Glückwunsch mit Wermutstropfen

Elf Unis und Universitätsverbünde werden künftig besonders gefördert. Die TU Dresden gehört weiterhin zu den deutschen Exzellenzunis. Kritik am Programm kommt von Gewerkschaft und Studentenvertretern.

Vor 18 Jahren sorgte ein Werbeslogan für Aufregung. Einer der beliebtesten Schokoriegel der Deutschen wurde umbenannt: "Raider heißt jetzt Twixx, sonst ändert sich nix." Gemünzt auf die deutsche Hochschullandschaft, könnte man seit Freitag sagen: "Die Exzellenzinitiative heißt jetzt Exzellenzstrategie - und es ändert sich viel, sehr viel sogar."

Die Entscheidung für die elf Spitzenuniversitäten ist auch deswegen so wichtig, weil sie die Hochschullandschaft für lange Zeit prägen wird. Wer jetzt Elite-Uni geworden ist, behält den Status für sieben Jahre und wahrscheinlich auch darüber hinaus. 2026 findet zwar eine Evaluation statt, aber ein Abstieg ist nur noch möglich, wenn die Hochschule ihre Qualität nachweislich nicht halten konnte.

Die Argumente des Für und Wider sind zur Genüge ausgetauscht. Kritiker bemängeln die endgültige Zementierung einer Zwei-Klassen-Hochschullandschaft, für die anderen stehen die Planungssicherheit und die eindeutig besseren Karten bei der Anwerbung von Top-Forschern aus der ganzen Welt im Vordergrund.

Mit der Spitze der Welt mitzuhalten, bleibt wohl dennoch illusorisch. Harvard und Stanford zum Beispiel haben 150 Jahre gebraucht, um die Besten zu werden. Und sie hatten auch viel mehr Geld zur Verfügung. Die deutsche Hochschullandschaft hatte schon immer ihre Stärke in der Breite. Viele Universitäten haben in der Vergangenheit tolle Forschung abgeliefert - und tun dies noch heute.

19 Bewerbungen zur Exzellenz-Universität gab es insgesamt in der Endrunde, allein sechs davon aus Baden-Württemberg und fünf aus Nordrhein-Westfalen. Die TU Dresden ist als einzige in einem ostdeutschen Flächenland bis ins Finale vorgedrungen. Und sie hat es geschafft. Glückwunsch. Es ist ein wichtiges Signal für ganz Sachsen.

Aber Chemnitz, Leipzig, Halle, die Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder), Jena und andere Hochschulen im Osten sind leer ausgegangen. Eine Offensive im Bildungsbereich sähe anders aus. Wer den Osten wirklich voranbringen will, der sollte gerade bei den Hochschulen mehrere "Leuchttürme" schaffen. Die weitere Ansiedlung von Hightech-Unternehmen - nicht nur in Dresden - hängt auch von Spitzenwissenschaft vor Ort ab.

Zwar können alle Hochschulen noch auf Fördergelder für bestimmte Programme und Cluster hoffen, aber dennoch wird die deutsche Hochschullandschaft generell im Laufe der Jahre eine gewisse Unwucht bekommen. Denn die Exzellenzstrategie setzt vor allem auf größere Unis im Westen. Die TU Chemnitz zählt mit ihren derzeit etwa 11.500 Studierenden schon zu den kleineren Unis. Die, so steht zu befürchten, werden immer weniger vom staatlichen Förderkuchen abbekommen, denn die Konkurrenz ist groß. Und in Bezug auf die Exzellenzunis gilt seit Freitag offenbar das berühmte Sprichwort vom Teufel und dem größten Haufen.

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