Austel-Villa in Zwönitz: Jetzt wird es im Erzgebirge japanisch

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In der Austel-Villa in Zwönitz gibt eine Ausstellung einen einmaligen Einblick in die japanische Kultur. Dabei spielt auch der bekannte Sammler Bruno Gebhardt eine große Rolle.

Zwönitz.

Die neue Sonderausstellung in der Austel-Villa in Zwönitz wird wahrlich exotisch. Ganz in der Tradition des bekannten Sammlers Bruno Gebhardt (1884 - 1975) hat sich das Museum ein Stück japanische Geschichte in die Bergstadt geholt. Statt Klöppelspitze und Schnitzerei werden seidene Gewänder, kunstvolles Rüstungsmacherhandwerk und außergewöhnliche Accessoires gezeigt. "Kimono vs. Samurai-Rüstung - die Kunst des Ankleidens im Land der Kirschblüte", heißt die Schau, die bis zum 29. April samstags von 13 bis 17 Uhr geöffnet ist.

Ausgangpunkt für die Sonderschau waren zwei Kostbarkeiten aus der Raritätensammlung von Bruno Gebhardt. "Wir wollten die beiden Samurai-Rüstungen besonders hervorheben", erklärt Museumsleiterin Paula Stötzer. Die beiden Exponate geben dem Museum einige Rätsel auf, wie zum Beispiel die Frage nach ihrem Alter. "Denn die Samurai-Rüstungen diesen Typs haben sich in ihrem Aufbau über die Jahrhunderte kaum verändert", erläutert Paula Stötzer. Mit Sicherheit könne jedoch gesagt werden, dass eine Rüstung tatsächlich getragen wurde, während die andere eher der Repräsentation diente.

Bruno Gebhardt hatte die Rüstungen Anfang des 20. Jahrhunderts über eine Auktion ersteigert. Es überrascht nicht, dass der Sammler, der bereits eine stattliche Waffensammlung sein eigen nannte, kaum eine Anstrengung scheute, seine Bestände um japanische Rüstungen und Waffen zu ergänzen. Diese galten schließlich als Königsklasse des Rüstungsmacherhandwerks.

Gebhardt war nicht nur ein begeisterter Sammler, sondern auch Schnitzer. Deshalb dürften ihn auch die kunstvoll gestalteten Ausstellungsstücke aus Japan begeistern, mit der seine Samurai-Rüstungen in Kontext gesetzt werden. Dies sind rund 45 hochwertige Leihgaben von Peter Zimmermann aus Ahrensburg. Durch ihre persönlichen Kontakte holte die Museumsleiterin diesen Teil seiner Sammlung aus Schleswig-Holstein nach Zwönitz. Es sind kunstvolle und raffinierte Accessoires, die vom Reisespiegel bis zur Kampfpfeife reichen und Einblicke in die Welt der Geishas und Samurai gewähren.

Denn die traditionelle japanische Kleidung kennt weder Taschen noch Haken, Ösen oder Knöpfe. Dafür werden an dem mehrfach umgebundenen Stoffgürtel, dem Obi, herabhängende Dinge befestigt. Es sind Sachen des täglichen Bedarfs wie Tabakbeutel, Pillendose oder Schreibzeug, die an einer Kordel hängen und mit einem Knebel gegen das Durchrutschen durch den Gürtel gesichert sind. Diese praktische Erfindung kam über mongolische Reitervölker erst in den chinesischen Raum und dann durch Handelsbeziehungen vor 400 Jahren nach Japan. Die herabhängenden Dinge und deren Sicherung wurden oft kunstvoll verziert, denn das Tragen von Schmuckstücken war den Samurai-Kriegern verboten. Damit nutzen sie die Möglichkeit einer prestigeträchtigen Zier. Im Gegenzug schmückten sich die Frauen mit einem breiten, detailreich besticken Obi, der die Figur betonte.

Zur Sonderausstellung gibt es einen Begleitband, in dem die Besucher weitere Informationen zu den Exponaten finden. Für Paula Stötzer ist die Schau eine Chance, den Erzgebirgern eine fremde Kultur vorzustellen. "Wir hoffen, dass wir mit unseren Gästen die Freude an diesen exotischen Ausstellungsstücken teilen können, so wie das sicher auch Bruno Gebhardt erfreut hätte", wünscht sich die Museumsleiterin Paula Stötzer.

Die Sonderschau kann wie die Raritätensammlung jeden Samstag von 13 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung in der Austel-Villa besichtigt werden. Anfragen oder Anmeldung unter Telefon 037754 2323.

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