Wegen Corona-Impfung: Ermittlungen gegen Erzgebirgs-Landrat Frank Vogel

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Entgegen der geltenden Impfreihenfolge hat sich der Landrat des Erzgebirgskreises, Frank Vogel, vorzeitig gegen das Virus impfen lassen. Jetzt ermittelt die Justiz.

Annaberg-Buchholz/Chemnitz (dpa/sn) - Die vorzeitige Corona-Impfung von Erzgebirgs-Landrat Frank Vogel (CDU) ist nun ein Fall für die Justiz. Es sei ein Strafverfahren zu dieser Sache anhängig, sagte Oberstaatsanwältin Ingrid Burghart am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Chemnitz. Ermittelt werde wegen Vorteilsannahme. Im Februar war bekannt geworden, dass Vogel eine Impfung erhalten hatte, obwohl er nicht zur Bevölkerungsgruppe mit der höchsten Priorität gehört.

 

«Ich habe nicht proaktiv agiert und eine Impfung gefordert», hatte der CDU-Politiker dazu erklärt. Vielmehr habe er Mitte Januar aus dem Impfzentrum die Anfrage erhalten, ob er seine nichtmobilen Eltern, beide über 80 Jahre alt und zur Risikogruppe 1 gehörend, zur Impfung begleite. Vor Ort sei er dann angesprochen worden, dass auch er geimpft werden könne, was er angenommen habe. «Das war ein Fehler, für den ich mich entschuldige», hatte Vogel betont.

Auch in anderen Bundesländern waren Kommunalpolitiker vorzeitig geimpft worden, was scharfe Kritik hervorgerufen hat. So waren etwa in Halle (Sachsen-Anhalt) Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) sowie mehrere Stadträte und Mitglieder des Katastrophenstabes geimpft worden, obwohl sie noch nicht an der Reihe waren. Wiegand hatte seine Impfung erst Wochen später öffentlich gemacht. Mehrere Stadträte hatten daraufhin seine Suspendierung gefordert, eine Sondersitzung des Stadtrates zu der Impfaffäre war vor wenigen Tagen jedoch geplatzt.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
44 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    1
    Tauchsieder
    18.03.2021

    Schade nur, dass zur Zeit keine Landratswahlen anstehen, der Bürger vergisst leider zu schnell wie er von diesem Herrn betitelt wurde. Hier käme nur eine Konsequenz in Frage - Rücktritt!
    Aber, wie eingangs erwähnt, spielt dieser Herr mit dem Kalkül, dass die Leute sehr vergesslich sind. Wie es gehen kann sieht man im Bundestag. Aus meiner Sicht ist dies ein parteischädigendes Verhalten, hier könnte Kretzschmer/CDU die Reißleine ziehen, er muss nur wollen.

  • 10
    4
    friedmut
    17.03.2021

    Ich finde es verwerflich, dass er wenige Wochen zuvor den Erzgebirgern pauschal Lüge vorgeworfen hat. Und dann erzählt er innerhalb von 24 Stunden öffentlich zwei verschiedene Versionen. Frei nach dem Motto "Was ich selber denk und zu, das trau ich auch den andern zu."
    Man sollte auch nicht vergessen, dass er eine Behörde leitet, die dem Bürger Strafen verteilt, wenn er sich nicht an Regeln hält. Seine Integrität ist durch diesen Fehler dauerhaft erschüttert.

  • 17
    6
    Riesenberger
    17.03.2021

    Der Landrat hat einem mehr gefährdeten Menschen die Impfung weggenommen. Darum herumzureden und irgendwelche Ausreden zu erfinden, führt meines Erachtens nicht weiter. Ob das vorsätzlich oder fahrlässig war, mag die Staatsanwaltschaft prüfen. Dumm war es auf jeden Fall.

    Wenn man die Halleschen Maßstäbe anlegen würde, kann es für Frank Vogel eigentlich kein Pardon geben. Allerdings ist er nicht parteilos, sondern Mitglied der CDU. Vielleicht schützt ihn das. Vielleicht - gerade wegen der ach so bemühten Ehrlichkeitsoffensive - kostet ihm das aber auch den Job. Am Ende ist es egal: Vogel hat ausgesorgt und fiele weich. Anders als manche Mitbürger, deren Karriere wegen viel weniger vorbei war. Die Supermarktkassiererin mit den beiden Pfandbons, beispielsweise.

  • 16
    9
    440214
    17.03.2021

    Wir haben nichts besseres zu tun.