Protestaktionen, Pfannenkuchen-Impfungen, geschlossene Schulen, überlastete Kliniken: Die Corona-Pandemie veränderte auch im Erzgebirge das Leben drastisch.
montage: Küttner/Dostmann/Hahn/FP
Auf Basis einer Allgemeinverfügung des Landes Sachsen infolge der Corona-Pandemie durften ab dem 19. März 2020 keine Spielplätze mehr für den Publikumsverkehr geöffnet werden. Das Foto entstand damals am abgesperrten Spielplatz im Buchholzer Waldschlößchenpark.
Bild: Annett Honscha
Ein Eindruck aus den ersten Wochen der Corona-Pandemie im März 2020. Plätze wie der Annaberger Markt waren an einem Wochenende mit Frühlingswetter menschenleer. Damals berichtete „Freie Presse“ online: „Das gleiche Bild zeigt sich in Aue auf dem Altmarkt, am Postplatz, an der Bahnhofsbrücke oder in Bad Schlema an der Bundesstraße 169, am geschlossenen Gesundheitsbad oder im Kurpark oder in Schneeberg am Markt.“
Bild: Annett Honscha
Ein Bild, das ebenfalls die Situation nach dem Lockdown prägte - entstanden im März 2020. Viele Erzgebirger starteten Hamsterkäufe, deckten sich beispielsweise mit Klopapier ein. Regale in den Supermärkten blieben leer.
Bild: Ronny Küttner/Archiv
Der Simmel-Markt in Aue verkaufte wegen der hohen Klopapier-Nachfrage im März 2020 XXL-Rollen aus der Gastro-Branche.
Bild: Ralf Wendland/Archiv
Party in Zeiten der Pandemie? Auch das gab es. DJ „RB10“ alias Robert Bär (l.) und Engel B alias Falk Engert wollten sich auch in Zeiten von Corona und Ausgangsbeschränkungen im März 2020 das Feiern nicht verbieten lassen. Beide hatten sich schon lange auf die Ü-30-Party in der „Goldnen Sonne“ in Schneeberg gefreut. Weil die Besucher nun nicht in das Kulturzentrum durften, kamen die beiden DJs einfach via Internet zu ihnen nach Hause und sorgten für Stimmung. Fast 10.000 Gäste waren nach Angaben der Veranstalter zugeschaltet.
Bild: Ralf Wendland/Archiv
Um die Osterzeit 2020 hatte Mark Schmidt aus Schlettau die Erzgebirger über Facebook aufgerufen, einen Schwibbogen ins Fenster zu stellen. Mit der Aktion sollte in der Coronazeit ein Zeichen der Zuversicht in die Region, in die Welt gesendet werden. Diese Nachricht im sozialen Netzwerk verbreitete sich schnell und binnen kurzer Zeit leuchtete das Erzgebirge mitten im Frühling ein Stück weihnachtlich.
Bild: Kristian Hahn
Mit leeren Stühlen und gedeckten Tischen machten Gastronomen und Hoteliers aus dem gesamten Erzgebirge am 24. April 2020 am Crottendorfer Räucherkerzenland auf ihre Notlage infolge der Corona-Krise aufmerksam. Mehr als 60 Unternehmen aus dieser Branche beteiligten sich an der Aktion – angelehnt an die Initiative „Leere Stühle“, die zuvor bereits in Dresden für Aufsehen gesorgt hatte. 300 leere Stühle und einige gedeckte Tische machten am Räucherkerzenland auf die prekäre Lage der betroffenen Betriebe aufmerksam.
Bild: Ronny Küttner/Archiv
Nach einer ähnlichen Aktion in Crottendorf „funkten“ am 1. Mai 2020 von Oberwiesenthal aus Gastronomen und Hoteliers SOS, um auf ihre wegen der Corona-Krise schwierige Lage aufmerksam zu machen. Unter dem Motto „Leere Stühle – Gastro braucht Hilfe“ waren rund 80 Betroffene an der Freilichtbühne dabei. 914 leere Stühle wurden aufgestellt.
Bild: Ronny Küttner/Archiv
„Night of Lights“ nannte sich im Juni 2020 eine Aktion, bei der verschiedene Gebäude bundesweit rot angestrahlt wurden. In Olbernhau waren dafür das Treibehaus im Areal der Saigerhütte, das städtische „Theater Variabel“ sowie die evangelisch-lutherische Stadtkirche ausgesucht worden. Die Lichtshow hatte einen ernsten Hintergrund. Veranstalter aller Bereiche wollten damit auf eine drohende Insolvenzgefahr für die gesamte Branche aufmerksam machen.
Bild: Kristian Hahn/Archiv
Corona machte auch vor jahrhundertealten Traditionen nicht halt. Trotzdem feierten die Schneeberger ihren Bergstreittag im Juli 2020 - allerdings ohne Bergparade und Markttreiben. Der Berggottesdienst in der St.-Wolfgangs-Kirche (Foto) konnte derweil stattfinden, wobei das Gotteshaus für die Öffentlichkeit geschlossen blieb. Zu sehen gab es den Gottesdienst im Nachgang unter anderem im Internet.
Bild: Ralf Wendland/Archiv
Krisenbesuch auf der Corona-Station: Im Dezember 2020 machte sich Ministerpräsident Michael Kretschmer (Foto l.) selbst ein Bild von der Lage im Helios-Klinikum in Aue. Damals meldete das Robert-Koch-Institut hohe Infektionszahlen und fast alle Intensivbetten in der Region waren belegt. Der Klinik-Geschäftsführer berichtete, dass seine Mitarbeiter körperlich und mental an der Grenze der Belastbarkeit angelangt seien, sie am und teils über dem Limit arbeiteten. Unterstützt wurde das Haus damals von der Bundeswehr, vor allem mit Hilfstätigkeiten. Nach dem Besuch appellierten Kretschmer und Landrat Frank Vogel in einer Pressekonferenz an die Menschen, sich endlich an die Corona-Regeln zu halten. Der Landrat äußerte den Verdacht, dass viele bei der Kontakt-Nachverfolgung mogeln würden.
Bild: Georg Dostmann/Archiv
Viel Kritik musste während der Corona-Pandemie auch der damalige Erzgebirgs-Landrat Frank Vogel aushalten. Kritisiert wurde er, weil er eine Corona-Impfung erhielt, ohne in die Prioritätengruppe zu fallen. Mitte Dezember 2020 hatte er zudem bei einer Pressekonferenz im Auer Krankenhaus unterstellt, dass so mancher Erzgebirger „schwindelt“. Eine Aussage in Bezug auf die Kontakte-Nachverfolgung, mit der Vogel bewusst provozieren wollte, wie er später selbst sagte. „Ich war enttäuscht, dass manche immer noch nicht den Ernst der Lage erkennen. Und ich wollte aufrütteln“, so Vogel in einem damaligen Interview. Aus dem Ausspruch „Man schwindelt“ entstand kurz danach sogar eine Art Lied.
Bild: Ronny Küttner/Archiv
Eine verrückt anmutende Aktion ersannen Jörg Heinicke und seine Schwester: Gefilmt von Andrea Heinicke, brach der Hobbymusiker am vierten Advent 2020 zu einer Ein-Mann-Bergparade durch Annaberg-Buchholz auf. Allein lief er die bekannte Runde durch die wegen der Corona-Einschränkungen fast menschenleere Stadt. Im Habit, aber mit Maske. Dazu begleitete er sich auf dem Akkordeon. „Es war eine komische Zeit. Ich bin es nicht gewohnt gewesen, im Advent zu Hause zu hocken. Man hat viel Online-Blödsinn gemacht. Irgendwann sagte ich zu meiner Schwester Andrea: Wir machen morgen Bergparade. Du filmst, ich laufe“, erklärte Heinicke. Sein Alleingang sei allerdings sehr merkwürdig gewesen. „Ich hatte die ganze Zeit einen Kloß im Hals.“
Bild: Screenshot/Andrea Heinicke
Am 11. Januar 2021 nahm in der Festhalle Annaberg-Buchholz das einzige Impfzentrum im Erzgebirgskreis seine Arbeit auf. Betrieben wurde es vom DRK Aue-Schwarzenberg. Es war eines von 13 sächsischen Impfzentren. Ende September wurde das Impfen in der Festhalle eingestellt. Laut DRK sind rund 89.555 Impfungen im Annaberger Impfzentrum verabreicht worden. Selten ist über eine medizinische Einrichtung binnen weniger Monate so konträr diskutiert worden: So dauerte es anfangs vielen zu lange. Zum Ende hin gab es von Gegnern heftige Drohungen und Schmierereien. Sogar als Mörder wurden die Helfer beschimpft.
Bild: Ronny Küttner/Archiv
Eine besondere Aktion ließ sich im Februar 2021 die Bäckerei Bretschneider in Beierfeld einfallen: Sie nahm einen Pfannkuchen „mit Corona-Impfung“ in den Verkauf. Die Krapfen waren dabei ungefüllt. Und jeder Kunde erhielt eine Spritze mit Marmelade, Eierlikör, Weinbrand oder auch Schwarzwälder Kirschwasser gefüllt. Zuhause konnte diese dann selbst in den Pfannkuchen gespritzt werden. Mit der Aktion wollte die Bäckerei in einer schwierigen Zeit für etwas Humor sorgen.
Bild: Georg Dostmann/Archiv
Februar 2021: Das traditionelle „Licht aus“ an Lichtmess ließen sich die Zwönitzer trotz Corona nicht nehmen. Da es keine Veranstaltung mit Besuchern auf dem Markt geben konnte, wurde ein Live-Stream im Internet angeboten. Dort konnten die Zuschauer sehen, wie Bürgermeister Wolfgang Triebert (links) zusammen mit Nachtwächter Werner Störzel eine letzte Runde über den weihnachtlich beleuchteten Markt ging und pünktlich 18 Uhr alle Lichter erloschen. Auf das traditionelle Lichtmess-Essen mussten die Zwönitzer übrigens nicht verzichten. Die Gastronomen hatten Hirsebrei und Bratwurst zum Mitnehmen angeboten und stellenweise sogar ausgeliefert.
Bild: Ralf Wendland/Archiv
2021 wurden die Corona-Schnelltests eingeführt. Sie ermöglichten eine schnellere Diagnose im Vergleich zu herkömmlichen PCR-Tests. Wie im Bild im Bürgerzentrum des DRK in Marienberg vom März 2021 war der Andrang oft groß. Einen negativen Schnelltest benötigte man in verschiedenen Situationen, etwa zum Reisen oder für den Besuch von Veranstaltungen. Später kamen Schnelltests auf den Markt, mit denen sich jeder bequem zu Hause kontrollieren konnte.
Bild: Kristian Hahn/Archiv
Mehrfach wurden während der Pandemie die Schulen dicht gemacht. Mittels der Lernplattform „Lernsax“ waren die Lehrer angehalten, die Schüler per Internet zu unterrichten. Das funktionierte mangels Breitbandausbau gerade im ländlichen Bereich nicht immer ohne Probleme. Darüber hinaus gingen den Kindern und Jugendlichen die sozialen Kontakte verloren. Das Foto entstand im April 2021.
Bild: Kristian Hahn/Archiv
Sieht der Erdball nicht aus wie ...? Dem weltweiten Thema Corona stellte sich der bekannte Karikaturist Ralf Alex Fichtner auch mit dieser Zeichnung, die im Juni 2021 in der „Freien Presse“ zu sehen war.
Zeichnung: Ralf Alex Fichtner/Archiv
Corona-Impfung durchs Wagenfenster: Ein erster „Drive-Impf“ fand nach Schließung der Impfzentren im Oktober 2021 in Aue am Simmel-Center statt. Scheibe runter, kurzer Papierkrieg, Aufklärung durch eine freundliche DRK-Mitarbeiterin, Arm freimachen, Spritze rein, auschecken - das kam an. Viele Bürger machten von dem Angebot Gebrauch. Der „Drive-Impf“ war eine Premiere für Sachsen. Dass der Start im Erzgebirge erfolgte, kam nicht von ungefähr. Mit einer Impfquote von damals etwas mehr als 40 Prozent war der Erzgebirgskreis Schlusslicht in Sachsen.
Bild: Niko Mutschmann/Archiv
Vielerorts kam es auch zu unangemeldeten Demonstrationen gegen die Corona-Politik, so wie in Zwönitz - das Foto zeigt einen Protest im Oktober 2021. Bei den montäglichen „Spaziergängen“ in der Stadt waren immer wieder Rechtsextreme dabei, ohne dass es groß störte. Mal kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, meist schauten die Beamten dem Treiben zu.
Bild: André März/Archiv
Im November 2021 führte das Infektionsgeschehen in den Häusern des Erzgebirgsklinikums zu einem massiven Zulauf an Corona-Patienten. Die acht Intensivbetten im Zschopauer Krankenhaus waren fast alle mit Menschen belegt, die beatmet wurden. Auf dem Gang der Intensivtherapiestation bereiteten sich Oberärztin Dr. Barbara Atmanspacher (vorn) und Pflegerinnen darauf vor, einen beatmeten, auf dem Bauch liegenden Patienten zu drehen.
Bild: Mike Baldauf/Archiv