Wie Erzgebirger in der Welt den Advent feiern

Schwibbögen, Männel und Stollen gehören für viele Erzgebirger zur Vorweihnachtszeit dazu. Doch an welchen Traditionen halten Menschen, die nicht mehr in der Region wohnen, fest?

Annaberg-Buchholz.

Das Erzgebirge ist das Weihnachtsland schlechthin. Wie feiern Menschen, die fern der Heimat leben, Advent? Welche Traditionen spielen bei ihnen noch eine Rolle? Auf einen Aufruf unter unseren 13.500 Facebook-Fans haben sich zahlreiche Erzgebirger aus aller Welt gemeldet und Fotos geschickt. Hier eine Auswahl.


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"Besonders in der Weihnachtszeit ist es schwierig, kein Heimweh zu haben"

Das Haus von Anke Mann sticht in der Nachbarschaft heraus. Seit 20 Jahren wohnt die gebürtigen Thalheimerin in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington D.C. Ringsum sind die Häuser von oben bis unten mit Lichtern dekoriert. "Besonders ein Haus in unserer Nachbarschaft sieht dieses Jahr aus wie eine Leuchtwerbung in Las Vegas mit Lichtern in allen Farben, die blinken, was das Zeug hält", berichtet sie. Bei Anke Mann stehen Schwibbögen in den Fenstern. Als die Kinder noch kleiner waren, hätten sie öfters mal gefragt, ob sie nicht auch bunte Lichter draußen aufhängen könnten. Aber mittlerweile freuen sich alle in der Familie darauf, wenn am ersten Advent die Männeln rausgeholt werden, der Schwibbogen ins Fenster gestellt wird, "und es naabelt, bis die Räucherkerzen alle sind", so Anke Mann. Das Gute am Leben in den Metropolen in den USA sei, dass jeder woanders herkomme und die verschiedenen Bräuche toleriert werden.


Viele Grüße aus Kanada ...

... sendet Danilo Mueller mit diesem Foto.


Weihnachten nach Erzgebirgsart begeistert in Berlin

"Weihnachten wird immer in Erzgebirgsart gefeiert und wir konnten damit schon viele Leute begeistern", berichtet Andrea Dossler. Sie ist in Auerbach aufgewachsen und lebt nun in Berlin. Dort gibt es am Weihnachtsabend nur Kartoffelsalat und Würstchen, berichtet sie. "Das ist mir als Erzgebirgerin einfach zu fade." In ihrer Familie richtet immer jemand anderes einen Feiertag aus, und so lud sie in einem Jahr zu sich ein. Die ganze Familie kam, insgesamt 18 Personen aus Berlin, dem Erzgebirge und Thüringen. "Also habe ich den Tisch festlich gedeckt, alles in Rot, jeder hatte an seinem Platz seine eigene Kerze und ein kleines Geschenk." Zu essen gab es Pilzsuppe, dann Bratwurst mit Sauerkraut und Kartoffeln und zum Nachtisch frischen Obstsalat. Außerdem gab es zum Hauptgericht eine Scheibe Brot. Das steht beim Neinerlaa dafür, dass man immer Brot haben möge. Mittags gibt es Heiligabend Linsen, damit das Geld nicht ausgeht. "Alle waren begeistert und wenn wir in Erinnerungen schwelgen, erinnert sich auch meine Verwandtschaft immer noch gern daran", resümiert die gebürtige Stollbergerin.


Schwibbogen in Schweden

Auch im nordschwedischen Västranorrland hält Frank Richter an den Traditionen fest. "Dank Post von Eltern und Freunden kommen wir in den Genuss von Christstollen, Glühwein und den Geruch von Räucherkerzen... Draußen und drinnen werden die vielen Sachen aus der Heimat hingestellt. Dazwischen stehen dann auch schon mal typische Sachen aus Schweden. Wir backen in der Adventszeit zusammen die typische Weihnachtsplätzchen von daheim aber eben auch von hier. Glühwein trinken wir neben den hiesigen Glögg am Lagerfeuer. Auch beim Essen versuchen wir beide Traditionen zu integrieren, weil wir zwar unsere deutschen Traditionen pflegen wollen aber inzwischen Schweden unsere neue Heimat geworden ist."


Nach Thanksgiving werden die Mannln rausgeholt

Dekoriert wird nach Thanksgiving, schreibt Diana Thompson aus Clayton, North Carolina, USA. Am Tag nach Thanksgiving, was am vergangenen Donnerstag gefeiert wurde, werden die Mannln vom Boden geholt und aufgestellt, damit am 1. Advent alles geschmückt ist. "Hutznnachmittage gibts hier nicht, aber es werden Plätzchen gebacken, dazu raacherts Raachermannl und es wird Weihnachtsmusik gehört." Heiligabend gibt es bei Diana Thompson immer ein kleines Neinerlaa.


Liebste weihnachtliche Grüsse aus der Schweiz...

...schickt die gebürtige Annaberg-Buchholzerin Alina Küchler und schreibt dazu: "Das "Männln aufwecken" ist für mich immer schön. Während ich umdekoriere, lasse ich schöne erzgebirgische Weihnachtslieder laufen. Jederzeit zieht ein toller Räucherkerzchengeruch durch die Wohnung. Natürlich gehört auch immer Stollen zur Weihnachtszeit dazu, der zumeist am 1.Advent angeschnitten wird."


Omis bleiben stehen und staunen

Die erzgebirgische Weihnacht hat Sandra Wöhner ins oberfränkische Lichtenfels gebracht. In jedem Fenster der gebürtigen Johanngeorgenstädterin steht ein Schwibbogen und die Räucheröfen und Männel räuchern. "Mein Mann liebt diese Tradition und hat mächtig Spaß dabei, die Wohnung einzunebeln. Aber mir persönlich gefällt es am besten, wenn die Omis der Nachbarschaft vor den Fenstern stehen bleiben und sagen: 'Das ist so schön, Weihnachten im Erzgebirge möchten wir auch noch mal erleben.'" (sane)

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