekam eine Blutvergiftung, Hirnblutungen, eine Hirnhautentzündung und dadurch auch noch einen Hirnwasserstau. Marlon kam auf die Intensivstation. „Es hat sich alles wie in einem Teufelskreis zusammengefügt.“ Wäre Marlon per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen, wäre es vielleicht anders gekommen, sagt seine Mutter.

Ein wochenlanger Krankenhausaufenthalt folgte, danach ging es zur Reha. Er trank nicht selbst, musste über eine Nasensonde ernährt werden. „Er hat kein Ton von sich gebracht“, erinnert sich Tina Ruckriegel.

Weil er seinen Kopf nicht selbstständig halten kann, liegt Marlon viel. Nachts muss er immer wieder gedreht werden.
Weil er seinen Kopf nicht selbstständig halten kann, liegt Marlon viel. Nachts muss er immer wieder gedreht werden. Bild: Ralf Jerke

Als Marlon ein halbes Jahr alt war, wurde seiner Mutter bewusst, dass ihr Kind sich nicht normal entwickelt. „Er hatte zum Beispiel keinen Greifreflex.“ Bis heute ist die Entwicklung verzögert. Auch wenn Marlon am Sonntag acht Jahre alt wird, ist er geistig vermutlich auf dem Stand eines Vier- bis Fünfjährigen. Körperlich ist er wie ein Baby, auf dem Stand eines Halbjährigen. Bis heute kann er seinen Kopf nicht selbst halten, er kann nicht laufen.

Der Alltag von Tina Ruckriegel ist komplett durchstrukturiert. Früh 5 Uhr geht der Tag in der Regel los. Dann werden zunächst die Medikamente gegen Epilepsie verabreicht. Derzeit sei er sehr gut eingestellt. Seit einigen Monaten hat er nur noch wenige Anfälle. Zuvor waren es drei bis vier pro Woche. Danach anziehen und dann in die Schule. Marlon besucht die Schule am Stadtpark in Limbach-Oberfrohna. „Seitdem er in die Schule geht, ist die Sprache deutlicher geworden“, erzählt die 34-Jährige. Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie finden gleich mit in der Schule statt.

Marlon versteht viel, kann aber kaum sprechen

Sprechen kann Marlin aber nur wenig. Ja und Nein, Mama und Papa, Oma und Opa – mehr Wörter sind noch nicht möglich. „Aber er versteht alles.“ Wie es weitergehen wird, dazu hat die Limbach-Oberfrohnauerin keine Prognose. Aber Marlon wird wohl sein Leben lang auf einen Rollstuhl angewiesen sein.

Der Alltag ist anstrengend. Das fange schon beim Füttern an. Marlon hat bis heute eine Schluckstörung, kann nur Püriertes essen. Mit Flüssigkeiten sei es noch schlimmer. Um besser durch den Alltag zu kommen, braucht die Familie ein großes und behindertengerechtes Auto. „Wenn Marlon einen neuen Rollstuhl bekommt, reicht mein Auto nicht mehr.“ Sicherer wäre es, Marlon im Rollstuhl sitzend zu transportieren. Bei längeren Fahrten ist zudem immer eine Begleitperson nötig. Da er sich schnell selbst abschnallt. (aed)

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