Freiberg: Die gute Seele der Musikschule geht in den Ruhestand

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Margot Berthold leitete die Musikschule Mittelsachsen 13 Jahre lang. Die heute 63-Jährige aus Waldheim setzte sich für die großen und kleinen Talente ein.

Freiberg.

Abschied nach 32-jähriger Tätigkeit in der Musikschule und 13 Jahren als Leiterin der Musikschule in der Mittelsächsischen Kulturgesellschaft: Margot Berthold geht am Donnerstag in den Ruhestand. Ihren offiziellen Abschied hatte die 63-jährige Waldheimerin bereits vor den Sommerferien beim Zeugniskonzert in Flöha. Lehrer und Schüler bedankten sich herzlich, überreichten Blumen und Geschenke. Das sagen Wegbegleiter:

"Sechs Jahre konstruktiver und lösungsorientierter Zusammenarbeit"

Kathrin Hillig, Geschäftsführerin der Mittelsächsischen Kulturgesellschaft: "Ich blicke mit großer Freude auf sechs Jahre konstruktiver und lösungsorientierter Zusammenarbeit mit Frau Berthold zurück. Besonders dankbar bin ich, dass sie ihre Stellvertreterin in alle wichtigen Themen und Prozesse der Leitung der Musikschule involviert hat, sodass Frau Elisabeth Pflüger jetzt ohne Einarbeitung die fachliche Verantwortung für diese Einrichtung übernehmen kann. Kontinuität ist mir sehr wichtig. Gleichzeitig freue ich mich darauf, dass die neuen Führungskräfte ihre eigenen kreativen Ideen einbringen."

"Ihre Saat ist aufgegangen"

Dr. Klaus-Dieter Anders, erster Vorsitzender des Verbandes deutscher Musikschulen, Landesverband Sachsen: "Margot Berthold kenne ich seit 1993, vielleicht haben wir aber unbekannterweise schon 1980 miteinander gesungen - sie als Studentin, ich als Noch-Nicht-Student der Musikpädagogik in Leipzig. Gemeinsame Lehrer und Studiumsanekdoten bildeten daher schnell die sehr persönliche Basis für die dienstliche Zusammenarbeit. Ihre Herzlichkeit im Umgang mit kleinen und großen Musikschuleleven, gekoppelt an das Streben, bestmöglichst zu fordern und fördern, hat das Ansehen der Musikschule entscheidend geprägt. Bei Konzerten und Wettbewerben konnte ich mich überzeugen, wie ihre Saat aufging und zu hervorragenden Leistungen führte."

"Sie prägte ganze Generationen"

Lukas Malik, Musikpädagoge in der Musikschule: "Sie prägte ganze Generationen. Die heutigen Eltern saßen bei ihr auf den Kinderstühlen, und man sieht sie ihre Kinder wiederum zu ihr in die musikalische Früherziehung bringen. Ihr war die seltene Gabe zu eigen, mit den jüngsten Kindern, mit heranwachsenden Jugendlichen, mit Erwachsenen nicht minder einfühlsam umzugehen. Bekannt wurde die Musikschule durch die Erfolge der Wettbewerbsteilnehmer bis hin zum Bundeswettbewerb ,Jugend musiziert', wofür neben den Fachlehrern in erster Linie Margot Berthold der Dank gebührt. Auch in schwierigen Zeiten hielt sie Schüler, Eltern und Lehrer zusammen und führte die Institution in sicherem Fahrwasser. Ihre echte Freude und Anerkennung galt Bundespreisträgern genau wie dem ersten gelungenen Vorspiel der Jüngsten. Als Moderatorin öffentlicher Präsentationen führte sie - das Herz am rechten Fleck und für gewöhnlich auf der Zunge tragend - erfrischend durchs Programm. Ihre Sorgen schilderte sie nur im engen Kreis. Im Brennpunkt stand der Fortbestand der Musikschule, die sie mit Herz und Leidenschaft führte. Sie hinterlässt ein wohl bestelltes Haus."

Immer hilfsbereit und zuverlässig

Andreas Schwinger, früherer langjähriger Sachgebietsleiter für Kultur in Freiberg: "Frau Berthold und ich kennen uns seit den 1960er-Jahren, als wir beide in Leisnig in der Kurrende gesungen haben. Sie war immer hilfsbereit und zuverlässig, wenn es um gemeinsame Projekte oder/und Unterstützung der Freiberger Kulturszene ging. Engagiert setzte sie sich für die Finanzierung Ihrer Musikschule ein."

"Ohne unsere ,Musikschul-Mutti' wäre es bestimmt anders gelaufen"

Familie Schumann aus Roßwein: "Frau Berthold ist uns seit 16 Jahren eine treue Begleiterin. Wir haben vier Kinder in der Musikschule. Egal, mit welchem Problem man kam, sie war immer zur Stelle. Unsere Tochter Johanna hat Fagott gelernt. Leider zog der Lehrer weg. Aber Frau Berthold fand eine Lösung. Da der erste und der zweite Lehrer nicht recht auf die Stelle passten, ruhte sie erst, als dann der Dritte perfekt war. Unser Sohn Georg-Friedrich lernte Flöte und war nicht zufrieden damit. Sie wusste, das kann nur ein Blechbläser werden. Uns so landete er bei Herrn Berger und spielt heute erfolgreich in der Big Band. Unsere Tochter Meta musste leider durch Corona auch ihren Lehrer verabschieden. Im Fach Oboe gab es aber keinen Ersatz. Als Meta dann mit der Idee vom Musikgymnasium Dresden kam, Internat und mit 15 Jahren im Sturm-und-Drang-Alter zu Hause ausziehen wollte, war auch hier Frau Berthold zu Stelle. Diesmal nicht nur mit gutem Rat für das Kind. Nein, sogar uns Eltern stand sie zur Seite. Und es war gut so. Meta hatte eine wunderbare Zeit. Nun ist noch die Kleinste, unsere Annemarie. An unserer Schule ist ein sehr engagierter Kontrabasslehrer. Ohne Frau Berthold wäre er sicher nicht in Döbeln. Die Musikschule ist das Beste, was unseren Kindern passieren konnte. Ohne unsere ,Musikschul-Mutti' wäre es bestimmt anders gelaufen. Sie hat den Laden zusammen gehalten!"

"So manches Zeugnis und Abschiedskonzert war sehr emotional"

Cordula Piechaczek, ehemalige langjährige Elternratsvorsitzende der Musikschule: "Im Herbst 2012 bat mich Frau Berthold, den Vorsitz des Elternrates zu übernehmen. Ich habe zwar zugesagt, war mir aber etwas unsicher, ob ich den Anforderungen gerecht würde. Diese Angst hat mir Frau Berthold ganz schnell genommen, und es wurde eine sehr gute Zusammenarbeit. Ich konnte mich jederzeit mit Fragen oder Anliegen an sie wenden, und umgedreht war es genauso. Probleme wurden mit ihr und dem gesamten Elternrat besprochen, gemeinsam Lösungen gefunden. Sie hat immer versucht, die Eltern der Schüler mit einzubeziehen. Frau Berthold war stolz auf die Leistungen, die die Musikschüler gemeinsam mit den Lehrern, erbrachten. So manches Zeugnis und Abschiedskonzert war sehr emotional, wenn dann aus den kleinen Zwergen, wie sie gern sagte, gestandene Erwachsene und Musiker wurden und diese die Musikschule verließen."

"Wir geben ihr die Bestnote"

Stefan Nagel, Kassenwart des Musikschulfördervereins: "Wir als Förderverein können sagen, dass die Zusammenarbeit mit Frau Berthold unkompliziert und unbürokratisch ablief. Sie war unsere Ansprechpartnerin, wenn es darum ging, für wen oder was wir Spendengelder akquirieren können, und sie sagte, wer einer Förderung bedurfte. Wir möchten uns für die Zusammenarbeit auf Augenhöhe bedanken und geben ihr dafür die Bestnote: 25 Punkte - 1. Preis."

https://www.freiepresse.de/mittelsachsen/floeha/blumen-fuer-abschlussschueler-und-eine-lehrerin-artikel12301790

https://www.kultur-mittelsachsen.de/musikschule/

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