Corona-Virus: Die Lage am Donnerstag im Erzgebirge

Ab Donnerstag haben zahlreiche Geschäfte geschlossen. Die Anzahl der Infizierten mit dem Corona-Virus steigt weiter. Alle Entwicklungen rund um das Corona-Virus im Erzgebirge finden Sie hier. Der Beitrag wird fortlaufend aktualisiert.

Die Anzahl der vom Landratsamt gemeldeten Corona-Fälle im Erzgebirgskreis ist am Donnerstag auf 27 gestiegen. Der Landkreis teilte am Abend mit, dass weitere Personen positiv auf das Virus getestet worden sind. Eine Frau aus Geyer und ein Mann aus Amtsberg sind betroffen. Auch am Nachmittag waren neue Fälle gemeldet worden: Dabei handelt es sich um zwei Frauen und einen Mann aus Schwarzenberg und jeweils eine Frau aus Lugau, aus Johanngeorgenstadt und aus Schneeberg. Auch zwei Frauen und zwei Männer aus Annaberg-Buchholz sind positiv auf das Coronavirus getestet worden, teilte das Landratsamt am Morgen mit. Das Gesundheitsamt des Erzgebirgskreises ermittelt derzeit mögliche Kontaktpersonen zu diesen Personen. Diese werden ebenfalls vorsorglich in häusliche Isolation versetzt.

Kreativ in der Not zeigt sich das Team der Sportgaststätte Leukersdorf. Wie viele Restaurants reagiert auch die Sportgaststätte auf die Einschränkungen durch die Corona-Krise mit einem Lieferdienst für ihre Speisen. Der gilt ab sofort von Donnerstag bis Sonntag und nimmt zugleich mit einem Augenzwinkern Bezug auf die Hysterie um ausverkauftes Klopapier: Ab einem Bestellwert von 50 Euro erhalten die ersten 300 Anrufer eine Rolle Toilettenpapier gratis zur Bestellung dazu.

Die Krankenhäuser Stollberg und Olbernhau werden für die stationäre Behandlung von Corona-Patienten freigezogen. Auch weitere Corona-Teststellen im Erzgebirge sind in Vorbereitung, teilt das Landratsamt mit.

Mit der gestrigen Veröffentlichung der Bundesregierung und den heutigen Umsetzungen des Freistaats Sachsens einhergehend, hat auch der Verein Alte Brauerei in Annaberg-Buchholz, der in der Stadt das gleichnamige soziokulturelle Zentrum betreibt,  die vorläufigen Absagen für den Großteil seiner  Veranstaltungen, Workshops und Kursangebote bis einschließlich 20. April beschlossen. Für einen Teil der Veranstaltungen werde gegenwärtig über neue Termine verhandelt. Bereits fest steht bereits der neue Auftrittstermin für die Band Antiheld und ihre Goldene-Schuss-Tour. Sie ist auf den 11. September verlegt. Und die lustigen Finnen von Eläkeläiset kommen mit ihren "Humppa ohne Grenzen" am 30. April des nächsten Jahres wieder nach Annaberg-Buchholz.  "Auch mit dem Wissen, dass unser Café für einige wenige als Ankerpunkt und Freiraum täglich aufgesucht wird, werden wir es ab Freitag für den Publikumsverkehr schließen müssen", sagt René Keil vom Verein. In diesem Fall wiege die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der damit verbundenen Verlangsamung einer Ausbreitung des Corona-Virus mehr. Der interne Geschäftsbetrieb werde vorerst aufrechterhalten, damit die sonstigen Aufgaben des Vereines weiterhin erledigt werden können. Jedoch werde auch der  Kartenvorverkauf im Haus bis Ostern ausgesetzt.

Für dringende Angelegenheiten hat die Gemeinde Burkhardtsdorf Besucherarbeitsplätze eingerichtet. Diese befinden sich im Rathaus Burkhardtsdorf und im Bürgerservice Gornsdorf. Die Öffnungszeiten des Bürgerservice wurden auf Dienstag 9 bis 12 Uhr und Donnerstag 14 bis 16 Uhr eingeschränkt. Ein Verwaltungsstab ist eingerichtet worden, um die Corona-Krise bewältigen zu können. "Wir haben am Donnerstag zudem überprüft, ob die Allgemeinverfügung eingehalten wird", sagt Fachbereichsleiter Jörg Spiller. Andrea Arnold hat in Supermärkten darauf hingewiesen, dass die Abstandsregelungen eingehalten werden. Parallel dazu baut ein ehemaliger Zeitsoldat im Zuge einer vorgezogenen Wiedereingleiderungsmaßnahme eine Notversorgung für die Verwaltungsgemeinschaft auf.

Die Stadtverwaltung Geyer weist darauf hin, dass ab sofort Kontrollen durch Polizei und Ordnungsamt hinsichtlich des Betretens von Spielplätzen erfolgen. Laut einer Allgemeinverfügung dürfen diese nicht aufgesucht werden. Wer sich nicht daran hält, müsse mit einem Bußgeld rechnen.

Die Innenstadtinitiative Marienberg wendet sich mit einem Aufruf im sozialen Netzwerk Facebook an die Kunden. Es heißt: "Auch an unseren Geschäften gehen die Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus nicht vorbei. Ab Donnerstag bleiben die meisten Geschäfte für unbestimmte Zeit geschlossen. Diese Schließung bedeutet für diese Geschäfte einen tiefen Einschnitt, da bestellte Ware zu bezahlen ist, Fixkosten wie Miete und so weiter trotzdem zu bezahlen sind." Aber auch diese Zeit werde vorbeigehen. "Wir möchten Sie daher bitten, bei nicht unbedingt notwendigen Anschaffungen außerhalb der Waren des täglichen Bedarfs nicht auf Onlinekäufe auszuweichen, sondern bis zur Öffnung der Geschäfte, nach Ablauf der von staatlicher Seite festgelegten Frist, zu warten und Ihre Einkäufe vor Ort zu tätigen. Sie unterstützen damit nicht nur das lebendige Bild unserer Innenstadt, sondern auch die Arbeitsplätze, vielleicht sogar die von Freunden und Bekannten."

Das Rathaus von Oberwiesenthal ist bis auf weiteres geschlossen. "Zahlreiche Anliegen können durchaus auch postalisch, per E-Mail oder telefonisch erledigt werden. Bitte überlegen Sie jedoch vor einer Kontaktaufnahme genau, ob Ihr Anliegen derzeit wirklich notwendig ist oder ob es möglicherweise verschoben werden kann", informiert die Stadt. Für dringende Fälle, die beispielsweise einer persönlichen Unterschrift bedürfen, zum Beispiel Standesamtsdokumente, sei unter der Telefonnummer 037348 1550-0, montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr, freitags von 9 bis 12 Uhr ein Bürgertelefon zur Terminvereinbarung geschaltet. Anträge wie  Gewerbean-/-um-/-abmeldungen, Wohngeld, Bauanträge und ähnliche sollen nach Möglichkeit schriftlich, per E-Mail: stadt@oberwiesenthal.de oder durch telefonische Absprache unter 037348 1550-0 gestellt bzw. abgestimmt werden.

Die Gemeinde Sehmatal konkretisiert Angaben zur reduzierten Erreichbarkeit des Rathauses. "Wie bereits am Montag angeordnet, findet im Rathaus der Gemeindeverwaltung nur noch eine reduzierte Erreichbarkeit statt. Der direkte Bürgerverkehr wird auf ein Minimum einschränkt, sodass das Rathaus nur noch in absoluten Notfällen persönlich aufgesucht werden soll. Für diese Fälle gelten "Notsprechzeiten": Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 09:00 - 12:00 Uhr; Dienstag zusätzlich 13:00 - 18:00 Uhr.  Auch während dieser Zeiten wird der Zutritt zum Rathaus nur in dringenden, unaufschiebbaren Fällen gewährt. Und weiter: "Auch wenn diese Vorgaben drastisch klingen, sind auch wir gezwungen, den öffentlichen Publikumsverkehr auf ein Minimum zurückzufahren. Einerseits, um unsere Mitarbeiter zu schützen und natürlich andererseits, um der Verbreitung der Infektion durch öffentliche Räume entgegenzutreten." Natürlich seien die Mitarbeiter weiter im Dienst und telefonisch oder per E-mail erreichbar.

Die Gemeinde Crottendorf hat angesichts der aktuellen Lage auch eine für den 20. März geplante Einwohnerversammlung abgesagt. Zudem wird nochmals darauf hingewiesen, dass wichtige Anliegen nur nach Voranmeldung im Rathaus erledigt werden. Die normalen Öffnungszeiten sind ausgesetzt. "Wir stellen Stück für Stück auf Notfallprogramm um, dass unsere Einrichtung für den Ernstfall gewappnet ist", so Bürgermeister Sebastian Martin. Er weist zudem daraufhin, dass der Gesetzgeber Erleichterungen in puncto Personalausweis und Reisepass beschlossen hat. Das heißt, eine Verlängerung zum Beispiel ist momentan meist nicht brisant. Martin weiter: "Wir hatten am Dienstag einen unglaublichen Besucheransturm im Einwohnermeldeamt, das ist in der jetzigen Zeit nicht zielführend."

Der Zweckverband Abfallwirtschaft Südwestsachsen (ZAS) schließt ab Freitag seine Wertstoffhöfe. Die stationäre Schadstoffsammlung, die bisher samstags einmal monatlich alternierend an ausgewählten Wertstoffhöfen stattfand, entfällt. An den Müllumladestationen sind ab Freitag nur noch Anlieferungen von registrierten Gewerbetreibenden nach Voranmeldung möglich. Mit den Maßnahmen soll vorrangig der Betrieb der Müllabfuhr sichergestellt werden. Die Verwaltungsdienststellen bleiben für persönliche Kontakte geschlossen, sind aber per Post, Telefon, Email oder online zu den bekannten Sprechzeiten erreichbar.

Ende März soll im Annaberg-Buchholzer Rathaus darüber entschieden werden, ob das Jubiläum "500 Jahre Kät" Mitte Juni sowie das vom 21. bis 23. Mai geplante Trinitatisfest über die Bühne gehen. Stand jetzt sieht es dafür nicht gut aus. Das sieht auch Oberbürgermeister Rolf Schmidt so. "Mein Gefühl sagt mir, dass beide Veranstaltungen nicht stattfinden werden", sagte er am gestrigen Mittwoch auf Anfrage.

Was Kanzlerin Angela Merkel in ihrer Ansprache am Mittwochabend an die Einwohner der Bundesrepublik erklärt hat, lässt sich auch auf Erzgebirgisch formulieren. Das beweisen schon seit einigen Tagen die Macher des Facebook-Auftritts "Schwarzbach im Erzgebirge". In einem Post, der im Netz die Runde macht, heißt es unter der Überschrift "Drham im Stübel, do ist net übel!" - "Setzt eich ofs Kanepe, schnitzt e Mannel, klippelt e Deckel, macht emol in Latscher mit dor Om, feiert in Ufn ei, guckt eich alte Bilder ah, huhlt ewing Birkenreisig rei, schmickt in Usterstrauß, macht e klaans natzerle, rufft emol alte Kolleeeng ah - tut net rimdampern - aber blabbt rham!" Die Mundart-Variante für die Aufforderung, zuhause zu bleiben und sich eine Beschäftigung zu suchen - in der Zeit, in der man nicht arbeiten muss.

Das Amtsgericht Marienberg ist auf Anordnung des Direktors Joachim Hermann seit dem gestrigen Mittwoch für den Publikumsverkehr geschlossen. Es finden auch keine Verhandlungen mehr statt. Das teilte Vizedirektor Richter Toralf Kliemt mit. Der Gerichtsbetrieb werde aber wie gewohnt fortgesetzt. Die Mitarbeiter sind telefonisch unter 03735 91080, sowie unter der E-Mail-Adresse verwaltung@agmab. justiz.sachsen.de erreichbar. Beim Amtsgericht Aue-Bad Schlema und der Zweigstelle in Stollberg werden Besucher nur noch dann eingelassen, wenn sie zu einem Termin geladen sind. Ob überhaupt Verhandlungen stattfinden entscheidet der jeweils zuständige Richter oder Rechtspfleger im Einzelfall.

Der Zweckverband Abfallwirtschaft Südwestsachsen (ZAS) schließt zum Schutz seiner Kunden und seines Personal ab Freitag alle Wertstoffhöfe im Erzgebirgskreis bis auf Weiteres. An den Müllumladestationen in Annaberg, Aue und Niederdorf werden nur registrierte Gewerbetreibende nach Voranmeldung abgefertigt. Auch stationäre Schadstoffsammlungen entfallen laut ZAS.

 Zum Eindämmen des Corona-Virus sind alle Veranstaltungen und Kurse des Kulturbetriebs des Erzgebirgskreises bis vorerst 20. April abgesagt worden. Bereits erworbene Tickets können zurückgegeben werden. Der Kartenpreis wird erstattet. Formulare dafür sollen ab 1. April im Internet auf www.kultour-erz.de sowie auf der Internetseite der jeweiligen Einrichtung zu finden sein. Über Kurse wird laut Kulturbetrieb einzeln entschieden und das den Teilnehmern mitgeteilt.

Der Erzgebirgsverein verschiebt wegen der Corona-Krise die für April in Annaberg und Schneeberg geplanten 27. Erzgebirgischen Jugendkulturtage. "Wir übernehmen mit dieser Entscheidung Verantwortung für alle Heimatfreunde, vom Nachwuchs bis zu den Großeltern", so die 1. Bundesvorsitzende Gabriele Lorenz. Wenn möglich, sollen die Jugendkulturtage im Herbst nachgeholt werden.

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