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Der Weg zum Zahnarzt wird weiter: In Flöha schließt die nächste Praxis

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Die Zahnarztpraxis von Silvia Friedrich und Ilona Hey schließt zum Monatsende. Es ist die zweite Praxis innerhalb eines Jahres in Flöha. Für Patienten wird es schwierig, einen Zahnarzt zu finden.

Flöha.

Das Ziel war lange in Sicht, aber die letzten Meter sind dann doch eher Endspurt als lockeres Auslaufen: Die Zahnarztpraxis von Silvia Friedrich und Ilona Hey schließt zum Monatsende. Am kommenden Mittwoch ist zum letzten Mal Sprechstunde in der Gemeinschaftspraxis an der Augustusburger Straße. Die letzten Wochen waren noch einmal besonders herausfordernd, sagt Silvia Friedrich. Neben einem randvollen Terminkalender gab es Abschiedsbesuche, und die Abwicklung der Praxis muss auch schon vorbereitet werden.

1991 haben die beiden Zahnärztinnen ihre Gemeinschaftspraxis in Flöha gegründet, nun endet der gemeinsame Weg. Den Entschluss dafür haben die Medizinerinnen schon vor gut einem Jahr gefasst, sagt Silvia Friedrich. Beide haben das reguläre Renteneintrittsalter bereits überschritten. Ilona Hey hat zuletzt in Teilzeit praktiziert. „Irgendwann kommt der Zeitpunkt für den Schlussstrich“, sagt Silvia Friedrich.

Die Anzahl der Patientinnen und Patienten dürfte um die tausend betragen, schätzt sie. Die meisten kommen aus Flöha und Umgebung, manche auch von weiter her. Dem Zahnarzt bleibt man, wenn möglich, lebenslang treu, heißt es. Doch jetzt müssen sich die Patienten der Gemeinschaftspraxis einen neuen Zahnarzt suchen. Und das wird eine große Herausforderung. Denn mit der Praxis von Silvia Friedrich und Ilona Hey schließt bereits die zweite zahnärztliche Gemeinschaftspraxis in Flöha innerhalb eines Jahres.

Zahnarztvereinigungen in Ostdeutschland warnen vor Versorgungskollaps

Vor einem Jahr musste die Praxis von Birgit Korb und Petra Klemm im Ärztehaus schließen, nachdem Birgit Korb überraschend gestorben war. Lange hatte Petra Klemm, die gesundheitsbedingt auch schon im Ruhestand war, versucht, eine Nachfolge zu finden. Doch alle Versuche scheiterten. Ende September vorigen Jahres wurde diese Praxis endgültig geschlossen.

Einige der Patientinnen und Patienten wurden von Silvia Friedrich und Ilona Hey weiterbehandelt. „Aber wir haben darauf hingewiesen, dass auch wir schließen werden“, sagt Silvia Friedrich. Sie weiß, dass es für alle Patienten der Gemeinschaftspraxis schwierig werden wird, einen neuen Zahnarzt oder eine neue Zahnärztin zu finden. In Flöha gibt es ab Juli nur noch zwei Zahnarztpraxen: die von Dr. Katharina Kandt an der Augustusburger Straße und die Praxis „Zahnbrillant“ von Dr. Annekathrin Bruder am Baumwollpark.

Damit bildet Flöha das ab, wovor die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen Ostdeutschlands vor zwei Wochen gewarnt haben: Die zahnmedizinische Versorgung in Ostdeutschland steht vor dem Kollaps. Tausende Patienten suchen Praxen oder müssen lange Wartezeiten in Kauf nehmen, hieß es von der Interessenvereinigung der Zahnärzte, die mehr Studienplätze fordert, eine Förderung von Praxen in ländlichen Gebieten sowie Planungssicherheit für die Praxen und einen Bürokratieabbau.

Zahnärztin: Für Silvia Friedrich ein Traumjob mit Hürden

„Alles längst bekannt“, sagt Silvia Friedrich und winkt ab. Sie hat gemeinsam mit ihrer Kollegin selbst eine Praxis-Nachfolge gesucht - und nicht gefunden. Zwar habe es Interessenten gegeben, aber die Ansprüche und Erwartungen der Interessenten waren weit entfernt von der Realität. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Der Zahnarztberuf sei ein Traumjob, sagt Silvia Friedrich. Könnte sie die Uhr zurückdrehen, würde sie den beruflichen Weg wieder genauso gehen. Aber die „Begleitumstände“ aus Bürokratie, Auflagen und Vorschriften machen aus dem Traumjob mitunter eine Tortur. Dazu kommen die besonders fordernden Bereitschaftsdienste, die wirtschaftliche Verantwortung und eine strenge Budgetierung. „Wenn die jungen Kolleginnen oder Kollegen im Praktikum den täglichen Aufwand in einer Praxis erleben, entscheiden sie sich lieber für eine Anstellung oder gehen ins Ausland“, sagt Silvia Friedrich.

Ihr tun die Patienten leid, die den Mangel ausbaden müssen. Sie selbst muss sich übrigens auch einen Zahnarzt suchen, denn bislang wurde sie von ihrer Kollegin behandelt. Wenigstens hat das Praxisteam, das aus drei Helferinnen besteht, bereits eine neue berufliche Perspektive gefunden. (mbe)

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