Betrug: Wenn der falsche Enkel anruft

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Zwölf Wochen war das Präventionsmobil der Polizei unterwegs. Am letzten Aktionstag in Mittelsachsen ging es um den zuletzt immer häufiger vorkommenden "Enkeltrick".

Erdmannsdorf/Chemnitz.

Berthold Reißig wollte nur im Laden Pfandflaschen abgeben. Aber dann war er doch neugierig, was die Beamten am Polizeitransporter zu sagen hatten. Am Donnerstagmorgen hatte das Team der Polizeidirektion Chemnitz an der Erdmannsdorfer Rittergasse Station gemacht. "Ich habe ein Eigenheim in Erdmannsdorf und auch schon einiges unternommen, um es gegen Einbruch zu sichern", erzählt der 69-Jährige. Jetzt wolle er mehr tun.

42 Stationen im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Chemnitz (Mittelsachsen, Erzgebirgskreis, Stadt Chemnitz) haben die Beamten auf ihrer diesjährigen Präventionstour abgeklappert. Am Donnerstag folgten der Oederaner Ortsteil Gahlenz sowie Bräunsdorf bei Oberschöna, am heutigen Freitag ist der Abschluss in Chemnitz. Insgesamt haben die Beamten nach eigenen Angaben fast 1000 Beratungsgespräche geführt, meist mit Senioren. Mehr als zwei Drittel der Gespräche drehten sich um Einbrüche, ein gutes Fünftel um Betrügereien wie den Enkeltrick.

Immer wieder geben Betrüger sich am Telefon als in Not geratener Enkel aus und bitten um eine größere Summe Bargeld. Im Jahr 2020 wurden im Bereich der Polizeidirektion 13 solche Fälle angezeigt, drei davon waren erfolgreich. 2019 wurden sogar 18 Fälle bekannt (zwei erfolgreich), im Jahr 2018 gab es nur fünf erfolglose Versuche. Für das laufende Jahr lasse sich eine steigende Tendenz feststellen. "Diese Fälle nehmen wellenförmig zu und ab", sagte Jana Kindt von der Polizei. Die Täter seien geschult. Oft beginne ein Anruf mit "Hallo Oma, rate mal, wer ich bin!" So müsse der Betrüger seinen Namen nicht nennen. Er gaukle eine Notlage vor und schicke einen angeblichen Freund, um Bargeld abzuholen.

Kindt erklärte, wie man reagieren sollte: "Den Anrufer nach seiner Nummer fragen und das Gespräch beenden. Dann den echten Enkel anrufen." Auch die Angehörigen sollten das Thema ansprechen. Die Mitarbeiter der Sparkasse Mittelsachsen, die mit ihrem Filialmobil ebenfalls vor Ort war, sind sensibilisiert. Abteilungsdirektor Klaus Borrmann sagte: "Wenn wir den Eindruck haben, dass jemand einen Betrag abheben will, der nicht zu seinem wirtschaftlichen Hintergrund passt, werden wir hellhörig." Man rate dann, Angehörige oder die Polizei zu verständigen.

Neben Trickbetrug ist für viele Bürger der Schutz vor Einbrüchen das Thema Nummer 1. Im Jahr 2020 meldete die Polizeidirektion Chemnitz 120 Wohnungseinbrüche; etwas weniger als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote lag bei knapp 27 Prozent. Uwe Nerger vom Beratungsteam betonte, dass fast die Hälfte durch Prävention verhindert werden könnte: "Leider kommen die Menschen oft erst, wenn es schon zu spät ist."


Tipps für Hausbesitzer

Die Polizei kommt auf Wunsch ins Haus, um Eigenheimbesitzer zum Einbruchsschutz zu beraten. Das dauert etwa eine Stunde und ist kostenlos.

Terminvereinbarungen sind unter Ruf 0371 3872990 oder per E-Mail beratungsstelle.pd-c@polizei.sachsen.de möglich.

Folgende Punkte sollten Eigentümer in Betracht ziehen:

1. Einbruchshemmende Beschläge an den leicht erreichbaren Fenstern, verriegelbare Fenster

2. Einbruchshemmende Beschläge an den Dachfenstern

3. Gitter an Fenstern von Kammer, WC

4. Stabile Gitter an Lichtschächten

5. Sicherung von Lichtkuppeln

6. Sicherung von Rollläden

7. Haustür: einbruchshemmender Zylinder am Schloss, Mehrfachverriegelung, mindestens zweimal abschließen

8. Beleuchtung und Mehrfachverriegelung von Keller- und Nebentüren

9. Alarmanlage bei Einbruch oder zum Selbstauslösen

10. "Kletterhilfen" wie Leiter, Mülltonnen sollten nicht zugänglich sein

11. Abschreckende Außenbeleuchtung

12. Kontakt zu aufmerksamen Nachbarn. (eva)

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