Mittelsachsen verliert Einwohner - das sagen die Bürgermeister

Die Bevölkerungszahl in Mittelsachsen ist seit 2005 kräftig geschrumpft. Doch die Entwicklung läuft nicht gleichmäßig. Das sagen die Bürgermeister dazu:

 


Bobritzsch-Hilbersdorf

Die Gemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf hat laut Statistischem Landesamt hat seit 2005 etwa 7 Prozent ihrer Einwohner verloren. Sie gehört damit zu den stabilsten Kommunen im Landkreis Mittelsachsen. Bürgermeister René Straßberger (CDU) erklärt dazu: 

 

Worauf führen Sie die vergleichsweise stabile Bevölkerungszahl zurück?

Die Grundschulen und der Oberschulstandort konnten zum Glück in der Gemeinde gehalten werden und Kindertagesstätten stehen in vier von fünf Ortsteilen zur Verfügung. Gleichzeitig haben wir ein aktives Vereinsleben in unserer Gemeinde. Für die Gemeinde spricht weiterhin die Nähe zu Freiberg und zentrale Lage zwischen Dresden und Chemnitz. Nach der Wende wurden bereits die richtigen Weichen gestellt, indem Wohnbauland erschlossen wurde. Dieses ist jetzt allerdings vollkommen ausgeschöpft.

Welche Bedeutung hat die Einwohnerzahl für die Kommune?

Die Einwohnerzahl ist ein Entwicklungsindikator für die Zukunft der Gemeinde. Für den Haushalt spielt die Einwohnerzahl durch Zuweisungen und dem Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer ebenfalls eine wichtige Rolle.

Was wird Ihrerseits für die Entwicklung der Einwohnerzahl getan?

Die Gemeinde versucht, entsprechend der gegebenen Möglichkeiten die bestehende Infrastruktur zu erhalten und auszubauen. Um Abwanderung zu vermeiden, entwickeln wir bedarfsgerecht weitere Wohnbaulandflächen.

Welche Hilfen würden Sie sich von wem in punkto Einwohnerzahl wünschen?

Von der Bundesregierung würde ich mir deutlich einfachere Verfahren zur Wohnbaulandentwicklung und von den Raumordnungsbehörden mehr Zugeständnisse für Landkommunen wünschen.
 

 


Kriebstein

Die Gemeinde Kriebstein hat laut Statistischem Landesamt seit 2005 mehr als 20 Prozent ihrer Einwohner verloren. Sie gehört damit zu den Kommunen mit dem höchsten Bevölkerungsverlust im Landkreis Mittelsachsen. Bürgermeisterin Maria Euchler (Freie Wähler Kriebstein) dazu:
 

Worauf führen Sie die sinkende Bevölkerungszahl zurück?

Kriebstein ist eine durchweg ländliche Region, abgesehen vom Ortsteil Kriebethal, der zwei große Papierfabriken aufweist. In den ländlichen Regionen ist es schon immer so, dass mehrere Generationen in den Gehöften miteinander leben. Dass viele alte Bauerngüter noch von den alten Generationen bewohnt werden. Ich sehe aber seit 7 Jahren ein Umdenken, extrem fällt mir das (auch durch meine Arbeit als Bürgermeisterin) seit 3 Jahren auf. Die Menschen wollen raus aus den Städten. Bezahlbarer Wohnraum findet sich auf den Dörfern. Und hier ist Kriebstein sehr gut im Herzen von Sachsen gelegen: Wir haben bis nach Chemnitz 30 min. Fahrtweg, bis nach Dresden und Leipzig ca. jeweils eine Stunde. Das fährt so mancher zur Arbeit, auch wenn er in der Großstadt wohnt.

Mein Vorgänger prognostizierte, dass ich jährlich 40 Einwohner verlieren werde. Dies habe ich gestoppt, 2018 sogar umgekehrt. Wir hatten einen Zuwachs von 2 Einwohnern. Das klingt total wenig, wenn man aber betrachtet, dass man trotz Verlust genügend dazu bekommen hat und sogar noch ein Plus hatte, ist das ein Riesenerfolg. Die übrigen Jahre lagen wir bei einem Schwund um die 10 Einwohner. Wir haben für unsere Gemeinde tolle Geburtenraten; auf knapp über 2.000 Einwohner kommen pro Jahr mehr als 20 Kinder. Alle alten Gehöfte, die zum Teil leer standen, sind verkauft. Junge Familien versuchen, diese auszubauen, zu sanieren. LEADER ist ein tolles Programm dafür, welches es 2005 auch noch nicht gab.

Dennoch mussten wir mit Rückschlägen klarkommen: Die Weilbergsiedlung (Wochenendsiedlung innerhalb der Gemeinde) durfte nicht mehr als Hauptwohnsitz genutzt werden. Sie ist ein ausgewiesenes Wochenendgebiet, welches der Erholung dient und nicht zur dauerhaften Nutzung genutzt werden darf. Wir verloren auf einen Schlag von amtswegen 17 Einwohner. Das Pflegeheim in Kriebethal hat nun im September zu gemacht. Wir verloren erneut 40 Einwohner, die sonst sehr stabil jedes Jahr ein- und auszogen und vorhanden waren. 

Welche Bedeutung hat die Einwohnerzahl für die Kommune?

Die Einwohnerzahl ist sehr wichtig in der Betrachtung, ob eine Gemeinde eigenständig bleiben darf/sollte oder nicht bzw. ob deren Bürgermeister hauptamtlich tätig sein darf oder eben nicht. Dieses Gesetz soll es zum 01.01.2022 nicht mehr geben, dann dürfen auch Kommunen mit unter 2.000 Einwohnern einen hauptamtlichen Bürgermeister stellen. Aber hier geht es nicht um mich oder einen anderen kommunalen Vertreter. Ab irgendeinem Punkt lohnt sich die Eigenständigkeit für eine Gemeinde nicht mehr, wodurch die Einwohnerzahl hier durchaus immer betrachtet werden sollte.

Was wird Ihrerseits für die Entwicklung der Einwohnerzahl getan?

Zunächst einmal ist die Infrastruktur enorm wichtig: Vorhandene Kindereinrichtungen auf einem konkurrenzfähigen Stand, Straßen, Plätze und Angebote, die für die Attraktivität einer Gemeinde sprechen, sind hier die Hauptpunkte, die junge Menschen sich anschauen, ob sie in einer Gemeinde wohnen möchten. Die Einkaufsmöglichkeiten, die Busverbindungen oder alternativen Angebote sind weitere Kriterien. Wir als Gemeinde kümmern uns vorrangig um die öffentlichen Einrichtungen, Straßen, halten eine Feuerwehr vor, versuchen, Bauland zu schaffen oder anzubieten. Ich komme mit vielen Menschen ins Gespräch, die sich für die Gemeinde interessieren und unterstütze, wenn es nicht um unsere Grundstücke geht, bei behördlichen Dingen und dem Knüpfen von Kontakten.

Welche Hilfen würden Sie sich von wem in punkto Einwohnerzahl wünschen?

Einfachere Genehmigungsverfahren bei Bauanträgen, Fördermittel für die ländliche Region - abgesehen von LEADER.
 


Zettlitz

Die Gemeinde Zettlitz hat laut Statistischem Landesamt seit 2005 mehr als 20 Prozent ihrer Einwohner verloren. Sie gehört damit zu den Kommunen mit dem höchsten Bevölkerungsverlust im Landkreis Mittelsachsen. Bürgermeister Steffen Dathe (parteilos) erklärt dazu:

Worauf führen Sie die sinkende Bevölkerungszahl zurück? 

Wir sind eine kleine Gemeinde, die aus 6 kleinen Dörfern besteht und die weit weg von Metropolen und von attraktiven Arbeitsplätzen ist. Die Entwicklung ist nicht allein der Vernachlässigung des ländlichen Raums geschuldet, die gesellschaftlichen Ansprüche haben sich geändert. Der Wegzug junger Leute ist besonders schmerzhaft, da uns dadurch auch die Geburten fehlen. 

Welche Bedeutung hat die Einwohnerzahl für die Kommune? 

Da die Bemessungszahl für den Verbleib der Steuergelder nach der Einwohnerzahl berechnet wird, bedeuten weniger Einwohner weniger Steuergeld, was wir zur Verfügung haben.

Was wird Ihrerseits für die Entwicklung der Einwohnerzahl getan? 

Im Rahmen unserer Möglichkeiten tragen wir zur Verbesserung der Infrastruktur bei, z.B. Anbindung der Dörfer an die öffentlich Trinkwasserleitung und die Breitbanderschließung. Versuche, eine Schule in der Gemeinde wieder zu regenerieren, sind bisher gescheitert.

Welche Hilfen würden Sie sich von wem in punkto Einwohnerzahl wünschen? 

Die vielversprochene Stärkung des ländlichen Raums der Landesregierung sollte wirklich auf dem Land ankommen.


Freiberg

Die Stadt Freiberg hat laut Statistischem Landesamt seit 2005 etwa 6 Prozent ihrer Einwohner verloren. Sie gehört damit zu den stabilsten Kommunen im Landkreis Mittelsachsen. Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) erklärt dazu: 


Worauf führen Sie die vergleichsweise stabile Bevölkerungszahl zurück? 

Dafür liefert die Studie "Schwarmverhalten in Sachsen - eine Untersuchung zu Umfang, Ursache, Nachhaltigkeit und Folgen der neuen Wanderungsmuster" beste Auskünfte. 

Von 2005 (43305 Einwohner) bis 2011 (40020 Einwohner) gab es in Freiberg einen Bevölkerungsverlust, der in den folgenden Jahren bis 2016 (41642 Einwohner) umgekehrt werden konnte; seither sinkt die Bevölkerungszahl in Freiberg wieder (2019: 40.657) - worauf führen Sie diese Entwicklung zurück? 

Der Anstieg bis 2016 ist besonders geprägt durch die Zuweisung von Flüchtlingen. Dieser Anstieg war von vornherein nicht dauerhaft. Mit dem Rückgang der Zuweisungen sind die Zahlen auch wieder zurückgegangen. 


Welche Bedeutung hat die Einwohnerzahl für die Kommune? 

Die Einwohnerzahl ist eine wichtige Bemessungsgrundlage im kommunalen Finanzausgleich. Die Höhe der Zuweisungen ist von der Einwohnerzahl abhängig. 
Außerdem ist sie ein Faktor für die Steuerkraft einer Kommune und es sind von ihr auch andere kommunale Investitionspauschalen sowie sonstige Zuweisungen abhängig. 

Aber natürlich zählen Einwohner nicht nur für Zuweisungen. Sie sind das Herz unserer Stadt. Gemeinsam leben wir hier, feiern gemeinsam, machen unsere Stadt zusammen immer schöner. Wir haben ein großes Potenzial an ehrenamtlich Tätigen. Und je mehr Einwohner wird haben, umso mehr können sich auch betätigen in unserer Stadt. Dafür haben wir sehr viele Angebote - von Sport, Kultur über soziale Vereine etc.  Freiberg ist eine Stadt, in der sich Einwohner wohlfühlen können - und wir schaffen täglich die Vorrausetzungen, dass es noch mehr werden können. 

Welche Hilfen würden Sie sich von wem in punkto Einwohnerzahl wünschen? 

Familienfreundlichkeit ist hierbei ein ganz großes Thema. Doch dafür zu sorgen, das will ich nicht einem Einzelnen in die Schuhe schieben - dafür müssen wir alle gemeinsam anpacken. 

Was wird Ihrerseits für die Entwicklung der Einwohnerzahl getan? 

Freiberg ist eine  wunderschöne Stadt - mit großer Geschichte und sehr guten Bedingungen, sich hier wohlzufühlen. Wir haben eine Infrastruktur, die sich viele Orte unseres Landes wünschen würden. Allein alle Kitas und Schulen sind fast komplett erneuert. Dafür haben wir in den vergangenen zehn Jahren rund 52 Millionen investiert, aber auch in Kultur, Straßenbau und Hochwasserschutz ...  und den Erwerb des Bahnhofs. Als Universitäts- und Wirtschaftsstandort bieten wir Zukunft. 
Einige Beispiele, die uns wichtig sind, nennen im Folgen die verantwortlichen Amtsleiter. 

Martin Seltmann, Leiter des Stadtentwicklungsamtes: 
Im Bereich der Stadtentwicklung wurden in den vergangenen Jahren etliche Planungen durchgeführt und begonnen, um neue Wohnbauflächen für Freiberger und Zuzügler zu schaffen. 
Unter anderem wurde im Bereich des Münzbachtals das neue Wohngebiet an der August-Ferdinand-Anacker-Straße mit ca. 33 Bauplätzen ausgewiesen. Auch im Bereich der Clausthaler Str. wurden 10 neue Einfamilienhausplätze geschaffen. 
Im Bereich Mietwohnungsbau wurde dieses Jahr das Bauleitplanungsverfahren "Freiberger Garten" abgeschlossen. An dem Standort Friedeburger Str., Johanna-Römer-Str. plant die Wohnungsgenossenschaft Freiberg bis zu 70 neue Wohneinheiten. 

In Planung befindliche Flächen für Einfamilienhäuser (EFH):
An der Leipziger Str. befinden sich ca. 17 EFH und 4 MFH Bauplätze in Planung. Eine weitere Planung wurde im Bereich Zug entlang der Berthelsdorfer Str. sowie an der Hauptstraße in Zug begonnen. Weitere Flächen befinden sich in Untersuchung. 

In Planung befindliche Fläche für Mehrfamilienhäuser (MFH):
Im Bereich der Dresdner Str. wurde ein Bauleitplanverfahren begonnen, welches die Nachnutzung der Gewerbebrache im Bereich der ehemaligen Zinkerei ermöglichen soll. Hier sollen bis zu 92 neue Wohneinheiten entstehen. 

Als Grundlage der verbindlichen Bauleitplanung (Bebauungspläne) erfolgt die Überarbeitung des Flächennutzungsplans in dem weitere Flächen für eine mögliche Entwicklung ausgewiesen werden. 
Mit der Ausweisung von Fördergebieten wie dem SDP (städtebaulicher Denkmalschutz) im Bereich der Altstadt, sowie dem SSP (Soziale Stadt) wird die Sanierung der beiden Stadtteile vorangetrieben. Im Bereich Altstadt ist zusehen wie erfolgreich dies geschieht. Die Attraktivierung der Stadtteile ist eine wesentliche Grundvoraussetzung im Werben um neue Einwohner und im Halten des Einwohnerbestandes. 

Anja Fiedler, Leiterin des Amtes für Kultur-Stadt-Marketing: 
- Stadtbibliothek mit einem sehr attraktiven & aktuellen Medienbestand, zahlreiche Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche 
- Stadt- und Bergbaumuseum, Neugestaltung der Dauerausstellung, Sonderausstellungen mit thematischen Zeitbezug, zahlreiche VA für Kinder & Jugendliche sowie Fachvorträge für Erwachsene 
- Tourismus, Organisation von Stadtführungen z.B. für Familienfeiern, erste Anlaufstelle für Ticketservice in der Stadt oder "einfach nur" freundliche Auskunft/Anlaufstelle für alle kulturellen Leistungsträger 
- Kultur: Unterstützung im Rahmen der Vereinsförderung sowie Kleinstprojekte von Vereinen, Verbänden, Organisation von kulturellen Projekten, Stärkung des kulturellen Vereinsleben' 
- Event: Organisation von kleineren Stadtfesten sowie Großveranstaltungen Bergstadtfest und Christmarkt, Durchführung des Wochenmarktes auf dem Obermarkt und Park der Generationen, Bewirtschaftung der Nikolaikirche als Konzert- und Tagungshalle für Dritte. 
--> als dies sind Projekte, damit sich Menschen ein soziales und kulturelles Leben in der Silberstadt Freiberg aufbauen können und dies mit Familie & Freunde aktiv genießen können. 

Bettina Keller, Wirtschaftsförderin: 
Unterstützung und Begleitung von Unternehmen bei der Erweiterung oder Ansiedlung in Freiberg. Dadurch werden neue, attraktive Arbeitsplätze geschaffen und wiederum neue Arbeitnehmer aus der Region angezogen, die sich auch in Freiberg niederlassen. 
Werben für Freiberg als attraktiver und vielfältiger Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort u.a. mittels Nacht der Wissenschaft und Wirtschaft und Erstellung der Wirtschaftsbroschüre, Tag der offenen Türen in Unternehmen, um Forscher, Studenten, Arbeitnehmer und potentielle Einwohner auf die Silberstadt aufmerksam zu machen und anzulocken. Unterstützung und Begleitung von Start-ups und Unternehmensgründer u.a. mit Auslobung des Gründerwettbewerbs Lebendige Innenstadt Freiberg, um Gewerbetreibende für Freiberg zu gewinnen bzw. die Abwanderung von potenziellen Gründern (=Einwohner) zu verhindern. Ausreichung eines Zuschusses für die Ansiedlung von Ärzten in Freiberg, um den Ärztebedarf abzudecken und den Einwohnern ein attraktives Lebensumfeld zu ermöglichen. 

Franziska Loose, Leiterin des Amtes für Bildung, Jugend und Soziales
Eine wesentliche Komponente bei der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung von Städten ist die Bildung.  Eine gut ausgebaute Bildungslandschaft trägt zur gesellschaftlichen Teilhabe der Bürger/innen eines Gemeinwesens und zu mehr Chancengerechtigkeit bei. 
Bildung ist somit ein Standortfaktor für Freiberg und das Amt für Bildung, Jugend und Soziales schafft dafür die entsprechenden Rahmenbedingungen. Dazu zählt ein sehr gut ausgebautes Netz an Kinderbetreuungsmöglichkeiten und gut sanierte und ausgestattete Schulstandorte. 
Die im Haushalt veranschlagten Mittel für den Bildungssektor sind eine der größten Positionen im kommunalen Haushalt. Freiberg fördert zudem eine Vielzahl an Vereinen und Initiativen im Kinder- /Jugendbereich sowie im sozialen Sektor. Im Amt für Bildung, Jugend und Soziales gibt es eine Soziale Beratungsstelle, die Bürgerinnen und Bürger bei sozialen Fragestellungen unterstützt. Im Freiberger Bündnis für Familienfreundlichkeit haben sich bspw. viele unterschiedliche Akteure aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zusammengeschlossen, die das Ziel haben, sich gemeinsam für die Stärkung der Rahmenbedingungen für Familie einzusetzen und diese auf unterschiedliche Weise zu unterstützen. 
 


Hartmannsdorf

Die Gemeinde Hartmannsdorf hat laut Statistischem Landesamt seit 2005 etwa 6 Prozent ihrer Einwohner verloren. Sie gehört damit zu den stabilsten Kommunen im Landkreis Mittelsachsen. Bürgermeister Uwe Weinert (CDU) erklärt dazu: 
 
Worauf führen Sie die vergleichsweise stabile Bevölkerungszahl zurück? Auffällig ist, dass die Gemeinde Hartmannsdorf seit 2016 wieder an Bevölkerung gewonnen hat.

Hartmannsdorf bietet eine sehr gute Infrastruktur - wie Schulen, Kita, Hort, Einkaufsmöglichkeiten, ärztliche Versorgung, gute Anbindung an ÖPNV und die Autobahn sowie ein vielfältiges und gutes Angebot an Arbeitsplätzen und Freizeitmöglichkeiten. 
Der Zuzug gerade junger Leute hat zugenommen. Der Wegzug dieser Gruppe ist eher seltener.

Welche Bedeutung hat die Einwohnerzahl für die Kommune?

Unter anderem auch eine finanzielle Bedeutung in Form des Einkommensteueranteils.

Was wird Ihrerseits für die Entwicklung der Einwohnerzahl getan?

Das Angebot an Wohnraum gerade für junge Familien mit Kindern wird erweitert. Wir haben niedrige und stabile Kita- und Hortbeiträge. Des Weiteren tun wir sehr viel für den Erhalt und den Ausbau der bestehenden Infrastruktur.

Welche Hilfen würden Sie sich von wem in punkto Einwohnerzahl wünschen?

Ich sehe im Moment keine Hilfsbedürftigkeit.
 


Neuhausen

Die Gemeinde Neuhausen hat laut Statistischem Landesamt seit 2005 mehr als 20 Prozent ihrer Einwohner verloren. Sie gehört damit zu den Kommunen mit dem höchsten Bevölkerungsverlust im Landkreis Mittelsachsen. Bürgermeister Peter Haustein (parteilos) erklärt dazu: 
 
Worauf führen Sie die sinkende Bevölkerungszahl zurück?

Der angegebene Verlust an Einwohnern ist so, in den Jahren um 2000 haben so bis zu 100 Einwohner pro Jahr verloren, später dann "nur" noch so etwa 30, in den letzten beiden Jahren lagen wir bei plus/minus 0.
Der wichtigste Punkt ist, dass zu wenig Kinder geboren werden, das wiederum geht zurück auf die fehlenden Mütter, die entweder abgewandert sind oder nach 1990 schon zu wenig geboren wurden. Neuhausen war bis 1990 ein Industrieort, Hauptzentrum der DDR-Stuhlindustrie. Es wurden täglich 2000 Stühle produziert. Die Vereinigte Sitzmöbelindustrie hatte ca. 2000 Beschäftigte mit zahlreichen Betriebsteilen, davon 1000 Beschäftigte direkt in Neuhausen. Außerdem war Neuhausen Berufsschulstandort für Stuhlbauer/Drechsler/Tischler für die gesamte DDR. Das alles ist mit der Wende weggebrochen, d.h. viele Menschen hatten keine Perspektive mehr. Dennoch gibt es viele kleine Handwerks- und Produktionsbetriebe, die natürlich nicht die Menge an Arbeitskräften benötigt.
 
Welche Bedeutung hat die Einwohnerzahl für die Kommune und was wird Ihrerseits für die Entwicklung der Einwohnerzahl getan? 
 
Die Gemeinde lebt mit und für ihre Bürger, d.h. Vereine bleiben nur existent, wenn 
engagierte Menschen die Vereine leben. Menschen werden auch dringend benötigt, um die zahlreichen Wohnhäuser zu bewohnen, sie vor allem zu erhalten und damit das Ortsbild zu erhalten. Abrisse von Wohnhäusern mussten wir bisher nur in 2 Fällen veranlassen, hingegen wurde der größte Teil der Betriebsstätten der Sitzmöbelindustrie einschließlich der Berufsschule abgerissen. Ein ordentliches Ortsbild ist notwendig, da neben den kleinen vorhandenen Betrieben vor allem der Tourismus für Neuhausen und die gesamte Region existentiell ist. 
Für die Gemeinde außerordentlich wichtig war der Erhalt der Grundschule. Dafür haben wir etwa 7 Jahre gegen die Pläne des Sächs. Kultusministeriums gekämpft, sie wollten die Schule schließen - wir haben gewonnen!.
Die Gemeinde unterstützt die kleinen Betriebe, z.B. mit Aufträgen oder der Vermittlung von Informationen über Fördermittel. Der Tourismus ist geprägt von einer guten Zusammenarbeit von Beherbergungsbetrieben und Gemeinde/Touristinfo. Hier werden die Projekte (Blockline, Kernwanderwege, Skiareal…) im Wesentlichen durch die Gemeinde vorangetrieben. Sehr wichtig ist auch die ständige Verbesserung der Infrastruktur, insbesondere der Verkehrsinfrastruktur (wir sind immer noch mind. eine Stunde von der Autobahn entfernt und der ÖPNV ist mehr als verbesserungsbedürftig). Straßenbauseitig war unser ständiges "Drücken" in den letzten Jahren erfolgreich. 

Welche Hilfen würden Sie sich von wem in punkto Einwohnerzahl wünschen?

Ein neues, hoffentlich weniger bürokratisches Leader-Programm - über Leader konnten in den letzten Jahren, nicht nur in Neuhausen leer stehende oder leer werdende Häuser gefördert und damit gerettet werden. Menschen verschiedenster Altersstruktur ziehen in díese Häuser ein. Weitere Förderprogramme für Straßenbau, aber auch Abrisse.
Erhalt der Schulen!
Unterstützung des ländlichen Raumes - Ich habe schon mehrfach kommuniziert, dass pro Bürger im ländlichen Raum mehr finanzielle Unterstützung benötigt wird, als in den Städten!

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