Bei Familie Ruckriegel steht der Weihnachtsbaum und die Geschenke liegen auch bereit. Das Weihnachtsfest wird ruhig und läuft ein bisschen anders ab. Das liegt auch den Gewohnheiten des Achtjährigen.
Marlon hat wie alle Schulkinder gerade Weihnachtsfeiern. Zwei Wochen nicht früh aufstehen: Das gefällt auch dem achtjährigen Limbach-Oberfrohnaer. „Er ist ein kleiner Morgenmuffel“, erzählt seine Mutter Tina Ruckriegel. Er brauche immer eine gewisse Zeit, um loslegen zu können. Um trotzdem gut in den Tag zu starten, hat sie einen Trick. Damit der Morgen schöner ist, hört Marlon in Ruhe erst einmal eine Folge Benjamin Blümchen. „Das habe ich früher auch gern gehört“, sagt seine Mutter. Manche Episoden können sie bis heute mitsprechen. Marlon liebt den sprechenden Elefanten. Und wird der mal langweilig, kommt einfach die Hexe Bibi Blocksberg mit ihrem Besen geflogen. „Nur Bibi und Tina gefällt ihm nicht so.“ Pferde haben es dem Limbacher offenbar nicht angetan.
Infektion unter der Geburt und die Folgen
Marlon kam vor acht Jahren zu früh auf die Welt. Schon in der 23. Schwangerschaftswoche musste Tina Ruckriegel ins Krankenhaus. Sie durfte sich kaum bewegen. Sie hatte Infektionen und auch Wehen. Sieben Wochen war sie am Stück im Krankenhaus und bekam Antibiotika. Dann durfte sie nach Hause. Zwei Wochen später platzte die Fruchtblase. In der 32. Woche wurde ihr Sohn geboren. Kurz danach stellte sich heraus, dass sich Marlon unter der Geburt eine Kolibakterien-Infektion zugezogen hatte. Ein Teufelskreis setzte ein: Blutvergiftung, Hirnblutungen, eine Hirnhautentzündung und dadurch auch noch ein Hirnwasserstau waren die Folgen, unter denen er bis heute leidet.
Marlon ist in seiner Entwicklung stark zurück, sowohl körperlich als auch geistig. Er spricht kaum ein Wort, kann seinen Kopf nicht selbst halten, liegt viel oder ist auf einen Rollstuhl angewiesen. In den Händen und Füßen hat er Spastiken. Um den Alltag etwas zu erleichtern, braucht Tina Ruckriegel ein neues und vor allem größeres Auto. Derzeit muss sie den Jungen immer aus dem Rollstuhl auf den Beifahrersitz heben.
Kartoffelsalat und Frikadellen zu Heiligabend
Doch über das Weihnachtsfest und die Ferien sollen diese Probleme ein wenig in den Hintergrund rücken. Weil der Tagesablauf von Marlon sehr organisiert ist, muss beim Weihnachten Feiern auch etwas improvisiert werden. Das große Essen am Heiligabend findet bei den Limbach-Oberfrohnaern daher schon am Mittag statt. Marlon geht jeden Tag spätestens 18.30 Uhr schlafen. Das liegt vor allem an einem Medikament, das der Junge nehmen muss, sagt Tina Ruckriegel. Das mache so müde, dass es quasi an der Bettkante verabreicht werde.
Und wie sich das in vielen Familien gehört, gibt es auch bei Marlon Heiligabend Kartoffelsalat. Die Würstchen werden bei ihm gegen Frikadellen getauscht. „Die lassen sich leichter pürieren“, erklärt seine Mutter. Der Limbacher kann sehr schlecht schlucken, weshalb das Essen immer püriert werden muss. Das Trinken fällt ihm besonders schwer. Wenn das Essen verputzt ist, liegen die Geschenke schon unter dem Baum. Tina Ruckriegel verrät schon mal, worauf sich Marlon in diesem Jahr freuen kann. „Er bekommt eine große Stitch-Figur, weil er den Film so liebt.“ Stitch ist Teil des US-amerikanischen Zeichentrickfilms „Lilo und Stitch“. Auch ein neues Tablet zum Schauen und für Kinderapps wird es geben. Heiligabend ist auch eine der Omas mit da.
Apropos Omas. Mit einer hat er eine ganz besondere Beziehung. Sie ist nämlich Teil eines weiteren Rituals. Jeden Abend, 18 Uhr, ruft Oma an. Danach geht es in Bett. Davor gab es schon Abendessen und danach liest seine Mutter ihm noch eine Geschichte vor. Aktuell schmökern die beiden die Reihe „Die geheime Drachenschule“. „Das haben wir letzten Jahr entdeckt.“ Sobald die Tage kürzer werden, tauchen Mutter und Sohn in die Fantasiewelt ab. (aed)
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