Modellbahn-Neuheiten zum Jubiläum im Chemnitztal

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Mit zwei Ausstellungen feiert der Modelleisenbahnverein Chemnitztal das 70-jährige Bestehen. Das Besondere: Erstmals können die Besucher die Schau mit Rollstuhl und Kinderwagen erreichen.

Markersdorf.

Tschii-pff, tschii-pff, tschii-pff: Die typischen Geräusche der Dampflok kann man sich richtig vorstellen. Dabei fährt die Eisenbahn nur en miniature - ist 87-mal kleiner als das Original. Vorbei fährt der Zug am Gasthaus zur Schmiede, wo Besucher im Schatten eines Baumes zusammensitzen. Von der Wirtin werden Gäste, die gerade mit einem Kremser eingetroffen sind, mit frischem Bier begrüßt. Am Spieß wird ein Ochse gedreht und in der benachbarten Schmiede führt der Meister sein altes Handwerk vor.

Was dort vor dem Auge auf einer Modelleisenbahnanlage der Größe H0 zu sehen ist, wird am Wochenende erstmals bei einer Ausstellung des Modelleisenbahnvereins Markersdorf/Chemnitztal gezeigt. Die Truppe der Hobbybastler hat sich in den vergangenen Monaten ins Zeug gelegt, um Neues zu präsentieren. Denn der Verein mit zwölf Mitgliedern feiert Jubiläum: 70 Jahre gibt es die Modelleisenbahner im Chemnitztal, 1952 als Arbeitsgemeinschaft (AG) Modelleisenbahn gegründet. Im November 1953 wurde die erste Ausstellung im Restaurant "Germania" in Markersdorf gezeigt. Inzwischen sind die jährlichen Schauen Tradition. 1955 kamen die Bastler und Schnitzer von Claußnitz und Umgebung hinzu. 2002 wurde das 50-jährige Bestehen mit einer großen Ausstellung in der Turnhalle in Markersdorf gefeiert.

 

Auch Drahtseilbahn Augustusburg und Fichtelbergbahn in Miniatur

Doch pandemiebedingt fielen die letzten Veranstaltungen aus. "Trotzdem hatten wir natürlich viel Zeit, um unserem Hobby zu frönen", sagt Frank Liebers. Zur Ausstellung an den kommenden beiden Wochenenden werden die Ergebnisse vorgestellt. Zwei große und sieben Kleinanlagen sind zu sehen. "Wir bilden die Welt im verkleinerten Maßstab ab. Szenen aus dem Leben werden nachgebildet, Gebäude werden nach dem Original, Bäume und Sträucher aus Naturmaterial hergestellt", erläutert Bruder Gunther Liebers. Der 68-Jährige ist mit 52 Dienstjahren am längsten für den Verein tätig. Die älteste noch voll funktionsfähige Anlage, auf der sich selbst Boote und Autos bewegen, stammt aus dem Jahr 1968. Ebenfalls alt ist der Nachbau der Augustusburger Drahtseilbahn und der Schwebebahn von Oberwiesenthal. Die Gondeln der Fichtelbergbahn wurden überholt und mit einer Beleuchtung ausgestattet. In dieser Anlage wurde auch ein Schaubergwerk eingebaut. "Die Anlage Markersdorf ist mit originalgetreuen Gebäuden, beginnend vom ehemaligen Steinbruch, dem Ort entlang der Bahnstrecke, bis zur Bärenhöhle fertiggestellt", erklärt Frank Liebers. Viele könnten sich noch an die "Bahnnase" erinnern, eine Bahnbrücke, die inzwischen abgerissen wurde. "Wer sich auskennt, wird den Fotograf Hans Hoppe erkennen, der in seinem Garten gerade ein Modell ablichtet", erzählt Liebers. Zu den wöchentlichen Vereinstreffs am Mittwoch werkelten die Vereinsmitglieder an den Exponaten. So auch an der Gemeinschaftsanlage H0, wo nicht nur die Schmiede hinzugefügt wurde, sondern auch eine Villa, wo Hochzeit gefeiert wird mit kaltem Buffet und tanzenden Paaren. Daneben bekommen auf dem benachbarten Hausbau die Maurer ihr Bier vom Getränkehandel geliefert. "Und wir wollen noch eine Überraschung zeigen", sagt Frank Liebers. Mehr wolle er noch nicht verraten, nur so viel: "Im Mittelpunkt steht eine Fleischerei." Außerdem habe er zu Hause alle Lokomotiven überholt, damit sie ihre Runden drehen können.

Aber noch eine weitere Neuheit erwartet die Besucher. Erstmals können Menschen, die auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind, die Ausstellung besuchen. Auch Familien mit Kinderwagen erreichen das Vereinshaus auf dem Gelände des Museumsbahnhofes Markersdorf-Taura. Denn Leser der "Freien Presse" spendeten Geld für ein Projekt - eine barrierefreie Auffahrt zum Vereinshaus. "Wir sind sehr dankbar für die große Spendenbereitschaft", sagt Frank Liebers. An dem Vorhaben beteiligten sich neben Lesern der "Freien Presse" auch der Landkreis Mittelsachsen mit Fördergeld unter dem Motto "Lieblingsplätze für alle". Insgesamt wurden 38.000 Euro investiert. "Ich kann selbstständig hochfahren", sagt Frank Liebers. Per Hand sei das schon eine Kraftanstrengung. Aber auf der etwa 22 Meter langen Zufahrt seien ebene Zwischenpodeste eingerichtet worden, wo man ausruhen könne, ohne wegzurollen.

 

Schwere Schicksalsschläge für Modelleisenbahner

Die Liebers-Brüder aus Diethensdorf und Markersdorf sind seit schweren Schicksalsschlägen auf den Rollstuhl angewiesen. Vor vier Jahren veränderte ein tragischer Unfall sein ganzes Leben. "Es war am Abend des 29. Januar 2018", erzählt Gunther Liebers. Er wollte zu Bett gehen und stolperte. Er fiel unglücklich auf einen Heizkörper. Dort lag er dann regungslos. "Ich hörte es krachen und dachte zuerst an einen Schlaganfall", sagt Ehefrau Birgit. Doch im Krankenhaus stellten die Ärzte fest, dass das Rückenmark in Höhe des vierten und fünften Halswirbels verletzt war. Nach mehr als einem dreiviertel Jahr Aufenthalt in einer Reha-Klinik in Kreischa kehrte er auf den Rollstuhl angewiesen nach Hause zurück.

Dann überschattete ein weiterer Schicksalsschlag die Familie. Zwei Jahre später fiel sein jüngerer Bruder Frank nach einem internistischen Eingriff ins künstliche Koma. Ein Vierteljahr bangte die Familie um sein Leben. Er überlebte - aber ist heute wie sein Bruder auf den Rollstuhl angewiesen.

Seit Unfall und Operationen müssen die Männer mit Einschränkungen leben. Aufgrund ihrer Beeinträchtigung konnten sie nicht mehr an den Treffs teilnehmen. Das Vereinsheim war bisher nur über eine Treppe erreichbar. Da kam Robin Helmert vom benachbarten Verein der Eisenbahnfreunde ins Spiel. Er hatte die Idee für die Rampe und kämpfte um Fördergeld. Besucher können nun ganz entspannt das Vereinsdomizil mit Schalterraum, Bastelwerkstatt und Schauraum erreichen.

Die Ausstellung des Modelleisenbahnvereins auf dem Museumsbahnhof Markersdorf-Taura, Hauptstraße 100 im Claußnitzer Ortsteil Markersdorf ist an den Wochenenden 17./18. sowie 24./25. September jeweils von 14 bis 18 Uhr beziehungsweise 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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