Chemnitz
Wie gefährlich sind Katzen für Vögel?

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Im Winter werden Vögel zu Futterstellen in Gärten gelockt. Dort sind auch viele Katzen unterwegs, die ihren Jagdtrieb stillen wollen. Einfache, aber auch drastische Maßnahmen können helfen.

Chemnitz.

Ob das Zufüttern von Wildvögeln überhaupt notwendig ist, darüber streiten sich selbst Ornithologen. Fakt ist, dass Vogelhäuschen in Gärten im Winter nicht nur Vögel auf Futtersuche anlocken, sondern auch Katzen auf Vogelsuche. Die Vögel sind dabei nicht nur im Futterhäuschen gefährdet, sondern vor allem darunter, wo sie nach heruntergefallenen Körnern suchen. Lutz Röder, Geschäftsführer vom Nabu-Regionalverband Erzgebirge in Chemnitz, empfiehlt deshalb, Vogelhäuser nicht direkt neben einem potenziellen Versteck der Katze aufzustellen, sondern beispielsweise auf einer Wiese mit einer Freifläche von mehreren Metern ringsherum. „So kann der Vogel die Katze sehen, sobald sie sich anpirscht.“

Katzen umerziehen oder anders füttern, damit sie keine Vögel mehr jagen, diese Idee funktioniert nicht. Tierärztin Nicole Schreiter vom Tiergesundheitszentrum Lichtenau erklärt, dass Katzen einen ausgeprägten Jagdtrieb haben. „Sie jagen auch, wenn sie satt sind. Sie wollen ihren Spieltrieb ausleben.“ Es gebe zwar Möglichkeiten eines Glöckchen-Halsbandes, um die Vögel zu warnen. Die Tierärztin weist aber gleichzeitig darauf hin, dass eine „nervtötende“ Glocke um den Hals wiederum eine Quälerei für die Katze sei und zudem Verletzungsgefahr bestehe. Nicole Schreiter hat selbst drei Katzen. „Es sind Wohnungskatzen, sie bleiben drin.“ Für Vögel hat sie im Garten eine lange Hecke gepflanzt, worin sie sich verstecken können.

Vögel wie die Blaumeise suchen Körner nicht nur in Vogelhäusern, sondern auch darunter, wo sie zur Beute von Katzen werden.
Vögel wie die Blaumeise suchen Körner nicht nur in Vogelhäusern, sondern auch darunter, wo sie zur Beute von Katzen werden. Bild: Christoph Soeder/dpa

Für Deutschland kursierten früher Schätzungen, die von 200 Millionen von Katzen getöteten Vögeln pro Jahr ausgehen. Wie viele Vögel in Deutschland Opfer von Hauskatzen werden, ist nicht bekannt, sagt René Sievert, Biologe aus Leipzig und stellvertretender Vorsitzender des NABU Sachsen. Es gebe eine hohe Dunkelziffer, für die Gefährdung des Bestandes von Vogelarten seien aber auf jeden Fall andere Ursachen schwerwiegender, insbesondere der Verlust natürlicher Lebensräume. Dennoch seien freilaufende Hauskatzen ein Problem.

In den letzten zehn Jahren seien allein in der Wildvogelhilfe Leipzig über 400 Vögel aufgenommen worden, die durch einen Katzenangriff verletzt wurden. „Hauskatzen jagen nicht zum Nahrungserwerb, die Vögel werden meist nur totgebissen und nicht gefressen, denn die wohlgenährten Hauskatzen sind satt. Die Vögel werden von den Hauskatzen totgespielt irgendwo abgelegt.“

Sievert betont, dass Katzenhalter in der Lage sein müssen, eine Hauskatze in der Wohnung artgerecht zu beschäftigen. „Das Tier braucht Aufmerksamkeit und Zeit zum Spielen, damit es ein angenehmes Leben führen kann. Der Freigang ist dafür nicht notwendig.“

Weniger der „Stubentiger“, sondern vor allem streunende Katzen sind das Problem.
Weniger der „Stubentiger“, sondern vor allem streunende Katzen sind das Problem. Bild: Angelika Warmuth/dpa

Ein noch größeres Problem für die Vögel stellen verwilderte Hauskatzen dar. Sie sind gezwungen, ihren Nahrungsbedarf neben menschlichen Abfälle komplett durch die Jagd auf Kleintiere zu decken. Es wäre nötig, die Bestände verwilderter Hauskatzen auf ein erträgliches Maß zu verringern, zum Beispiel durch Kastrationsprogramme.

Das dürfte in Zukunft allerdings schwieriger werden. Ein Kastrationsprogramm der Stadt Chemnitz für streunende Katzen ist von den aktuellen Kürzungsplänen betroffen. Aus dem Fördertopf in Höhe von 4000 Euro konnten sich bislang Tierärzte die Kosten für die Kastrationen erstatten lassen, anstatt sie von den Tierheimen einzufordern.

Lutz Röder vom Chemnitzer Nabu-Regionalverband sieht auch viele Gefahren für Vögel außerhalb von Städten. Durch die Monokulturen auf den Feldern fehle es den Vögeln an Futter. Dazu komme der Einsatz von Pestiziden, die Vögel über die Nahrung ebenfalls aufnehmen.

Dem Futtermangel wiederum können Gartenbesitzer in Städten etwas entgegensetzen. „Statt fremdländischer Arten sollte man heimische Vogelnähr- und Vogelschutzgehölze wie zum Beispiel Schlehe, Weißdorn, Brombeere, Vogelbeere oder Hundsrose pflanzen. In diesen können die Vögel brüten und sie finden durch den dichten Bewuchs Schutz- und Versteckmöglichkeiten“, schreibt die Pressestelle der Stadt. Zusätzlich sollten ältere Bäume mit Baumhöhlen stehen gelassen werden. Fehlt es an natürlichen Baumhöhlen, können auch Nistkästen als künstliche Brutstätten angeboten werden. „Diese sollten möglichst mit einem Katzen- und Marderschutz ausgestattet sein und regelmäßig gereinigt werden.“ (cma)

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