Kulturbüro: Mittelsachsen zieht völkische Siedler an

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Zugezogene Rechte sollen auch bei Corona-Demos in Erscheinung getreten sein.

Leisnig.

Der Landkreis Mittelsachsen ist in Sachsen Schwerpunkt bei der Ansiedlung sogenannter völkischer Siedler. Das geht aus einer Broschüre hervor, die das Kulturbüro Sachsen in dieser Woche aufgelegt hat. Demnach soll sich etwa in Naunhof bei Leisnig ein rechtsextremer Verlag niedergelassen haben, dessen Inhaber früher bei der inzwischen verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) aktiv gewesen sein soll. Spätestens seit 2018 sollen sich weitere faschistische und völkische Familien - darunter ein Ex-Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern - systematisch rund um Leisnig angesiedelt haben, heißt es.

Völkische Siedler beziehen sich auf die Anfang des 20. Jahrhunderts entstandene völkische Bewegung, schreibt das Kulturbüro. "Anhänger der Bewegung unterliegen auch heute noch dem Irrglauben, dass nur Menschen, von denen sie selbst denken, dass sie der gleichen Abstammung entspringen, miteinander leben könnten", heißt es in der Broschüre. In der Region Leisnig treten die Siedler den Angaben nach inzwischen auch als Redner und Initiatoren von Demonstrationen auf, etwa im Frühjahr dieses Jahres bei Protesten gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie.

Neben Leisnig werden auch der Ostrauer Ortsteil Noschkowitz und der Lunzenauer Ortsteil Cossen als Wohnorte völkischer Siedler genannt. Dass diese sich schwerpunktmäßig in Mittelsachsen ansiedeln, führt das Kulturbüro einerseits auf niedrige Immobilienpreise zurück. Andererseits fürchten die völkischen Siedler nach Einschätzung des Kulturbüros in der Region weder eine kritische Zivilgesellschaft noch nennenswerte Störungen von Verwaltungsseite. Die Siedler wähnten sich "in einem gesellschaftlichen Klima, welches die rassistischen Positionen mitträgt", heißt es.

Das Kulturbüro Sachsen berät nach eigenen Angaben seit 2001 Akteure aus lokaler Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit dem Ziel, rechtsextremistischen Strukturen eine aktive demokratische Zivilgesellschaft entgegenzusetzen.

Die Publikation kann per E-Mail an broschueren@kulturbuero-sachsen.de bestellt werden und ist im Internet zu finden unter: kulturbuero-sachsen.de

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