Deutliche Kritik am Radnetz

Im Kreistag gehen die Meinungen über die Fortschritte für Radfahrer im Landkreis auseinander. Hier die Meinungen aus den Fraktionen zur Situation der Radfahrer im Landkreis.

Freiberg.

Jana Pinka, stellvertretende Vorsitzende der Kreistagsfraktion der Linken in Mittelsachsen:

Bei der 2018 durch den Kreistag verabschiedeten touristischen Radverkehrskonzeption bleibt der "Alltagsradler" ausgeblendet, solange diese Konzeption nicht unter diesem Gesichtspunkt wieder fortgeschrieben wird.  Es gibt viele Möglichkeiten, die Radverkehrssituation zu verbessern und das auf mehreren Ebenen:
1. Die Landesregierung verspricht erneut Fördermittel für neue Radwege (https://medienservice.sachsen.de/medien/news/235494).  So werden die Radwegeabschnitte beispielsweise in Halsbrücke in 2020 gefördert, weil die Mittel für diese bewilligten Baumaßnahmen in 2019 nicht ausreichten (https://www.linksfraktionsachsen.de/nc/presse/detail/news/pinka-staatsregierung-weckte-falsche-hoffnungen-zum-radwegbau-in-mittelsachsen-das-ist-unglaubwuer/). Jetzt "verkauft" das SMWA sie unter dem Slogan "Baubranche in Zeiten von Corona unterstützen". (meine Anmerkung: ganz fair ist das nicht.)  Wie ist denn der Stand zum Versprechen an die Bürger, den Radweg zwischen Freiberg und Hilbersdorf zu bauen? Da findet sich nichts in der Regierungsübersicht für 2020.
2. Der Landkreis selbst kann im nächsten Doppelhaushalt Haushaltmittel für die Umsetzung der touristischen Radverkehrskonzeption einplanen.
3. Die mittelsächsischen Städte und Gemeinden sollten alle Möglichkeiten nutzen, "radfreundlicher" zu denken. Manchmal ist nur der Wille und die richtige Entscheidung oder die Einbeziehung von Bürgern (z. B. AG Rad, ADFC) vonnöten. Als Beispiele nenne ich für Freiberg die fehlerhaften Sachentscheidungen für die Poststraße oder das Verbot der Befahrung der Brennhausgasse gegen die Einbahnstraße. Nachdenkenswert ist der Beitritt zur "Arbeitsgemeinschaft sächsischer Kommunen zur Förderung des Rad- und Fußverkehrs", um Erfahrungen oder Ideen anderer Städte zu nutzen. Interessant finde ich den Ansatz der Stadt Mittweida auf der Suche nach interkommunalen Radwegekonzeptionen für den Alltagsradverkehr.

Jörg Woidniok, Vorsitzender der CDU-/RBV-Kreistagsfraktion Mittelsachsen

Unsere Fraktion sieht die Zukunft des Radverkehrs - sowohl des touristischen als auch des Alltagsverkehrs - im Landkreis Mittelsachsen auf einem guten Weg. Die Landkreisverwaltung geht ausgehend vom Kreistagsbeschluss vom 05.12.2018 zur Fortschreibung der touristischen Radverkehrskonzeption für den Landkreis Mittelsachsen ab dem Jahr 2018 die notwenigen Schritte.

Hierzu möchte ich vor allem auf folgende Einzelprojekte verweisen:
1. Der Landkreis ertüchtigt die Strecken, die in seiner Baulastträgerschaft liegen.
2. Es wird ein Radwegekonzept für 10 Kommunen im Landkreis Mittelsachsen der Region Silbernes Erzgebirge unter Projektträgerschaft des Landkreises (Leaderprojekt) erarbeitet. Daran sind die Kommunen Bobritzsch-Hilbersdorf, Brand-Erbisdorf, Sayda, Lichtenberg, Neuhausen, Mulda, Weißenborn, Großhartmannsdorf, Rechenberg-Bienenmühle und Dorfchemnitz beteiligt. Ende des Jahres 2020 sind die Ergebnisse zu erwarten.
3. Es wird ein interkommunales Radwegekonzept - Alltags- und Freizeitradwege zwischen Zschopau und Zwickauer Mulde unter Federführung der Stadt Mittweida mit den beteiligten Kommunen Altmittweida, Rossau, Seelitz, Kriebstein, Rochlitz, Claußnitz, Geringswalde, Mittweida, Erlau, Lichtenau und Königshain-Wiederau unter Einbeziehung des Landkreises erarbeitet. Hier liegt der Zwischenbericht zur Netzentwicklung vor. Ziel ist es, Grundlagen zur Weiterentwicklung des alltäglichen und freizeitbezogenen Radverkehrs zu erarbeiten.
4. Weitere Planungen des Landkreises werden für für die Realisierung in 2021 betrieben, zum Beispiel zur K 7706 der Rad- und Gehweg Börnichen - Oederan sowie zur K 8252 der Radfahrstreifen Hartmannsdorf (Rathaus bis kurz vor Abzweig Herrenhaide).

"Sowohl mit dem Tourenrad als auch mit meinem Rennrad bin ich viel in unserem Landkreis unterwegs und kenne ihn vom Erzgebirgskamm bis nach Ostrau. Für meinen Geschmack, lässt es sich in Mittelsachsen hervorragend Rad fahren, wenn gleich es natürlich immer Verbesserungsmöglichkeiten gibt", urteilt Jörg Woidniok, der sich selbst als passionierten Radfahrer bezeichnet.

Dieter Greysinger, SPD-Kreisrat in Mittelsachsen und Bürgermeister von Hainichen:

2015 wollten wir uns als SPD gemeinsam mit dem Landkreis auf den Weg machen, um Mittelsachsen fahrradfreundlicher zu machen und legten einen Antrag für ein umfassendes Radverkehrskonzept vor. Leider wurde  von Seiten der Kreisverwaltung aus unserer Sicht nur sehr halbherzig an die Aufgabe herangegangen und aus unseren Vorschlägen wurde ein rein touristischen Konzept. Der Alltagsradverkehr wurde vollständig ausgeblendet. Heute fühlen wir uns in unserer Kritik bestätigt und sind maßlos enttäuscht, dass man mal wieder eine Chance für den Landkreis hat liegen lassen.

"Das Konzept hat nicht dazu geführt auch nur einen Meter Radweg zusätzlich zu bauen. Man hat es nicht mal geschafft die bestehenden Wege sinnvoll auszuschildern. Nach nunmehr fünf Jahren (!) ist eigentlich nichts passiert", sagt der enttäuschte SPD-Kreisrat und damalige Initiator Dieter Greysinger. "Unsere Befürchtungen haben sich bewahrheitet. Wir hätten in Mittelsachsen viele Möglichkeiten, bereits mit dem schon jetzt bestehenden Wegesystem aus Radwegen, Feldwegen, Agrarstraßen und verkehrsarmen Nebenstrecken ein Radwegenetz auszuweisen, welches sowohl für den Tourismus als auch für den Alltagsradverkehr genutzt werden kann. Leider wurde diese Anregung nicht aufgegriffen", erklärt Hainichens Bürgermeister abschließend.

Dr. Rolf Weigand, Stellvertretender Fraktionschef der AfD im Kreistag Mittelsachsen:

Wir als AfD Fraktion im Kreistag Mittelsachsen sind für eine schnelle Umsetzung von Baumaßnahmen zur Radwegfertigstellung. Von einem Radwegenetzt kann man aufgrund des Flickenteppichs nicht sprechen. Viele Radwege enden auf viel befahrenen Straßen, was eine Sicherheitsgefährdung für Radfahrer und Autofahrer darstellt. Zudem gibt es genügend Orte die mit dem Rad, nicht ohne auf Bundes- oder Landessrassen zu fahren, erreicht werden können.   
Weiterhin möchten wir vor dem Hintergrund des Welterbetitels "Montanregion Erzgebirge", dass Sehenswürdigkeiten auch über Radwege erreichbar sind. Hier herrscht aus unserer Sicht ein großer Nachholbedarf. Aufgrund der Tatsache, dass viele Mittelsachsen und Sachsen in diesem Jahr ihren Sommerurlaub in der Heimat verbringen werden, ist jetzt Eile in der Umsetzung erster Maßnahmen geboten.

Lea Fränzle, Kreisrätin der Grünen-Kreistagsfraktion:

"Es ist überraschend, wie zurückhaltend das Landratsamt immer über sein eigenes Radwegekonzept gesprochen hat. Viele Bürger*innen im Landkreis wollten sich mit ihren Ideen und Vorschlägen engagieren, gerade auch beim Alltagsradverkehr, der im bisherigen Konzept nicht ausreichend mitgedacht wird. Landrat Damm hat damals die Chance verstreichen lassen, das Thema Radverkehr positiv zu nutzen und auch als touristischen Faktor für unsere Region auszuspielen. Immerhin um die Städte herum soll sich die Lage ja nun bessern, aber gerade in den Städten unseres Landkreises gibt es noch immer viele Gefahrenstellen. Döbeln macht seit Jahren vor, wie sicherer Rad- und Autoverkehr nicht gegeneinander ausgespielt, sondern zusammengedacht werden. Wenn das Landratsamt die Döbelner Erfahrungen nutzen und gezielt Mittel einstellen würde, würde der Radverkehr auch in unserer Region in die Offensive kommen. Mit den Halbherzigkeiten von Landrat Damm sind keine großen Sprünge mehr zu erwarten."

Maria Euchler, Pressesprecherin der Freien Wähler Mittelsachsen:

Die Situation für Radfahrer in Mittelsachsen ist überwiegend unbefriedigend, da der Radler ohne weitere Verkehrsmittel oder weite Wege nicht auf Radwege trifft. Gerade für Familien mit kleinen Kindern muss mind. ein weiteres Verkehrsmittel genutzt werden, um dann ausgebaute schöne und sichere Radwege zu erreichen. Heißt im Umkehrschluss, die interkommunale Erschließung der bekannten Radverkehrsrouten sollte Ziel der kommenden Jahre sein. Da die Kommunen bei diesem Thema kaum Gehör bekommen, ist von der Stadt Mittweida mit ihren angrenzenden Kommunen oder auch von Burgstädt aus beispielsweise ein eigenes interkommunales Radwegekonzept ins Leben gerufen worden - über Gemeinde- und Parteigrenzen hinweg. Für derartige Konzepte müsste auch auf Landkreisebene mehr Interesse gezeigt werden, denn wir haben gemerkt, in der Gemeinschaft sind derartige Projekte finanzier- und umsetzbar. Die Freien Wähler Mittelsachsen würden daher derartige Konzepte, die die Radwege zwischen den großen Radwegen betreffen, uneingeschränkt unterstützen.

FDP: Auch die Liberalen würden sich größere Anstrengungen wünschen, um beim Radwegenetz voranzukommen. Vom Ausbau des Mulderadwegs beispielsweise könnten Touren- und Alltagsradler profitieren, sagt Karl-Heinz Manthau, Geschäftsführer der FDP-Fraktion.

2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    423949
    13.05.2020

    @27121950

    Ja, die Situation in Lichtenwalde, aber auch in Braunsdorf ist vor allem an den Wochenenden gefährlich. Schreiben Sie mal eine Mail und besprechen wir das Thema demnächst mal im Gemeinderat oder Kreistag: info (at) gruene-mittelsachsen.de

  • 2
    1
    27121950
    13.05.2020

    Hallo, wenn's auch viele nicht wissen, Mittelsachsen geht östlich von Chemnitz bis zu dessen Stadtgrenze. Radwege gibt es rund um Lichtenwalde jedoch keine. Das Befahren der B-und S-Straßen gleicht einem Kamikazeflug. Kaum eine andere Region wird, besonders an Wochenenden, so frequentiert.