Sie machen Stimmung mit acht Tönen

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Während der Coronapandemie waren keine Proben und Auftritte möglich. Jetzt spielt die Schalmeienzunft wieder auf und hofft auf Mitstreiter.

Hartmannsdorf.

Bei Pioniertreffen waren sie zu DDR-Zeiten dabei, bei Faschings- und Stadtfesten treten sie heute gern auf. Die Schalmeienzunft in Hartmannsdorf gibt es seit knapp 50 Jahren. Doch während der Coronapandemie ist es ruhig um das Musikinstrument mit dem besonderen Klang geworden. Der Klang erinnert an einen Dudelsack, sieht aber eher aus wie eine Flöte mit mehreren Röhren. "Doch eigentlich heißt sie Martinstrompete", sagt Cindy Tuchscherer, die zweite Zunftmeisterin. Denn die Blech-Schalmei wurde um 1900 vom Erfinder des sogenannten Martinshorns, Max. B. Martin, entwickelt. Während sie früher nur von einem Fanfarenspieler des Kaisers gespielt werden durfte, gibt es heute in Dörfern Schalmeienkapellen.

Das Instrument besteht meist aus acht Röhren, die alle unterschiedliche Töne erzeugen können. Ein Ton auf der Schalmei erklingt, weil der durch kräftiges Hineinblasen erzeugte Luftstrom von einem Plättchen "zerschnitten" wird - ähnlich wie beim Saxofon. Damit in einer Kapelle aber nicht alle Musikanten die gleichen acht Töne spielen, gibt es unterschiedlich gestimmte Schalmeien, erläutert Tuchscherer, die Urenkelin des Vereinsgründers. Chemielehrer und Freizeitmusiker Helmut Nicolai hatte die Kapelle an seiner Schule in Hartmannsdorf 1973 gegründet. Im Jahr 2000 starb er. Die 26-Jährige war damals sechs Jahre alt. "Seine aktive Zeit habe ich deshalb nicht mitbekommen", sagt die Mutter eines zweijährigen Jungen. Sie selbst sei als kleines Mädchen mit der Oma zu Auftritten gegangen. Ihr Urgroßvater habe die sogenannte Sopran-Schalmei gespielt, die die hohen Töne abdeckt.

Jahrelang habe sie dieses Instrument auch gespielt, sagt Tuchscherer. Dann sei sie umgesattelt, weil sie an einem anderen Instrument gebraucht wurde. Die Instrumentengruppen Sopran, Alt, Bariton, Akkord, Bass und Schlagzeug werden im Verein angeboten. Daher könnte die Schalmeienzunft mehr Musikrichtungen von Volksmusik bis Rock darbieten. "Aktuell haben wir an die 30 Musiktitel im Repertoire", so Tuchscherer. Angefangen von Roland Kaiser, über ACDC, Böhse Onkelz bis zum Musicalklassiker "Memory" von Cats.

Fast die gesamte Familie von Vereinsgründer Nicolai spielte im Verein mit, heute ist es nur noch Cindy Tuchscherer. Lange Zeit habe sie selbst keine Beziehung mehr zu den Schalmeien gehabt. Aber im Jahr 2010 kellnerte sie auf einer Messe in Mühlau, um als Schülerin nebenbei etwas Geld zu verdienen. "Und plötzlich kam die Schalmeienzunft Hartmannsdorf um die Ecke und alle schönen Kindheitserinnerungen kamen zum Vorschein", erzählt sie. Sie sei mit dem festen Entschluss nach Hause gekommen: "Dort willst du mitspielen." Am darauffolgenden Dienstag war sie bei der Probe und nach einem halben Jahr Ausbildung hatte sie ihren ersten Auftritt bei einem Zunftfrühschoppen.

"Doch die Zeiten haben sich extrem geändert", sagt Tuchscherer. Es sei schwer, Jugendliche in Zeiten von verschiedenen sozialen Medien für Schalmeien zu begeistern. "Außerdem könnte ich mir gut vorstellen, dass viele gar nichts mit dem Begriff Schalmeien anfangen können und es denen somit schwerfällt, sich damit zu identifizieren", ergänzt sie. Deshalb möchte der Verein am 28.August zu einem Tag der offen Tür einladen. Dabei will sich die Schalmeienzunft vorstellen. Fragen können gestellt, Instrumente ausprobiert werden. Gesucht werden Interessierte ab zehn Jahren. "Man benötigt auch keine Vorkenntnisse, das wird alles in der Ausbildung beigebracht", sagt die zweite Zunftmeisterin, die sich bei der Wahl im Herbst um die erste Stelle bewirbt.

Der Verein besteht seit Jahren aus mehr als 100 Mitgliedern. Davon sind aber mehr als zwei Drittel passive Mitglieder. "Doch auf der Bühne stehen im besten Fall 20 Musiker, weil erfahrene Mitspieler zum Studium gehen oder eine Familie gründen", sagt die 26-Jährige.

Währen der Pandemie musste aufs Vereinsleben wie Proben, Konzerte und Trainingslager verzichtet werden. "Doch jetzt geht es wieder los", sagt sie. So will die Truppe beim Mopedtreffen am 22. August in Franken, bei der Kirmes in Ehrenfriedersdorf am 11. September, beim Fest zum 30-jährigen Bestehen des Sponsors am 1. Oktober sowie zum Oktoberfest in Rochlitz am 2. Oktober für Stimmung sorgen.

Das Konzert am Samstag, 28. August, von 17 bis 19 Uhr im Naturbad Hartmannsdorf dient zum Kennenlernen der Schalmeienzunft.

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