Kurzes Flackern im Stromnetz wird vielerorts zur Zitterpartie

Ein technischer Fehler im Umspannwerk im mittelsächsischen Niederwiesa ging auch an vielen Stromkunden im Erzgebirgskreis nicht spurlos vorüber. In einem Ort kam sogar das Kirchengeläut außer Takt. Auch die Website der "Freien Presse" war bis zum Abend lahm gelegt.

Erzgebirge. Um die gestrige Mittagszeit geriet einiges im Erzgebirgskreis außer Lot: In Firmen, bei Banken und in heimischen Küchen flackerten urplötzlich die Lampen an der Decke, Computer schmierten ab, technische Geräte versagten ihren Dienst. In Waldkirchen wunderten sich die Einwohner, dass die Kirchenglocken länger als sonst läuteten. Was war passiert?

Die "Freie Presse"-Nachfrage beim Energieversorger Envia M brachte Aufklärung: Grund des Stromausfalls war ein fehlerhaftes Bauteil im Umspannwerk Niederwiesa, erklärte Unternehmens-Sprecherin Evelyn Zaruba. Dadurch habe es im Hochspannungsnetz Südsachsen, das ist laut Zaruba die gesamte Region zwischen Annaberg-Buchholz und Limbach-Oberfrohna, Spannungseinbrüche gegeben. Spürbar seien diese durch kurzzeitiges Flackern des Lichtes gewesen. Der Fehler sei konkret 12.06 Uhr aufgetreten. Spannungsstörungen seien aber noch rund 30 Minuten danach feststellbar gewesen, so Zaruba.


Mit den Auswirkungen hatten Kunden in der Region aber länger zu kämpfen. Erst nach anderthalb Stunden lief in der Waldkirchener Rolle-Mühle die Produktion wieder an. So war durch den Stromausfall unter anderem die Computer-Anlage abgeschmiert, mit der die Getreidemischung gesteuert wird. "Dann funktioniert nichts mehr", so Juniorchefin Anne Rolle-Baldauf. Auch mit der Warenabnahme habe es deshalb Probleme.

Bei der Firma Grünperga Papier in Grünhainichen konnten die Maschinen erst nach zwei Stunden Stillstand wieder flott gemacht werden. "Wir mussten zuerst unsere Rohrleitungen auswaschen und das Heizkraftwerk wieder in Betrieb nehmen", berichtete Geschäftsführer Ulf Ender. Durch den Produktionsausfall seien dem Unternehmen mindestens 4000 Euro Schaden entstanden. Ein elektronisches Bauteil eines Rollenschneiders wurde möglicherweise beschädigt, sodass Folgekosten nicht ausgeschlossen sind. Glücklicherweiseseien aber die Aufträge durch den kurzen Stillstand nicht in Gefahr geraten.

Im Drogeriemarkt Rossmann in Zschopau fiel der Strom zwar nur kurz aus, doch schalteten sich zunächst die Kassen aus. Schwer betroffen war auch die Commerzbank in Zschopau. "Seit dem Mittag geht hier nichts mehr. Die Server sind ausgefallen. Wir können uns an den Computern nicht mehr anmelden", sagte Filialleiter Nico Richter. Auch die Bankautomaten streikten. Eine Kundin musste unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Kaum Auswirkungen hatte der Blackout unterdessen auf das Krankenhaus Zschopau. Die Klinik verfügt über vier Sicherungssysteme, mit deren Hilfe beim Stromausfall das gesamte Haus mit Energie versorgt wird. Das sind ein Blockheizkraftwerk sowie diesel- und batteriebetriebene Notstromaggregate. Die Server sind mit eigenen Batterien für den Notfall ausgestattet. "Unsere Patienten befinden sich in Sicherheit", konstatierte Knut Hinkel, der Geschäftsführer des Krankenhauses.

Auch in den Rathäusern der Region gab es kurzzeitig Stromausfälle. "Kurz nach 12 Uhr gingen die Computer im Bauamt aus", so Manuela Arnold, Rathausmitarbeiterin in Amtsberg. Im Rathaus Gelenau liefen zwar die Computer normal, aber die Internetverbindung war kurzzeitig unterbrochen, sagte Andrea Scheidhauer, Mitarbeiterin im Hauptamt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...